Liebe Fußballfreunde, manchmal entscheidet bei einer Weltmeisterschaft nicht die bessere Taktik, sondern eine einzige Szene. Und genau so einen Abend erlebten wir in Kansas City.
Argentinien steht im Halbfinale – zum sechsten Mal in der Geschichte. Doch der Titelverteidiger musste dafür deutlich mehr arbeiten, als ihm lieb gewesen sein dürfte. Die Schweiz war über weite Strecken mindestens ebenbürtig und hatte den großen Favoriten zeitweise sogar am Rande einer Überraschung.
Dabei begann alles nach Plan für die Albiceleste. Die frühe Führung schien den Südamerikanern Sicherheit zu geben. Doch statt den Sack zuzumachen, ließen sie die Eidgenossen immer besser ins Spiel kommen. Die Schweizer spielten mutig, diszipliniert und mit dem festen Glauben daran, Geschichte schreiben zu können. Chancen waren da – reichlich sogar.
Als schließlich der Ausgleich fiel, schien das Momentum endgültig auf die Seite der Schweizer zu kippen. Doch dann griff der VAR ein – und plötzlich stand nicht mehr der Fußball, sondern die Regelauslegung im Mittelpunkt.
Breel Embolo soll sich im Strafraum zu leicht fallen gelassen haben. Aus der zunächst gegen Leandro Paredes gezeigten Gelben Karte wurde nach Videostudium eine Verwarnung gegen den Schweizer Stürmer. Bitter nur: Es war bereits seine zweite Gelbe Karte. Gelb-Rot. Feierabend.
Ein Moment, der das gesamte Viertelfinale auf den Kopf stellte.
Von da an spielte praktisch nur noch Argentinien. Die Schweiz verteidigte mit allem, was sie noch hatte. Leidenschaft, Kampfgeist und ein Torhüter, der seine Mannschaft immer wieder im Spiel hielt. Dass es überhaupt in die Verlängerung ging, grenzte fast an ein kleines Wunder.
Doch Wunder halten gegen eine Mannschaft wie Argentinien eben nicht ewig.
Dann kam Julián Álvarez.
Der Stürmer packte einen Schuss aus, wie man ihn vermutlich selbst hundertmal nicht wiederholen könnte. Ein Sonntagsschuss an einem Samstag – unhaltbar, wunderschön und genau der Moment, auf den Argentinien so lange gewartet hatte. Spätestens mit dem dritten Treffer war die Entscheidung gefallen.
Für die Schweiz bleibt die Erkenntnis, dass sie dem Weltmeister lange Paroli geboten hat. Der Traum vom ersten WM-Halbfinale der Geschichte platzte allerdings auf besonders bittere Weise. Nicht weil die Mannschaft unterlegen gewesen wäre, sondern weil eine einzige Szene alles veränderte.
Und Argentinien?
Die Albiceleste lebt weiter von ihrer größten Stärke: Sie gewinnt auch dann, wenn sie nicht glänzt. Titelverteidiger haben oft genau diese Eigenschaft. Sie finden einen Weg. Manchmal mit spielerischer Klasse, manchmal mit etwas Glück – und manchmal eben mit einem VAR-Eingriff und einem Geniestreich von Julián Álvarez.
Jetzt wartet das Halbfinale gegen England.
Fußballromantik? Garantiert.
Fußballkrimi? Sehr wahrscheinlich.
Und wenn diese Weltmeisterschaft eines bewiesen hat, dann das: Langweilig wird sie ganz sicher nicht.