Dark Mode Light Mode

Neuer SCHUFA-Score sorgt für Kritik: Verbraucher berichten über unerklärliche Bonitätsverschlechterungen

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay

Vier Monate nach der Einführung des neuen SCHUFA-Scores wächst die Kritik am Bonitätsbewertungssystem. Nach Angaben des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) berichten zahlreiche Verbraucherinnen und Verbraucher von einer Verschlechterung ihres Scores, obwohl sich ihre finanzielle Situation oder ihr Zahlungsverhalten nicht verändert haben. Die Verbraucherzentrale fordert deshalb mehr Transparenz und nachvollziehbare Kriterien bei der Berechnung der Bonität.

Der SCHUFA-Score gehört zu den wichtigsten Kennzahlen im deutschen Wirtschaftsleben. Banken, Mobilfunkanbieter, Vermieter und zahlreiche weitere Unternehmen greifen auf die Bonitätsbewertung zurück, wenn sie über Kredite, Verträge oder Finanzierungen entscheiden. Entsprechend groß sind die Auswirkungen, wenn sich der Score verschlechtert.

Mit dem im März 2026 eingeführten neuen Scoring-System wollte die SCHUFA nach eigenen Angaben die Bonitätsbewertung transparenter gestalten und neue gesetzliche Vorgaben erfüllen. Die Erfahrungen aus der Verbraucherberatung zeichnen nach Einschätzung des Verbraucherzentrale Bundesverbands jedoch bislang ein anderes Bild.

Verbraucher können Änderungen häufig nicht nachvollziehen

Nach Angaben der Verbraucherzentralen häufen sich Fälle, in denen Betroffene eine schlechtere Bonitätsbewertung erhalten haben, obwohl sich an ihren persönlichen oder finanziellen Verhältnissen nichts geändert hatte.

Weder Einkommen, Zahlungsverhalten noch bestehende Verpflichtungen hätten sich verändert, dennoch sei der persönliche Score teilweise deutlich gesunken. Besonders problematisch sei dabei, dass viele Betroffene keine nachvollziehbare Erklärung für die Neubewertung erhielten.

Auch direkte Nachfragen bei der SCHUFA hätten nach Angaben der Verbraucherzentralen häufig keine ausreichende Klarheit darüber geschaffen, welche konkreten Faktoren die Bewertung beeinflusst oder welche Gewichtung einzelne Merkmale im neuen System besitzen.

Bonitätsbewertung beeinflusst zahlreiche Lebensbereiche

Die Bedeutung des SCHUFA-Scores reicht weit über klassische Kreditentscheidungen hinaus.

Neben Ratenkrediten greifen auch Banken bei der Kontoeröffnung, Telekommunikationsunternehmen beim Abschluss von Mobilfunkverträgen sowie zahlreiche Vermieter bei der Auswahl neuer Mieter auf Bonitätsauskünfte zurück. Selbst Leasingverträge oder Zahlungsarten im Onlinehandel können von der Bewertung abhängen.

Eine unerwartete Verschlechterung des Scores kann deshalb erhebliche Auswirkungen auf den Alltag haben, obwohl Verbraucher ihre finanziellen Verpflichtungen stets ordnungsgemäß erfüllt haben.

Sorge vor negativen Folgen verändert Verhalten

Nach Einschätzung der Verbraucherzentralen bleibt die Unsicherheit über die Funktionsweise des neuen Scoring-Systems nicht ohne Folgen.

Immer häufiger berichten Verbraucher, dass sie alltägliche Entscheidungen aus Angst vor einer möglichen Verschlechterung ihres Scores überdenken oder sogar verschieben. Dazu gehören etwa ein Wohnungswechsel, der Wechsel des Strom- oder Mobilfunkanbieters oder die Aufnahme eines Kredits.

Selbst der Umstand, bislang noch keinen Kredit aufgenommen zu haben, wird von einigen Betroffenen als mögliches Risiko wahrgenommen. Ob solche Faktoren tatsächlich Einfluss auf die Bonitätsbewertung haben, bleibt für viele Verbraucher jedoch unklar.

Die Verbraucherzentrale sieht darin ein erhebliches Problem. Ein Bonitätssystem dürfe nicht dazu führen, dass Menschen aus Sorge um ihre Bewertung auf wichtige Entscheidungen im privaten oder beruflichen Leben verzichten.

Junge Menschen und Umbruchphasen besonders betroffen

Nach den ausgewerteten Beratungsfällen entsteht insbesondere bei jüngeren Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie Menschen in Umbruchphasen der Eindruck, dass ihre Lebenssituation im neuen Scoring-System ungünstiger bewertet wird.

Wer beispielsweise erstmals eine eigene Wohnung bezieht, den Arbeitsplatz wechselt oder seine Lebensverhältnisse verändert, empfindet die Bewertung häufig als schlechter nachvollziehbar als Personen mit langjährig stabilen Lebens- und Erwerbsbiografien.

Die Verbraucherzentrale betont allerdings, dass es sich dabei um qualitative Einzelfallauswertungen handelt. Aussagen über die tatsächliche Häufigkeit entsprechender Fälle in der Gesamtbevölkerung lassen sich daraus nicht ableiten.

Verbraucherzentrale fordert mehr Transparenz

Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert deshalb eine deutlich verständlichere Offenlegung der Bewertungsmechanismen.

Verbraucher müssten nachvollziehen können, warum sich ihre Bonität verändert habe und welche Faktoren für die jeweilige Bewertung maßgeblich gewesen seien. Nur so könne Vertrauen in ein System entstehen, das für viele wirtschaftliche Entscheidungen von zentraler Bedeutung ist.

Die Organisation verweist darauf, dass der Europäische Gerichtshof bereits entschieden habe, dass Verbraucher nachvollziehbare Informationen über das Zustandekommen automatisierter Bonitätsbewertungen erhalten müssen. Aus Sicht der Verbraucherschützer genügt die derzeitige Praxis diesen Anforderungen bislang nicht ausreichend.

SCHUFA verwaltet Daten von rund 68 Millionen Menschen

Nach eigenen Angaben speichert die SCHUFA Informationen zu rund 68 Millionen Menschen in Deutschland. Die Bonitätsbewertung zählt zu den wichtigsten Dienstleistungen der Wirtschaftsauskunftei und bildet für zahlreiche Unternehmen die Grundlage ihrer Risikobewertung.

Mit dem neuen Score sollten gesetzliche Transparenzvorgaben umgesetzt und die Berechnung verständlicher gestaltet werden. Nach Einschätzung der Verbraucherzentralen ist dieses Ziel bislang jedoch nur teilweise erreicht worden.

Weitere Diskussion über Scoring-System erwartet

Die Debatte um den neuen SCHUFA-Score dürfte damit weiter an Bedeutung gewinnen. Während Wirtschaftsauskunfteien auf automatisierte Bewertungsverfahren angewiesen sind, um Kreditrisiken einzuschätzen, verlangen Verbraucherschützer nachvollziehbare und faire Kriterien sowie größere Transparenz bei Änderungen der Bonitätsbewertung.

Ob das neue Scoring-System künftig weiter angepasst wird oder zusätzliche gesetzliche Vorgaben erforderlich werden, dürfte wesentlich davon abhängen, wie sich die Beschwerden der Verbraucher entwickeln und ob es der SCHUFA gelingt, die Berechnungsgrundlagen verständlicher zu erläutern. Klar ist bereits jetzt: Für Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt die eigene Bonitätsbewertung ein entscheidender Faktor für ihre wirtschaftliche Teilhabe – und ihre Nachvollziehbarkeit wird zunehmend zu einer Frage des Verbraucherschutzes.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Ruckzuck GmbH: Vorläufige Insolvenzverwaltung für Online-Supermarkt mit Lieferdienst angeordnet

Next Post

Windpark Waldow veröffentlicht Jahresabschluss 2024: Bilanzsumme vervierfacht sich – Eigenkapital vollständig aufgezehrt