Jahrelang galten Apples Eingabestifte als Paradebeispiel für elegante Technik – allerdings auch für mangelnde Reparierbarkeit. Das könnte sich schon 2027 grundlegend ändern. Nach Informationen des renommierten Bloomberg-Journalisten Mark Gurman arbeitet Apple an zwei völlig neuen Apple-Pencil-Modellen, die erstmals einen leichter austauschbaren Akku erhalten sollen. Hintergrund ist eine neue EU-Batterieverordnung, die Hersteller zu deutlich reparaturfreundlicheren Geräten verpflichtet.
Die Europäische Union setzt ihre Strategie für mehr Nachhaltigkeit und weniger Elektroschrott konsequent fort. Nachdem USB-C bereits zum Standard für Smartphones und Tablets wurde, rückt nun die Reparierbarkeit elektronischer Geräte in den Mittelpunkt. Ab dem 18. Februar 2027 müssen zahlreiche Geräte, die in der Europäischen Union verkauft werden, so konstruiert sein, dass ihre Akkus einfacher ausgetauscht werden können. Die neue Regelung betrifft nicht nur Smartphones und Tablets, sondern offenbar auch Zubehör wie den Apple Pencil.
Laut einem Bericht von Bloomberg entwickelt Apple deshalb gleich zwei neue Versionen seines digitalen Eingabestifts. Der aktuelle Apple Pencil (USB-C) soll durch ein neues Modell mit dem internen Codenamen B582 ersetzt werden. Gleichzeitig arbeitet Apple an einem Nachfolger des Apple Pencil Pro, der intern unter dem Namen B632 geführt wird. Beide Modelle sollen rechtzeitig zum Inkrafttreten der EU-Vorgaben erscheinen und voraussichtlich gemeinsam mit einer neuen Generation des iPad Pro in der ersten Hälfte des Jahres 2027 vorgestellt werden.
Bislang gehören die Apple-Pencil-Modelle zu den Geräten, die praktisch nicht repariert werden können. Die Akkus sind fest im Gehäuse verbaut und lassen sich weder vom Nutzer noch von unabhängigen Werkstätten ohne erheblichen Aufwand austauschen. Ist der Akku nach einigen Jahren verschlissen, bleibt häufig nur der Kauf eines neuen Stifts. Genau diese Praxis möchte die Europäische Union künftig einschränken.
Für Apple bedeutet dies einen tiefgreifenden Wandel. Das Unternehmen war in der Vergangenheit regelmäßig dafür kritisiert worden, Geräte so zu konstruieren, dass Reparaturen schwierig oder wirtschaftlich kaum sinnvoll sind. Zwar hat Apple in den vergangenen Jahren bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Reparaturfreundlichkeit zu verbessern – etwa durch Ersatzteilprogramme oder leichter austauschbare Komponenten bei aktuellen iPhone- und MacBook-Modellen. Beim Apple Pencil blieb die Konstruktion bislang jedoch nahezu unverändert.
Die neuen Modelle könnten deshalb deutlich anders aufgebaut sein als ihre Vorgänger. Zwar liegen bislang keine technischen Details vor, doch Experten gehen davon aus, dass Apple den Akku künftig so integriert, dass er ohne Zerstörung des Gehäuses ersetzt werden kann. Wie genau dies umgesetzt wird, ist bislang nicht bekannt. Apple selbst hat sich zu den Berichten nicht geäußert.
Neben der verbesserten Reparierbarkeit dürften die beiden neuen Modelle ihre bisherigen Unterschiede beibehalten. Der Nachfolger des Apple Pencil (USB-C) wird voraussichtlich weiterhin als günstigeres Einstiegsmodell positioniert sein. Der Apple Pencil Pro hingegen dürfte erneut zusätzliche Funktionen bieten. Bereits heute verfügt das Spitzenmodell über Druckgesten, Rotationserkennung, haptisches Feedback sowie die Einbindung in Apples „Wo ist?“-Netzwerk, wodurch sich ein verlorener Stift leichter wiederfinden lässt.
Die mögliche Einführung der neuen Modelle wirft gleichzeitig Fragen über die Zukunft der bisherigen Apple-Pencil-Generation auf. Apple verkauft derzeit noch den Apple Pencil der ersten und zweiten Generation sowie den Apple Pencil (USB-C) und den Apple Pencil Pro parallel. Besonders Besitzer älterer iPads sind bislang auf die älteren Modelle angewiesen, da diese nicht mit den neuesten Stiften kompatibel sind.
Sollte Apple die erste und zweite Generation nicht ebenfalls an die neuen EU-Vorgaben anpassen, könnten diese Modelle ab Februar 2027 innerhalb der Europäischen Union nicht mehr verkauft werden. In anderen Märkten außerhalb Europas wäre ein weiterer Vertrieb dagegen grundsätzlich möglich.
Die neuen EU-Regeln betreffen allerdings nicht nur Apple. Auch andere Hersteller müssen ihre Geräte überarbeiten. Nintendo hat bereits angekündigt, bei künftigen Hardware-Versionen entsprechende Anpassungen vorzunehmen. Bei der kommenden Switch-Generation soll dies unter anderem zu einem kleineren Akku und einem leicht höheren Gerätegewicht führen.
Für Verbraucher könnten die neuen Vorschriften langfristig erhebliche Vorteile bringen. Austauschbare Akkus verlängern die Lebensdauer elektronischer Geräte, senken Reparaturkosten und reduzieren Elektroschrott. Gerade bei Zubehör wie dem Apple Pencil, dessen Akku bislang als häufigster Verschleißpunkt gilt, könnte dies dazu führen, dass Nutzer ihren Eingabestift deutlich länger verwenden können.
Ob Apple die Gelegenheit zugleich für weitere technische Neuerungen nutzt, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch schon jetzt: Die Zeiten, in denen ein verschlissener Akku das Ende eines Apple Pencil bedeutete, könnten bald der Vergangenheit angehören. Die EU zwingt selbst einen Technologiekonzern wie Apple dazu, seine bislang stark auf Design und Kompaktheit ausgerichtete Produktstrategie zugunsten einer besseren Reparierbarkeit zu überdenken – ein Schritt, der Millionen Nutzern in Europa zugutekommen dürfte.