Immer häufiger berichten Verbraucher über rätselhafte Anrufe, bei denen sich am anderen Ende der Leitung niemand meldet. Die Verbindung wird nach wenigen Sekunden wieder beendet, ohne dass ein Gespräch zustande kommt. Was zunächst wie eine technische Störung wirkt, kann durchaus unterschiedliche Ursachen haben.
Callcenter setzen automatische Wählprogramme ein
Eine häufige Erklärung liefern moderne Callcenter.
Dort kommen sogenannte Predictive Dialer zum Einsatz – intelligente Wählprogramme, die automatisch zahlreiche Telefonnummern gleichzeitig anwählen. Die Software berechnet anhand von Algorithmen, wann ein Mitarbeiter voraussichtlich für ein Gespräch verfügbar ist.
Melden sich jedoch mehr Angerufene gleichzeitig als freie Mitarbeiter vorhanden sind, bleibt die Leitung zunächst stumm. Diese sogenannten Lost Calls gelten grundsätzlich als technisch bedingte Nebenwirkung automatisierter Telefonanlagen und sind in vielen Fällen harmlos.
Wann Silent Calls problematisch werden
Problematisch wird es jedoch, wenn solche Anrufe regelmäßig auftreten oder zu ungewöhnlichen Uhrzeiten erfolgen.
Wiederholte Silent Calls in den frühen Morgenstunden, am Abend oder an Sonn- und Feiertagen können nach Einschätzung der Bundesnetzagentur eine unzumutbare Belästigung darstellen. In solchen Fällen kann die Behörde gegen rechtswidrige Rufnummernnutzung vorgehen.
Betrüger prüfen aktive Telefonnummern
Neben seriösen Callcentern nutzen auch Kriminelle automatisierte Anrufsysteme.
Dabei geht es häufig gar nicht darum, ein Gespräch zu führen. Vielmehr soll überprüft werden,
- ob eine Telefonnummer überhaupt vergeben ist,
- ob sich eine Person meldet,
- zu welchen Tageszeiten sie erreichbar ist,
- oder ob lediglich ein Anrufbeantworter antwortet.
Diese Informationen besitzen für Betrüger einen erheblichen Wert.
Aktive Telefonnummern werden gehandelt
Sicherheitsexperten warnen davor, dass bestätigte Telefonnummern in kriminellen Netzwerken teilweise weiterverkauft werden.
Anschließend können die Daten für Werbeanrufe, Phishing-Attacken oder sogenannte Vishing-Betrugsversuche genutzt werden. Dabei versuchen Kriminelle telefonisch an Passwörter, Bankdaten, TAN-Nummern oder andere persönliche Informationen zu gelangen.
In manchen Fällen dienen Silent Calls daher lediglich als Vorbereitung für spätere Betrugsversuche.
So können Sie sich schützen
Experten empfehlen mehrere einfache Schutzmaßnahmen.
Dazu gehört insbesondere:
- unbekannte Rufnummern – vor allem aus dem Ausland – zunächst nicht anzunehmen,
- verdächtige Anrufe nicht zurückzurufen,
- während eines auffälligen Anrufs möglichst nicht zu sprechen,
- und insbesondere keine persönlichen Daten preiszugeben.
Nach Einschätzung von IT-Sicherheitsexperten kann bereits das bloße Abheben ausreichen, um eine Telefonnummer als aktiv zu bestätigen.
Rufnummern lassen sich sperren
Wer regelmäßig von denselben Rufnummern belästigt wird, sollte die Sperrfunktionen seines Telefonanbieters nutzen.
Viele Netzbetreiber ermöglichen es, einzelne Telefonnummern oder sogar ganze Rufnummernblöcke dauerhaft zu blockieren. Dadurch lassen sich wiederkehrende Belästigungen wirksam reduzieren.
Wachsamkeit bleibt der beste Schutz
Silent Calls sind nicht automatisch ein Betrugsversuch. Häufig entstehen sie durch technische Abläufe moderner Callcenter. Dennoch zeigen Sicherheitsbehörden, Verbraucherschützer und IT-Experten, dass hinter den lautlosen Anrufen zunehmend auch kriminelle Absichten stehen können.
Wer bei unbekannten Nummern aufmerksam bleibt, keine persönlichen Informationen preisgibt und verdächtige Anrufe konsequent ignoriert oder sperrt, kann das Risiko erheblich verringern. Gerade in Zeiten zunehmender Telefon- und Internetkriminalität gilt: Vorsicht ist oft der wirksamste Schutz vor späteren Betrugsversuchen.