Die Windpark Havighorst GmbH & Co. Betriebs KG hat im Geschäftsjahr 2024 ihre Bilanzsumme nahezu halbiert. Ursache hierfür sind vor allem umfangreiche Ausschüttungen beziehungsweise Entnahmen an die Gesellschafter sowie der Abbau liquider Mittel. Während das Unternehmen weiterhin über eine solide Liquiditätsbasis verfügt und den Geschäftsbetrieb fortführt, sank das Eigenkapital innerhalb eines Jahres um rund 72 Prozent. Der Jahresabschluss zeigt damit eine Gesellschaft, die nach Jahren des operativen Betriebs erhebliche Mittel an ihre Eigentümer zurückgeführt hat.
Der veröffentlichte Jahresabschluss dokumentiert eine außergewöhnliche Veränderung der Vermögens- und Finanzstruktur. Anders als bei vielen Windparkgesellschaften standen im Geschäftsjahr 2024 keine größeren Investitionen im Mittelpunkt. Stattdessen wurden vorhandene Vermögenswerte und Finanzmittel deutlich reduziert.
Bilanzsumme halbiert sich nahezu
Die Bilanzsumme verringerte sich von 2,72 Millionen Euro auf rund 1,34 Millionen Euro. Damit verlor die Gesellschaft innerhalb eines Jahres knapp 1,38 Millionen Euro beziehungsweise rund 51 Prozent ihrer Bilanzsumme.
Der Rückgang ist vor allem auf den Abbau des Umlaufvermögens und die erhebliche Verringerung des Eigenkapitals zurückzuführen.
Anlagevermögen praktisch vollständig abgeschrieben
Das Anlagevermögen spielt für die Gesellschaft inzwischen kaum noch eine Rolle.
Zum Bilanzstichtag werden Sachanlagen lediglich mit 3 Euro ausgewiesen – unverändert gegenüber dem Vorjahr. Dies deutet darauf hin, dass die ursprünglichen Vermögensgegenstände vollständig abgeschrieben oder bereits veräußert wurden.
Der operative Geschäftsbetrieb stützt sich damit nicht mehr auf nennenswerte bilanzierte Sachanlagen.
Deutlich geringere Liquidität
Auch das Umlaufvermögen ging erheblich zurück.
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände sanken von rund 690.000 Euro auf knapp 348.000 Euro. Noch deutlicher verringerte sich der Bestand an liquiden Mitteln.
Die Guthaben bei Banken und der Kassenbestand reduzierten sich von 1,84 Millionen Euro auf rund 859.000 Euro. Damit halbierte sich die verfügbare Liquidität nahezu.
Zudem gingen die aktiven Rechnungsabgrenzungsposten von rund 193.000 Euro auf 137.000 Euro zurück.
Eigenkapital bricht um mehr als 1,39 Millionen Euro ein
Die auffälligste Veränderung betrifft das Eigenkapital.
Dieses sank von 1,93 Millionen Euro auf lediglich 531.000 Euro. Damit verringerte sich die Eigenkapitalausstattung innerhalb eines Jahres um rund 1,4 Millionen Euro beziehungsweise mehr als 72 Prozent.
Insbesondere die Kapitalanteile der Kommanditisten gingen von 1,76 Millionen Euro auf rund 364.000 Euro zurück. Die Rücklagen blieben dagegen unverändert bei 167.250 Euro.
Ein Bilanzgewinn oder Bilanzverlust wird weiterhin nicht ausgewiesen.
Der deutliche Rückgang spricht dafür, dass erhebliche Mittel an die Gesellschafter ausgeschüttet beziehungsweise Kapital entnommen wurde.
Rückstellungen steigen leicht
Während das Eigenkapital deutlich zurückging, erhöhten sich die Rückstellungen moderat.
Sie stiegen von rund 586.000 Euro auf etwa 644.000 Euro. Damit berücksichtigt die Gesellschaft weiterhin Verpflichtungen, die künftig zu erfüllen sind.
Der Jahresabschluss verweist darauf, dass Rückstellungen nach kaufmännischer Vorsicht bewertet und langfristige Verpflichtungen entsprechend den gesetzlichen Vorgaben abgezinst wurden.
Verbindlichkeiten sinken
Die Verbindlichkeiten reduzierten sich gleichzeitig von 211.000 Euro auf rund 168.000 Euro.
Sämtliche Verbindlichkeiten besitzen eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr. Gegenüber Gesellschaftern bestehen lediglich geringe Verbindlichkeiten.
Damit bleibt die Fremdkapitalbelastung der Gesellschaft insgesamt überschaubar.
Laufende Verpflichtungen aus Pachtverträgen
Außerhalb der Bilanz weist das Unternehmen weiterhin langfristige finanzielle Verpflichtungen aus.
Aus bestehenden Pachtverträgen ergeben sich noch Verpflichtungen von insgesamt rund 73.600 Euro. Davon entfallen etwa 24.500 Euro auf das kommende Jahr und rund 49.000 Euro auf die folgenden Jahre.
Weitere wesentliche Leasing-, Lizenz- oder Mietverpflichtungen bestehen nach Angaben der Gesellschaft nicht.
Fortführung des Unternehmens ausdrücklich bestätigt
Trotz der erheblichen Veränderungen betont die Geschäftsführung im Anhang ausdrücklich, dass der Jahresabschluss unter der Annahme der Unternehmensfortführung erstellt wurde.
Damit sieht die Gesellschaft keine Anhaltspunkte dafür, dass ihre wirtschaftliche Tätigkeit gefährdet wäre. Die vorhandenen finanziellen Mittel und die bestehenden Strukturen werden offenbar als ausreichend angesehen, um den Geschäftsbetrieb fortzuführen.
Keine Beschäftigten
Wie bereits in den Vorjahren beschäftigte die Windpark Havighorst GmbH & Co. Betriebs KG auch im Geschäftsjahr 2024 keine eigenen Arbeitnehmer.
Die Geschäftsführung erfolgt weiterhin über die persönlich haftende Gesellschafterin, die Windpark Havighorst Beteiligungs GmbH, deren Geschäftsführer Reinhard Winter ist. Dieses Organisationsmodell ist für Projekt- und Betriebsgesellschaften im Bereich der Windenergie typisch.
Gesellschaft nach Ausschüttungen finanziell neu aufgestellt
Der Jahresabschluss vermittelt insgesamt das Bild einer Windparkgesellschaft, die sich nach Jahren des operativen Betriebs in einer Phase der finanziellen Neuordnung befindet. Die erheblich gesunkene Bilanzsumme und der deutliche Rückgang des Eigenkapitals deuten auf umfangreiche Ausschüttungen oder Kapitalrückführungen an die Gesellschafter hin. Gleichzeitig wurden liquide Mittel und Forderungen deutlich reduziert.
Trotz dieser Veränderungen verfügt das Unternehmen weiterhin über eine solide Liquiditätsreserve von mehr als 850.000 Euro, vergleichsweise geringe Verbindlichkeiten und eine bestätigte Fortführungsprognose. Damit bleibt die Gesellschaft finanziell handlungsfähig, auch wenn ihre Bilanz nach den umfangreichen Mittelabflüssen deutlich schlanker ausfällt als noch im Vorjahr.