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Wanise meint: Kap Verde zeigt Spanien, dass Namen keine Tore schießen

Liebe Fußballfreunde, manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die sich kein Drehbuchautor trauen würde zu verkaufen. Europameister Spanien gegen Kap Verde – auf dem Papier klang das ungefähr so spannend wie ein Schachspiel gegen sich selbst. Die meisten Experten hatten vermutlich schon vor dem Anpfiff überlegt, wie hoch die Iberer gewinnen würden. Am Ende standen aber zwei Nullen auf der Anzeigetafel. Und eine davon dürfte Spanien deutlich mehr schmerzen als Kap Verde.

Was die Crioulos im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta abgeliefert haben, war kein Zufallsprodukt und schon gar kein glücklicher Punktgewinn. Das war Disziplin, Leidenschaft und taktische Cleverness in Reinform. Während Spanien Ballbesitz sammelte wie andere Leute Briefmarken, sammelte Kap Verde gewonnene Zweikämpfe, geblockte Schüsse und frustrierte spanische Gesichter.

Natürlich hatten die Spanier mehr vom Spiel. Natürlich rollte Angriff auf Angriff. Natürlich wurde der Druck nach der Einwechslung von Wunderkind Lamine Yamal noch einmal deutlich größer. Doch was nützt das schönste Kombinationsspiel, wenn am Ende entweder der letzte Pass fehlt oder ein Verteidiger aus Kap Verde plötzlich dort auftaucht, wo eigentlich niemand mehr stehen sollte?

Je länger die Partie dauerte, desto mehr schlich sich Nervosität in das Spiel des Europameisters. Aus Überlegenheit wurde Hektik, aus Selbstverständlichkeit wurde Unsicherheit. Als Oyarzabal kurz vor Schluss die große Chance liegen ließ, dürfte vielen spanischen Fans klar geworden sein, dass dieser Abend nicht nach Plan verlaufen würde.

Und dann kam beinahe noch die ganz große Pointe. Während Spanien verzweifelt den Siegtreffer suchte, hatte Kap Verde in der Schlussphase selbst noch die Möglichkeit, das Märchen perfekt zu machen. Man stelle sich vor: Der Außenseiter schockt den Europameister mit dem einzigen Treffer des Spiels. Das Stadion wäre vermutlich aus allen Wolken gefallen.

So blieb es beim 0:0. Für Kap Verde fühlt sich dieses Ergebnis wie ein Sieg an. Für Spanien eher wie eine Niederlage ohne Gegentor. Die Afrikaner haben eindrucksvoll bewiesen, dass Leidenschaft, Organisation und Teamgeist manchmal wertvoller sein können als Weltstars und Marktwerte in Millionenhöhe.

Die Spanier stehen nun bereits früh im Turnier unter Druck. Gegen Saudi-Arabien muss am Sonntag ein Sieg her, sonst droht aus der vermeintlich einfachen Gruppenphase plötzlich eine unangenehme Zitterpartie zu werden.

Kap Verde hingegen darf diesen Abend genießen. Nicht viele Mannschaften können behaupten, einen Europameister über 90 Minuten nahezu zur Verzweiflung gebracht zu haben. Die Crioulos können es jetzt. Und wer weiß – vielleicht war dieses 0:0 erst der Anfang eines der schönsten WM-Märchen dieses Turniers.

Eure Wanise

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