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Schließung von KanAm Leading Cities Invest: Tausende Anleger müssen um ihr Geld bangen

qimono (CC0), Pixabay

Für Anleger des offenen Immobilienfonds Leading Cities Invest endet eine langjährige Geldanlage mit einem unerwarteten Paukenschlag. Die Fondsgesellschaft KanAm hat die endgültige Schließung und Abwicklung des Fonds beschlossen. Seit dem 29. Juni 2026 können Anleger ihre Anteile nicht mehr zurückgeben. Stattdessen soll das verbliebene Immobilienportfolio in den kommenden Jahren schrittweise verkauft werden. Die Erlöse werden anschließend nach und nach an die Anleger ausgeschüttet – ein Prozess, der sich über Jahre hinziehen kann und erhebliche finanzielle Risiken birgt.

Die Entscheidung kommt zwar nicht völlig überraschend, markiert aber einen weiteren Tiefpunkt für den Markt offener Immobilienfonds. Bereits seit längerer Zeit kämpfte der Leading Cities Invest mit sinkenden Bewertungen, schwierigen Marktbedingungen und anhaltenden Rückgabewünschen der Anleger. Nun zieht das Fondsmanagement die Konsequenzen und leitet die geordnete Auflösung des Fonds ein.

Nach Angaben von KanAm führten vor allem gestiegene Finanzierungskosten, eine schwache Entwicklung auf den Immobilienmärkten sowie rückläufige Transaktionen dazu, dass sich die wirtschaftliche Situation des Fonds zunehmend verschlechterte. Um ausreichend Liquidität bereitzustellen, wurden bereits rund 70 Prozent des ursprünglichen Immobilienbestands verkauft. Von einst mehr als 40 Objekten befinden sich inzwischen nur noch zwölf Immobilien im Portfolio. Dennoch reichte die Liquidität nicht aus, um die Rückgabewünsche der Anleger dauerhaft bedienen zu können.

Mit der endgültigen Schließung entfällt nun sowohl die Ausgabe neuer Fondsanteile als auch deren Rücknahme. Für Investoren bedeutet das: Sie kommen vorerst nicht mehr frei an ihr angelegtes Kapital. Stattdessen müssen sie darauf warten, dass Immobilien veräußert werden und die Verkaufserlöse verteilt werden können. Wie lange dieser Prozess dauern wird und wie hoch die letztlich ausgezahlten Beträge ausfallen, ist derzeit offen.

Die Entwicklung erinnert viele Marktbeobachter an die Zeit nach der Finanzkrise 2008. Damals mussten zahlreiche offene Immobilienfonds schließen und abgewickelt werden. Für viele Anleger bedeutete dies erhebliche Verluste und jahrelange Wartezeiten auf die Rückzahlung ihres Kapitals.

Rechtsanwalt Marcel Seifert von der Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte weist darauf hin, dass zahlreiche Anleger beim Erwerb der Fondsanteile von einer vergleichsweise sicheren Geldanlage ausgegangen seien. In Beratungsgesprächen seien offene Immobilienfonds häufig als stabile und risikoarme Anlageform dargestellt worden. Tatsächlich seien solche Fonds jedoch erheblichen Marktrisiken ausgesetzt. Sinkende Immobilienpreise, Leerstände, steigende Finanzierungskosten oder ein erhöhter Sanierungsbedarf könnten den Wert eines Fonds deutlich beeinträchtigen.

Nach Auffassung des Juristen könnten sich daraus unter Umständen Schadensersatzansprüche ergeben. Banken und Anlageberater seien verpflichtet gewesen, ihre Kunden umfassend über sämtliche Risiken aufzuklären. Dazu gehörten nicht nur Wertschwankungen des Immobilienmarktes, sondern auch die gesetzlichen Mindesthalte- und Kündigungsfristen sowie insbesondere das Risiko, dass die Rücknahme von Fondsanteilen zeitweise oder dauerhaft ausgesetzt werden kann.

Gerade dieser Punkt wurde bereits vom Bundesgerichtshof in mehreren Entscheidungen hervorgehoben. Danach müssen Anleger ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass sie ihr investiertes Geld bei offenen Immobilienfonds nicht jederzeit zurückfordern können. Erfolgt eine solche Risikoaufklärung nicht oder nur unzureichend, können je nach Einzelfall Schadensersatzansprüche gegen beratende Banken oder Vermittler bestehen.

Für betroffene Anleger beginnt nun eine Phase großer Unsicherheit. Sie müssen nicht nur auf die schrittweise Verwertung der verbliebenen Immobilien warten, sondern auch damit rechnen, dass die erzielten Verkaufserlöse unter den ursprünglichen Erwartungen liegen. Gleichzeitig sollten sie prüfen lassen, ob sie im Rahmen der Anlageberatung ordnungsgemäß über sämtliche Risiken informiert wurden.

Die Abwicklung des Leading Cities Invest dürfte sich über mehrere Jahre erstrecken. Bis dahin bleibt offen, wie viel Kapital die Anleger am Ende tatsächlich zurückerhalten werden. Fest steht jedoch schon jetzt: Die Schließung des Fonds ist ein weiteres Warnsignal dafür, dass auch vermeintlich konservative Immobilienfonds keineswegs frei von erheblichen Risiken sind. Für viele Investoren dürfte der Fall deshalb nicht nur finanzielle Folgen haben, sondern auch die Frage aufwerfen, ob sie beim Erwerb ihrer Beteiligung umfassend und korrekt beraten wurden.

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