Es war kein Fußballfest, sondern ein echter Abnutzungskampf. Ägypten hat sich erst im Elfmeterschießen gegen Australien durchgesetzt und steht damit im Achtelfinale. Über 120 Minuten boten beide Mannschaften allerdings nur selten WM-reife Unterhaltung – das Elfmeterschießen war am Ende fast schon die logische Konsequenz einer zähen Partie.
Australien setzte offensiv fast ausschließlich auf seine körperliche Stärke. Vor allem nach Standards wurde es immer wieder gefährlich, doch aus dem Spiel heraus fehlten den Socceroos Tempo und Kreativität. Ägypten wiederum verfügte zwar über die deutlich größere individuelle Qualität, brachte diese aber über weite Strecken überhaupt nicht auf den Rasen. Nur phasenweise ließen die Nordafrikaner erkennen, warum sie als Favorit in dieses Duell gegangen waren.
So entwickelte sich eine Begegnung, in der sich beide Teams weitgehend neutralisierten. Torchancen blieben Mangelware, spielerische Höhepunkte ebenfalls. Wer auf einen Lucky Punch wartete, musste sich bis zum Elfmeterschießen gedulden.
Dort setzte Australien auf einen spektakulären Schachzug. Trainer und Betreuer wechselten kurz vor Schluss Torwart-Legende Mathew Ryan ein – eigens für das Elfmeterschießen. Eine mutige Entscheidung, zumal Stammtorhüter Thomas Beach bis dahin eine überragende Weltmeisterschaft gespielt hatte. Doch der Plan ging gründlich daneben: Ryan blieb bei sämtlichen Elfmetern chancenlos und konnte keinen einzigen Versuch parieren.
Stattdessen wurden ausgerechnet Australiens Innenverteidiger zu den tragischen Figuren des Abends. Harry Souttar und Kai Herrington scheiterten vom Punkt und machten damit alle Hoffnungen der Socceroos zunichte.
Ägypten wird das herzlich egal sein. Die „Pharaonen“ haben spielerisch sicherlich noch reichlich Luft nach oben, stehen aber dort, wo man bei einer Weltmeisterschaft stehen möchte – im Achtelfinale. Australien dagegen verlässt das Turnier mit viel Kampfgeist, einer starken Defensivleistung und einer mutigen, letztlich aber folgenschweren Torwartentscheidung.