Dark Mode Light Mode

MLM-Systeme: Wie Multi-Level-Marketing funktioniert – und welche Risiken dahinterstecken

webandi (CC0), Pixabay

Multi-Level-Marketing, kurz MLM, ist ein Vertriebssystem, bei dem Produkte oder Dienstleistungen über ein Netzwerk aus selbstständigen Vertriebspartnern verkauft werden. Anders als im klassischen Einzelhandel stehen dabei nicht Geschäfte oder Onlineshops im Mittelpunkt, sondern private Verkäufer, die Produkte direkt an Kunden vermarkten und gleichzeitig neue Mitglieder für das System anwerben sollen.

Das Grundprinzip klingt zunächst einfach: Wer in ein MLM-Unternehmen einsteigt, verkauft beispielsweise Kosmetik, Nahrungsergänzungsmittel, Parfüm oder Fitnessprodukte und erhält dafür Provisionen. Zusätzlich kann man neue Vertriebspartner werben. Wenn diese wiederum Produkte verkaufen oder weitere Mitglieder anwerben, verdient die Person darüber ebenfalls mit. Dadurch entsteht ein mehrstufiges Netzwerk aus sogenannten „Uplines“ und „Downlines“.

Viele MLM-Unternehmen werben dabei mit Versprechen wie:

  • finanzieller Freiheit,
  • passivem Einkommen,
  • flexiblen Arbeitszeiten
  • oder schnellem Wohlstand.

Besonders in sozialen Netzwerken präsentieren sich manche Vertriebspartner mit Luxusautos, Reisen oder Designerartikeln und vermitteln den Eindruck, mit MLM sehr viel Geld verdienen zu können.

Ein typisches Beispiel:
Eine Person steigt in ein MLM-Unternehmen für Nahrungsergänzungsmittel ein. Sie verkauft Produkte an Freunde, Familie oder über Social Media und wirbt zusätzlich drei weitere Vertriebspartner an. Diese drei Personen sollen wiederum jeweils neue Mitglieder gewinnen. Mit jeder weiteren Ebene wächst das Netzwerk. Die oberen Ebenen erhalten dabei häufig Provisionen auf die Umsätze der unteren Ebenen.

Genau hier beginnen jedoch die Risiken vieler MLM-Systeme. Denn mathematisch wird es mit jeder neuen Ebene schwieriger, ausreichend neue Mitglieder und Kunden zu finden. Wenn beispielsweise jede Person nur fünf neue Teilnehmer anwirbt, entstehen nach wenigen Ebenen bereits Tausende Beteiligte. Irgendwann wird der Markt gesättigt.

Hinzu kommt:
In vielen MLM-Systemen verdienen tatsächlich nur wenige Menschen an der Spitze größere Summen. Die Mehrheit der Teilnehmer erzielt dagegen oft nur geringe Einnahmen oder macht sogar Verluste. Häufig investieren Mitglieder:

  • Geld für Starterpakete,
  • Schulungen,
  • Produkte,
  • Veranstaltungen
  • oder Marketingmaterialien,

ohne diese Kosten später wieder hereinzuholen.

Verbraucherschützer warnen deshalb regelmäßig vor unrealistischen Einkommensversprechen. Besonders problematisch wird es, wenn der Fokus weniger auf dem Verkauf echter Produkte liegt und stattdessen hauptsächlich neue Mitglieder angeworben werden sollen. Dann können MLM-Systeme in die Nähe illegaler Schneeball- oder Pyramidensysteme geraten, die in Deutschland verboten sind.

Ein weiteres Risiko ist der soziale Druck innerhalb solcher Netzwerke. Viele Vertriebspartner werden motiviert, möglichst Familie, Freunde oder Bekannte als Kunden oder neue Mitglieder anzusprechen. Dadurch können persönliche Beziehungen belastet werden. Kritiker berichten zudem von starkem Erfolgsdruck und einer regelrechten Motivationskultur, bei der Misserfolge oft den Teilnehmern selbst angelastet werden.

Trotz der Kritik sind nicht alle MLM-Unternehmen automatisch illegal oder unseriös. Einige vertreiben tatsächlich erfolgreiche Produkte und arbeiten rechtlich zulässig. Experten raten dennoch dazu, vor einem Einstieg genau zu prüfen:

  • wie das Unternehmen Geld verdient,
  • ob reale Produkte im Mittelpunkt stehen,
  • welche Kosten entstehen
  • und wie realistisch die versprochenen Einnahmen tatsächlich sind.

Denn gerade bei mehrstufigen Vertriebssystemen zeigt sich häufig:
Der große finanzielle Erfolg bleibt meist nur wenigen Teilnehmern an der Spitze vorbehalten, während viele andere deutlich weniger verdienen als ursprünglich erwartet.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

FINMA warnt vor unisoninvestment.com – Keine Verbindung zu registrierter Schweizer Firma

Next Post

FINMA-Eintrag: DEFMAXX Switzerland AG befindet sich in Liquidation