Wer regelmäßig auf TikTok unterwegs ist, kennt die Videos: Junge Frauen präsentieren Chatverläufe mit angeblich wohlhabenden Männern, die ihnen 2.000, 5.000 oder sogar 10.000 Euro überwiesen haben. Andere Nutzer berichten von „Sugar Daddy Challenges“ oder behaupten, sie würden monatlich mehrere Tausend Euro erhalten, nur um gelegentlich Nachrichten auszutauschen.
Die Botschaft ist stets dieselbe: leichtes Geld ohne großen Aufwand.
Doch genau diese Versprechen machen die Angebote für Kriminelle attraktiv.
Das typische Beispiel: 5.000 Euro Geschenk – gegen eine kleine Gebühr
Eine besonders häufige Betrugsvariante beginnt mit einer Direktnachricht auf TikTok oder Instagram.
Ein angeblicher Geschäftsmann oder Investor erklärt, er suche eine „Sugar Baby“-Beziehung. Dabei wird ausdrücklich betont, dass keine persönlichen Treffen oder intime Kontakte erforderlich seien. Stattdessen wolle er die Person lediglich finanziell unterstützen.
Nach einigen Tagen schreibt der vermeintliche Wohltäter:
„Ich möchte dir 5.000 Euro schenken.“
Kurz darauf folgt jedoch eine Bedingung. Für die Überweisung müsse zunächst eine „Freischaltungsgebühr“, eine „Bankgebühr“ oder eine „Verifizierungskostenpauschale“ bezahlt werden. Die Beträge liegen häufig zwischen 50 und 300 Euro.
Wer bezahlt, sieht das versprochene Geld jedoch nie.
Die Täter brechen den Kontakt ab oder verlangen weitere Gebühren. Aus dem angeblichen Geschenk wird ein klassischer Vorschussbetrug.
Wenn persönliche Daten zur Gefahr werden
Noch gefährlicher wird es, wenn die Täter keine Gebühren verlangen, sondern persönliche Informationen sammeln.
Häufig werden Opfer aufgefordert, Ausweiskopien, Bankdaten oder Selfies zu übermitteln. Angeblich sei dies für eine Überweisung oder steuerliche Registrierung notwendig.
Tatsächlich können die Daten später für Identitätsdiebstahl genutzt werden. Kriminelle eröffnen damit beispielsweise Online-Konten, bestellen Waren oder beantragen sogar Kredite im Namen der Betroffenen.
Vom Opfer zum Geldkurier
In manchen Fällen werden TikTok-Nutzer sogar ungewollt Teil krimineller Netzwerke.
Die angeblichen Sugar Daddys bitten darum, Zahlungen auf dem Konto des Opfers zwischenzuparken und anschließend weiterzuleiten. Als Belohnung darf ein Teil des Geldes behalten werden.
Was harmlos klingt, kann erhebliche rechtliche Folgen haben.
Denn die Gelder stammen oftmals aus Online-Betrug, Phishing-Angriffen oder anderen Straftaten. Wer solche Transaktionen unterstützt, kann sich wegen Geldwäsche oder Beihilfe strafbar machen.
Warum TikTok besonders attraktiv für Betrüger ist
TikTok bietet Kriminellen ideale Bedingungen. Die Plattform erreicht vor allem junge Menschen, die offen für neue Trends und digitale Geschäftsmodelle sind.
Zudem verbreiten sich Erfolgsgeschichten und vermeintliche Beweise für hohe Einnahmen besonders schnell. Screenshots von Überweisungen, Luxusreisen oder Designerartikeln erzeugen den Eindruck, dass die Versprechen echt seien.
Experten warnen jedoch, dass solche Inhalte häufig gefälscht oder gezielt inszeniert werden.
Warnsignale für einen Betrugsversuch
Verbraucherschützer raten zur Vorsicht, wenn:
- hohe Geldgeschenke ohne nachvollziehbaren Grund versprochen werden,
- Gebühren vor einer Auszahlung verlangt werden,
- Ausweisdokumente oder Bankdaten gefordert werden,
- Zahlungen weitergeleitet werden sollen,
- ausschließlich über Messenger kommuniziert wird,
- die Person nicht eindeutig identifizierbar ist.
Die alte Masche in neuem Gewand
Betrug mit angeblichen Sugar Daddys ist kein neues Phänomen. Neu ist jedoch die Reichweite sozialer Netzwerke wie TikTok. Während solche Angebote früher vor allem über E-Mails oder Dating-Portale verbreitet wurden, erreichen die Täter heute innerhalb weniger Stunden tausende potenzielle Opfer.
Das Grundprinzip bleibt dabei unverändert: Mit der Aussicht auf schnelles und leicht verdientes Geld sollen Vertrauen aufgebaut und finanzielle oder persönliche Informationen erlangt werden.
Für Nutzer gilt deshalb eine einfache Regel: Wer Geld verschenken will, verlangt keine Vorabzahlung. Und wer ohne Gegenleistung mehrere Tausend Euro verspricht, verfolgt meist ein anderes Ziel als reine Großzügigkeit.