Die Europäische Union arbeitet an einem neuen Gesetz, das Verbraucher im digitalen Alltag besser schützen soll. Mit dem geplanten Digital Fairness Act sollen unter anderem Abofallen, manipulative Internetseiten, irreführende Influencer-Werbung und problematische Designtricks stärker reguliert werden. Noch befindet sich das Vorhaben in der Planungsphase, doch die geplanten Änderungen könnten den Online-Handel und digitale Dienste grundlegend verändern.
Ein Schwerpunkt des Gesetzes liegt auf dem besseren Schutz vor sogenannten Abofallen. Künftig sollen Verträge genauso einfach kündbar sein, wie sie abgeschlossen wurden. Kündigungsbuttons, wie sie in Deutschland bereits vorgeschrieben sind, könnten europaweit verpflichtend werden. Damit sollen Verbraucher nicht länger durch komplizierte oder versteckte Kündigungswege an kostenpflichtige Abonnements gebunden werden.
Darüber hinaus will die EU sogenannte Dark Patterns stärker bekämpfen. Dabei handelt es sich um bewusst eingesetzte Gestaltungselemente auf Internetseiten oder in Apps, die Nutzer zu Entscheidungen verleiten sollen, die sie eigentlich nicht treffen möchten. Beispiele sind künstlicher Zeitdruck, versteckte Zusatzkosten oder irreführende Schaltflächen. Solche Manipulationen sollen künftig deutlich stärker eingeschränkt werden.
Auch Spieler von Videospielen könnten von den neuen Regelungen profitieren. Nach den Plänen sollen Spielehersteller erworbene Spiele nicht mehr ohne Weiteres unbrauchbar machen dürfen, etwa durch das Abschalten notwendiger Server. Zudem sollen In-Game-Käufe transparenter gestaltet und die Chancen bei sogenannten Lootboxen klar ausgewiesen werden.
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft soziale Netzwerke und Influencer-Marketing. Bezahlte Werbung soll künftig eindeutig gekennzeichnet werden und nicht mehr versteckt zwischen redaktionellen Inhalten erscheinen. Insbesondere Kinder und Jugendliche sollen besser vor irreführender Werbung und problematischen Produkten geschützt werden.
Der Digital Fairness Act sieht außerdem einen stärkeren Schutz junger Nutzer vor. Apps und Plattformen, die sich an Minderjährige richten, sollen künftig auf manipulative Funktionen wie süchtig machende Designmuster oder besonders aufmerksamkeitserzeugende Algorithmen verzichten. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche besser vor psychologischer Beeinflussung im Internet zu schützen.
Bis das Gesetz tatsächlich gilt, wird jedoch noch einige Zeit vergehen. Nach den derzeitigen Planungen will die Europäische Kommission im Herbst 2026 einen ersten Gesetzesentwurf vorlegen. Anschließend folgen die Beratungen im Europäischen Parlament und im Rat der Europäischen Union. Mit einer verbindlichen Umsetzung in den Mitgliedstaaten wird nach heutigem Stand frühestens ab 2029 gerechnet. Bis dahin sollten Verbraucher weiterhin aufmerksam bleiben und sich vor Abofallen, unseriösen Online-Angeboten und manipulativen Internetseiten schützen.