Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten könnte sich zunehmend auf die Landwirtschaft in Deutschland auswirken. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, warnt vor möglichen Versorgungsproblemen bei Düngemitteln infolge der angespannten Lage rund um den Iran. Insbesondere die Einschränkungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus könnten den internationalen Handel mit wichtigen Rohstoffen erheblich beeinträchtigen.
Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) erklärte Rukwied, dass die derzeitige Situation zwar noch nicht zu einem akuten Engpass geführt habe. Dennoch bereiteten die Entwicklung der Düngermärkte und die Versorgungslage Anlass zur Sorge. Vor allem die Vorräte für die kommende Anbausaison seien nach seinen Angaben „gefährlich gering“.
Besonders betroffen ist Stickstoffdünger, der für viele landwirtschaftliche Kulturen unverzichtbar ist. Bereits seit Monaten bewegen sich die Preise auf einem hohen Niveau. Sollten Lieferketten weiter unterbrochen werden oder sich die geopolitische Lage verschärfen, könnten die Kosten für Landwirte weiter steigen. Dies hätte unmittelbare Auswirkungen auf die Produktionskosten in der Landwirtschaft.
Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Ein erheblicher Teil des internationalen Handels mit Erdöl, Erdgas und chemischen Rohstoffen passiert die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Viele Düngemittel oder deren Ausgangsstoffe stammen aus der Golfregion. Kommt es dort zu Behinderungen des Schiffsverkehrs, können Lieferungen verzögert oder verteuert werden.
Für landwirtschaftliche Betriebe stellt diese Entwicklung eine zusätzliche Belastung dar. Bereits in den vergangenen Jahren mussten sie mit stark schwankenden Energie- und Betriebsmittelkosten umgehen. Düngemittel gehören dabei zu den größten Kostenfaktoren im Ackerbau. Steigende Einkaufspreise lassen sich häufig nur begrenzt über höhere Erzeugerpreise ausgleichen und schmälern die Wirtschaftlichkeit vieler Betriebe.
Um die Versorgung der europäischen Landwirtschaft zu sichern, hat die Europäische Union bereits reagiert. Die EU-Kommission hat Zölle auf bestimmte Düngereinfuhren gesenkt und Unterstützungsmaßnahmen für Landwirte genehmigt. Ziel ist es, zusätzliche Bezugsquellen zu erschließen und die finanziellen Belastungen der Betriebe abzufedern.
Nach Einschätzung von Branchenexperten bleibt die Versorgungslage derzeit zwar stabil, doch die Entwicklung wird aufmerksam beobachtet. Sollte sich die geopolitische Situation im Nahen Osten weiter verschärfen oder der Schiffsverkehr dauerhaft eingeschränkt werden, könnten sich die Auswirkungen auf die internationalen Düngermärkte deutlich verstärken.
Bauernpräsident Rukwied appelliert deshalb an Politik und Wirtschaft, die Versorgung mit Betriebsmitteln langfristig zu sichern. Für die Landwirtschaft sei eine verlässliche Verfügbarkeit von Düngemitteln entscheidend, um Erträge zu sichern und die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln aufrechtzuerhalten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich die Lage entspannt oder die Warnungen des Bauernverbandes Realität werden.