Die in Neumagen-Dhron ansässige Windkraft Kirf Weiersbach GmbH & Co. KG gehört zu den Windparkgesellschaften, deren Anlagen bereits seit vielen Jahren Strom produzieren. Der veröffentlichte Jahresabschluss verdeutlicht, dass sich das Unternehmen inzwischen nicht mehr in einer Investitionsphase befindet, sondern einen weitgehend abgeschriebenen Anlagenbestand verwaltet.
Bilanzsumme geht zurück
Zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2024 belief sich die Bilanzsumme auf rund 447.800 Euro. Im Vorjahr lag sie noch bei etwa 538.000 Euro.
Damit verringerte sich das Gesamtvermögen um rund 90.000 Euro beziehungsweise knapp 17 Prozent.
Diese Entwicklung ist typisch für Windparkgesellschaften, deren Investitionsphase bereits abgeschlossen ist und deren Vermögenswerte im Laufe der Jahre weitgehend abgeschrieben wurden.
Windkraftanlagen vollständig abgeschrieben
Besonders auffällig ist die Entwicklung des Anlagevermögens.
Dieses beträgt zum Jahresende lediglich noch 1.805 Euro. Davon entfallen lediglich 5 Euro auf Sachanlagen sowie 1.800 Euro auf Finanzanlagen.
Aus dem Anhang geht hervor, dass beide Windenergieanlagen bereits vollständig abgeschrieben wurden.
Die Windkraftanlage im Standort Weiersbach/Leitzweiler wurde bereits Ende 2019 auf einen sogenannten Erinnerungswert von einem Euro abgeschrieben.
Auch die Windkraftanlage in Kirf wurde bereits Ende 2020 vollständig abgeschrieben und wird ebenfalls lediglich mit einem Erinnerungswert bilanziert.
Das bedeutet jedoch keineswegs, dass die Anlagen wirtschaftlich wertlos sind. Vielmehr spiegelt die Bilanz lediglich wider, dass ihre ursprünglichen Anschaffungskosten handelsrechtlich vollständig abgeschrieben wurden. Solange die Anlagen technisch zuverlässig arbeiten, können sie weiterhin Strom erzeugen und Einnahmen erwirtschaften.
Hohe Liquiditätsreserven bleiben erhalten
Den größten Vermögenswert bilden weiterhin die liquiden Mittel.
Zum Jahresende verfügte das Unternehmen über Bankguthaben in Höhe von rund 336.000 Euro. Im Vorjahr waren es noch etwa 367.000 Euro.
Auch wenn der Bestand leicht zurückging, verfügt die Gesellschaft weiterhin über eine komfortable Liquiditätsreserve.
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände beliefen sich auf rund 106.000 Euro nach etwa 138.000 Euro im Vorjahr.
Vorräte werden weiterhin nicht ausgewiesen.
Eigenkapital bleibt auf hohem Niveau
Das Eigenkapital verringerte sich im Geschäftsjahr von rund 304.000 Euro auf knapp 268.000 Euro.
Trotz dieses Rückgangs verfügt die Gesellschaft weiterhin über eine vergleichsweise solide Eigenkapitalquote von knapp 60 Prozent der Bilanzsumme.
Eine derart hohe Eigenkapitalausstattung gilt im Vergleich zu vielen anderen Windparkgesellschaften als komfortabel und spricht für eine stabile Finanzstruktur.
Rückstellungen sinken deutlich
Die Rückstellungen reduzierten sich von rund 183.000 Euro auf etwa 135.000 Euro.
Den größten Anteil bilden weiterhin Rückstellungen für den späteren Rückbau der Windenergieanlagen.
Hierfür sind unverändert 125.000 Euro vorgesehen. Diese Mittel dienen dazu, die künftig anfallenden Kosten für Demontage und Renaturierung der Standorte finanzieren zu können.
Deutlich zurückgegangen ist dagegen die Gewerbesteuerrückstellung. Sie sank von 55.000 Euro auf lediglich 10.000 Euro.
Auch die Rückstellungen für Jahresabschluss- und Prüfungskosten reduzierten sich.
Verbindlichkeiten bleiben niedrig
Die gesamten Verbindlichkeiten beliefen sich Ende 2024 auf lediglich rund 45.000 Euro und lagen damit leicht unter dem Vorjahresniveau.
Sämtliche Verpflichtungen sind innerhalb eines Jahres fällig. Langfristige Darlehen oder sonstige langfristige Verbindlichkeiten bestehen laut Jahresabschluss nicht mehr.
Diese geringe Verschuldung unterstreicht die weitgehend abgeschlossene Finanzierungsphase des Windparks.
Keine Änderungen bei den Bewertungsmethoden
Die Gesellschaft führt im Anhang aus, dass sämtliche Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden gegenüber dem Vorjahr unverändert angewendet wurden.
Forderungen wurden zum Nennwert bewertet, Wertberichtigungen waren nicht erforderlich.
Auch die Rückstellungen wurden nach kaufmännischer Vorsicht entsprechend der erwarteten Verpflichtungen gebildet.
Rückbau bleibt langfristige Aufgabe
Ein wichtiger Bestandteil der Bilanz bleibt die Vorsorge für den späteren Rückbau der Windenergieanlagen.
Windparks sind verpflichtet, nach Ende ihrer technischen oder wirtschaftlichen Nutzungsdauer die Anlagen zurückzubauen und die Standorte wiederherzustellen.
Die dafür gebildeten Rückstellungen stellen sicher, dass die hierfür erforderlichen finanziellen Mittel bereits während der Betriebszeit angesammelt werden.
Wirtschaftlich stabile Bestandsanlage
Der Jahresabschluss zeigt ein Unternehmen, das sich nicht mehr im Ausbau befindet, sondern den wirtschaftlichen Betrieb bereits vollständig abgeschriebener Windenergieanlagen organisiert.
Die niedrigen Verbindlichkeiten, hohe Liquiditätsreserven und solide Eigenkapitalquote sprechen für eine stabile wirtschaftliche Situation.
Gleichzeitig verdeutlicht die Bilanz, dass ältere Windparks nach vollständiger Abschreibung weiterhin wirtschaftlich erfolgreich betrieben werden können. Da keine hohen Investitionen oder Kreditbelastungen mehr anfallen, fließen laufende Einnahmen aus der Stromerzeugung häufig direkt in den Liquiditätsaufbau oder dienen der Finanzierung künftiger Rückbauverpflichtungen.
Die Windkraft Kirf Weiersbach GmbH & Co. KG zeigt damit beispielhaft, wie sich Windenergieanlagen auch viele Jahre nach ihrer Errichtung weiterhin wirtschaftlich betreiben lassen – vorausgesetzt, Technik, Wartung und Stromerträge bleiben langfristig auf einem stabilen Niveau.