Die in Husum ansässige Trassengesellschaft Reinsbüttel GmbH & Co. KG unterscheidet sich deutlich von klassischen Windparkbetreibern. Anders als Betreiber von Windenergieanlagen verfügt das Unternehmen kaum über eigenes Sachanlagevermögen. Stattdessen übernimmt die Gesellschaft Aufgaben rund um Infrastruktur, Trassen und vertragliche Leistungen innerhalb eines Windenergieprojekts.
Der veröffentlichte Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2024 vermittelt das Bild eines wirtschaftlich stabilen Unternehmens, dessen Bilanz von Forderungen und kurzfristigen Verbindlichkeiten geprägt wird.
Bilanzsumme wächst auf fast 1,9 Millionen Euro
Zum 31. Dezember 2024 belief sich die Bilanzsumme auf rund 1,89 Millionen Euro. Im Vorjahr lag sie bei knapp 1,70 Millionen Euro.
Damit erhöhte sich das Gesamtvermögen innerhalb eines Jahres um rund 196.000 Euro beziehungsweise etwa 11,5 Prozent.
Den größten Anteil am Vermögen bilden Forderungen gegen Geschäftspartner und Gesellschafter.
Forderungen steigen deutlich
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände erhöhten sich von rund 1,48 Millionen Euro auf knapp 1,75 Millionen Euro.
Alle Forderungen besitzen nach Angaben des Unternehmens eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr.
In den Forderungen gegenüber Gesellschaftern sind Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in Höhe von rund 261.000 Euro enthalten.
Die Entwicklung verdeutlicht, dass die Gesellschaft einen erheblichen Teil ihrer Vermögenswerte über kurzfristige Forderungen finanziert.
Liquide Mittel leicht rückläufig
Während die Forderungen zunahmen, verringerte sich der Bestand an flüssigen Mitteln.
Die Guthaben bei Kreditinstituten sanken von rund 193.000 Euro auf etwa 125.000 Euro.
Damit verfügt das Unternehmen weiterhin über ausreichende Liquiditätsreserven, setzt jedoch einen größeren Teil seines Vermögens in laufenden Forderungen ein.
Anlagevermögen spielt kaum noch eine Rolle
Das Anlagevermögen beträgt lediglich 12.501 Euro und blieb gegenüber dem Vorjahr unverändert.
Davon entfallen lediglich ein Euro auf Sachanlagen sowie 12.500 Euro auf Finanzanlagen.
Die operative Tätigkeit des Unternehmens erfordert damit kaum eigene technische Vermögensgegenstände. Dies unterstreicht den Charakter der Gesellschaft als Infrastruktur- beziehungsweise Trassengesellschaft innerhalb eines Windenergieprojekts.
Eigenkapital bleibt unverändert
Das ausgewiesene Eigenkapital blieb mit 47.000 Euro gegenüber dem Vorjahr unverändert.
Im Anhang wird allerdings deutlich, dass die wirtschaftliche Eigenkapitalbasis höher ausfällt.
Neben den festen Kommanditeinlagen weist die Gesellschaft Gewinnvorträge von rund 198.000 Euro sowie einen Jahresüberschuss von gut 10.000 Euro aus. Zusammen ergibt sich ein erweitertes Gesellschafterkapital von rund 255.000 Euro.
Die Gewinnanteile der Gesellschafter werden jedoch nicht vollständig im Eigenkapital ausgewiesen, sondern als Verbindlichkeiten auf Gesellschafterverrechnungskonten bilanziert.
Jahresüberschuss fällt geringer aus
Für das Geschäftsjahr 2024 erzielte die Gesellschaft einen Jahresüberschuss von rund 10.100 Euro.
Im Vorjahr hatte der Gewinn noch knapp 14.700 Euro betragen.
Damit blieb das Unternehmen zwar profitabel, der Jahresüberschuss fiel jedoch um rund ein Drittel geringer aus als im Vorjahr.
Verbindlichkeiten steigen auf über 1,7 Millionen Euro
Die gesamten Verbindlichkeiten erhöhten sich von rund 1,58 Millionen Euro auf knapp 1,76 Millionen Euro.
Sämtliche Verpflichtungen besitzen eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr.
Den größten Anteil bilden Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen gegenüber Gesellschaftern in Höhe von rund 1,51 Millionen Euro.
Hinzu kommen Gewinnanteile der Gesellschafter von rund 208.000 Euro, die auf Verrechnungskonten ausgewiesen werden.
Langfristige Bankdarlehen oder sonstige langfristige Finanzierungen bestehen laut Bilanz nicht.
Rückstellungen steigen leicht
Die Rückstellungen erhöhten sich von rund 63.900 Euro auf etwa 68.200 Euro.
Sie wurden nach kaufmännischer Vorsicht für ungewisse Verpflichtungen gebildet und teilweise entsprechend den gesetzlichen Vorgaben abgezinst.
Weitere finanzielle Verpflichtungen bis 2030
Zusätzlich weist die Gesellschaft sonstige finanzielle Verpflichtungen in Höhe von insgesamt 36.000 Euro aus.
Davon entfallen:
- 27.000 Euro auf vertraglich vereinbarte Entschädigungszahlungen wegen Unterschreitung von Mindestabständen,
- 9.000 Euro auf vereinbarte Pachtzahlungen bis zum geplanten Laufzeitende der Anlagen im Jahr 2030.
Diese Verpflichtungen verdeutlichen, dass auch Infrastrukturgesellschaften langfristige vertragliche Verpflichtungen im Zusammenhang mit Windenergieprojekten tragen.
Betrieb ohne eigenes Personal
Bemerkenswert ist zudem, dass die Gesellschaft keinerlei Arbeitnehmer beschäftigt.
Die Geschäftsführung erfolgt vollständig über die persönlich haftende Gesellschafterin, die Trassengesellschaft Reinsbüttel Verwaltungs GmbH.
Verantwortlich sind die Geschäftsführer Wilhelm Marten Brandt, Ludger Schmiegelt und Karsten Thomsen.
Typische Struktur einer Projektgesellschaft
Die Bilanz unterscheidet sich deutlich von klassischen Energieunternehmen oder Windparkbetreibern.
Anstelle großer technischer Vermögenswerte dominieren kurzfristige Forderungen, Verbindlichkeiten und gesellschaftsinterne Zahlungsströme. Solche Strukturen sind typisch für Projekt- und Infrastrukturgesellschaften innerhalb größerer Windenergievorhaben.
Die Gesellschaft übernimmt dabei überwiegend organisatorische, vertragliche und infrastrukturelle Aufgaben, während der eigentliche Betrieb der Windenergieanlagen häufig in separaten Betreibergesellschaften erfolgt.
Stabiler Geschäftsbetrieb trotz hoher Zahlungsströme
Der Jahresabschluss vermittelt insgesamt das Bild eines wirtschaftlich stabilen Unternehmens. Trotz steigender Verbindlichkeiten bleibt die Liquidität ausreichend, das Unternehmen arbeitet weiterhin profitabel und verfügt über keine langfristigen Finanzschulden.
Die Bilanz zeigt zugleich, dass moderne Windenergieprojekte längst aus zahlreichen spezialisierten Gesellschaften bestehen, die jeweils unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Infrastrukturgesellschaften wie die Trassengesellschaft Reinsbüttel bilden dabei einen wichtigen organisatorischen Bestandteil, auch wenn ihre Tätigkeit auf den ersten Blick weit weniger sichtbar ist als die der eigentlichen Windparkbetreiber.