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Windpark Hungerberg I: Hoher Gewinn trotz Brandschaden – warum Anleger genau hinsehen sollten

geralt (CC0), Pixabay

Der Jahresabschluss der Windpark Hungerberg I GmbH & Co. KG für das Geschäftsjahr vom 1. Oktober 2024 bis zum 30. September 2025 zeigt ein ungewöhnliches Bild: Operativ gingen die Umsätze deutlich zurück, gleichzeitig blieb der Jahresüberschuss mit rund 2,64 Millionen Euro nahezu auf Vorjahresniveau. Der Grund liegt vor allem in hohen Versicherungsleistungen nach einem Brandschaden an einer Windenergieanlage.

Für Anleger wirkt das Ergebnis auf den ersten Blick stabil. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch: Die Profitabilität des Geschäftsjahres ist stark von einem Sondereffekt geprägt.

Brandschaden prägt den Jahresabschluss

Die Gesellschaft betreibt Windenergieanlagen und erzielt ihre Erlöse aus Einspeisevergütungen sowie Direktvermarktung. Im Berichtsjahr wurde jedoch eine Windenergieanlage durch einen Brand zerstört. Dadurch kam es zu erheblichen bilanziellen Auswirkungen.

Das Sachanlagevermögen sank von 8,85 Millionen Euro auf 5,85 Millionen Euro. Zusätzlich wurde bei immateriellen Vermögensgegenständen eine außerplanmäßige Abschreibung von 312.000 Euro erfasst. Aus dem Abgang der zerstörten Anlage entstand ein Aufwand von rund 2,17 Millionen Euro. Hinzu kamen Aufwendungen für die Schadensbeseitigung von rund 3,43 Millionen Euro.

Dem standen allerdings Versicherungsleistungen von rund 8,58 Millionen Euro gegenüber. Diese führten dazu, dass die sonstigen betrieblichen Erträge massiv auf 8,70 Millionen Euro stiegen.

Umsatz bricht deutlich ein

Besonders kritisch ist der Blick auf die regulären Umsatzerlöse. Diese sanken von 5,48 Millionen Euro im Vorjahr auf nur noch 2,30 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang von mehr als der Hälfte.

Für Anleger ist das ein wichtiger Punkt. Denn die laufende Ertragskraft aus dem eigentlichen Windparkbetrieb war deutlich schwächer als im Vorjahr. Der hohe Jahresüberschuss ist daher nicht Ausdruck eines starken operativen Geschäfts, sondern wesentlich durch die Versicherungserstattung beeinflusst.

Liquidität sinkt trotz hoher Forderungen

Auch die Bilanz zeigt Verschiebungen. Die Guthaben bei Kreditinstituten gingen von 5,84 Millionen Euro auf 2,78 Millionen Euro zurück. Gleichzeitig stiegen die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände stark von 633.000 Euro auf 5,38 Millionen Euro.

Der größte Posten darin ist eine Forderung gegenüber Versicherungen aus dem Brandschaden in Höhe von 4,97 Millionen Euro. Für Anleger ist entscheidend, ob und wann diese Forderung vollständig zufließt. Solange sie nicht als Liquidität verfügbar ist, bleibt ein Teil der finanziellen Stärke bilanziell gebunden.

Verschuldung sinkt weiter

Positiv ist, dass die Verbindlichkeiten insgesamt von 7,81 Millionen Euro auf 6,59 Millionen Euro zurückgingen. Die Bankverbindlichkeiten wurden von 7,63 Millionen Euro auf 6,41 Millionen Euro reduziert.

Die Kreditverbindlichkeiten sind allerdings vollständig besichert, unter anderem durch Ansprüche aus der Stromeinspeisung, Bankguthaben und Sicherungsübereignung der Windenergieanlagen. Das ist bei Projektfinanzierungen üblich, zeigt aber auch, dass wesentliche Vermögenswerte zur Sicherung der Finanzierung gebunden sind.

Eigenkapital bleibt stabil

Das Eigenkapital lag zum Stichtag bei 7,61 Millionen Euro und damit nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr. Die Eigenkapitalquote stieg rechnerisch von rund 45 Prozent auf etwa 51 Prozent, weil die Bilanzsumme von 16,82 Millionen Euro auf 15,06 Millionen Euro sank.

Das ist grundsätzlich positiv. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass der Windpark nach dem Brandschaden über eine geringere Anlagenbasis verfügt.

Ausschüttung mit Augenmaß

Der Jahresüberschuss von rund 2,64 Millionen Euro soll nicht vollständig ausgeschüttet werden. Laut Gesellschafterbeschluss werden rund 1,04 Millionen Euro ausgeschüttet, während 1,6 Millionen Euro auf neue Rechnung vorgetragen werden.

Aus Anlegersicht ist das nachvollziehbar. Angesichts des Brandschadens, der gesunkenen Bankguthaben und möglicher Wiederherstellungs- oder Folgekosten stärkt der Gewinnvortrag die Liquidität und finanzielle Flexibilität.

Uneingeschränkter Bestätigungsvermerk

Positiv zu bewerten ist der uneingeschränkte Bestätigungsvermerk der KPMG. Der Abschlussprüfer hat keine Einwendungen gegen die Ordnungsmäßigkeit des Jahresabschlusses erhoben. Auch die Prüfung nach § 6b Energiewirtschaftsgesetz zur Führung getrennter Konten ergab keine wesentlichen Beanstandungen.

Das stärkt die formale Verlässlichkeit des Abschlusses.

Kritisches Fazit aus Anlegersicht

Der Jahresabschluss der Windpark Hungerberg I GmbH & Co. KG zeigt auf den ersten Blick ein solides Ergebnis. Doch der Gewinn ist stark durch Versicherungsleistungen geprägt. Das operative Geschäft war deutlich schwächer, die Umsatzerlöse haben sich mehr als halbiert und eine Windenergieanlage ist durch Brand ausgefallen.

Positiv sind die weiterhin stabile Eigenkapitalbasis, der Rückgang der Bankverbindlichkeiten, der hohe Gewinnvortrag und der uneingeschränkte Prüfungsvermerk. Kritisch bleiben dagegen die Abhängigkeit von Versicherungszahlungen, der Rückgang der laufenden Stromerlöse und die Frage, wie schnell die beschädigte Erzeugungskapazität wieder ersetzt oder wirtschaftlich kompensiert werden kann.

Für Anleger lautet die Kernaussage: Das Unternehmen steht bilanziell nicht schlecht da, aber das Jahresergebnis 2025 sollte nicht als normalisierte Ertragskraft verstanden werden. Entscheidend wird sein, wie sich der Windpark nach dem Brandschaden operativ erholt.

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