Schön war es nicht immer. Spannend dagegen bis zum Schluss.
Kolumbien hat sich mit einem knappen 1:0 gegen die Demokratische Republik Kongo vorzeitig für die K.-o.-Phase dieser Weltmeisterschaft qualifiziert und die Tabellenführung in Gruppe K zurückerobert. Wer allerdings nur das Ergebnis liest, verpasst die Geschichte hinter diesem Spiel.
Denn die Cafeteros begannen die Partie wie eine Mannschaft, die ihre Eintrittskarte für das Achtelfinale möglichst schnell lösen wollte.
In den ersten zwanzig Minuten wirbelte Kolumbien über den Rasen von Zapopan, kombinierte flüssig, gewann nahezu jeden Zweikampf und setzte die Kongolesen massiv unter Druck. Es war eine Phase, in der man den Eindruck gewinnen konnte, dass das erste Tor nur eine Frage von Minuten sei.
Doch genau dieses Tor fiel nicht.
Und wie so oft im Fußball änderte das den Charakter des Spiels komplett.
Nach der ersten Trinkpause verlor Kolumbien plötzlich seinen Rhythmus. Die Angriffe wurden langsamer, die Passwege vorhersehbarer und der bis dahin beeindruckende Offensivdruck verpuffte zunehmend. Die Südamerikaner hatten zwar weiterhin mehr Ballbesitz und kontrollierten weite Teile des Geschehens, doch der direkte Weg zum Tor ging ihnen zwischenzeitlich verloren.
Die Demokratische Republik Kongo dürfte mit genau diesem Szenario bestens leben können.
Die Afrikaner verteidigten vor 45.358 Zuschauern mit großer Disziplin, verschoben geschickt und ließen nur wenige klare Möglichkeiten zu. Was ihnen allerdings fehlte, war die offensive Durchschlagskraft. Immer wieder wurden vielversprechende Ansätze bereits im Aufbau gestoppt oder versandeten im letzten Drittel.
So entwickelte sich eine Partie, die zunehmend nach Geduld verlangte.
Von den Spielern.
Von den Trainern.
Und auch von den Zuschauern.
Erst nach der zweiten Trinkpause kam wieder Bewegung ins Spiel der Kolumbianer. Es wirkte, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Die Intensität kehrte zurück, die Laufwege wurden mutiger und plötzlich entstand wieder jene Dynamik, die die Cafeteros bereits zu Beginn ausgezeichnet hatte.
Diesmal wurden sie dafür belohnt.
Der erlösende Treffer brachte nicht nur die Entscheidung in diesem Spiel, sondern letztlich auch die vorzeitige Qualifikation für die K.-o.-Runde.
Danach ließ Kolumbien nichts mehr anbrennen.
Die Kongolesen kämpften bis zum Ende, doch offensiv fehlten ihnen an diesem Abend die Mittel, um die südamerikanische Defensive ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Einsatz, Disziplin und Leidenschaft waren vorhanden. Die entscheidende Durchschlagskraft jedoch nicht.
Für Kolumbien zählt am Ende vor allem eines: das Ergebnis.
Der Gruppensieg ist wieder in Reichweite, das Achtelfinale bereits sicher und die Erkenntnis bleibt bestehen, dass erfolgreiche Turniermannschaften auch solche Spiele gewinnen müssen – jene Partien, in denen nicht alles glänzt, aber trotzdem drei Punkte herausspringen.
Die Demokratische Republik Kongo hingegen verlässt den Platz mit erhobenem Haupt, aber leeren Händen.
Und manchmal ist genau das die härteste Kombination, die der Fußball zu bieten hat.