Infusionen mit Vitaminen, Mineralstoffen und angeblichen Energieboostern gelten in sozialen Netzwerken längst als neuer Wellness-Trend. Anbieter versprechen mehr Leistungsfähigkeit, ein stärkeres Immunsystem, schnellere Regeneration oder sogar Anti-Aging-Effekte. Doch genau vor diesen sogenannten „Drip-Spa“-Anwendungen warnt nun das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
Die Behörde sieht gesundheitliche Risiken und kritisiert gleichzeitig, dass für viele der beworbenen Wirkungen keinerlei wissenschaftlicher Nachweis existiere.
Immer häufiger bieten sogenannte Infusionsbars oder Wellness-Lounges intravenöse Vitamin-Cocktails an. Kundinnen und Kunden erhalten dabei hoch dosierte Mischungen aus Vitaminen, Mineralstoffen, Elektrolyten oder Aminosäuren direkt über die Vene verabreicht. Besonders beworben werden die Anwendungen mit Begriffen wie:
- „Immunsystem-Booster“,
- „Detox“,
- „Beauty-Infusion“,
- „Energy-Drip“,
- oder „Anti-Stress-Therapie“.
Das Problem aus Sicht der Behörden: Viele dieser Anwendungen bewegen sich medizinisch in einem Graubereich. Laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sind die Produkte in Deutschland häufig gar nicht als Arzneimittel zugelassen.
Zudem gebe es keine belastbaren wissenschaftlichen Belege dafür, dass gesunde Menschen durch solche Infusionen tatsächlich leistungsfähiger oder gesünder würden.
Besonders kritisch sieht das Institut mögliche Nebenwirkungen. Denn Infusionen greifen direkt in den Organismus ein. Anders als bei Nahrungsergänzungsmitteln gelangen die Stoffe ohne natürlichen Verdauungsprozess unmittelbar in den Blutkreislauf.
Dadurch können unter anderem:
- allergische Reaktionen,
- Kreislaufprobleme,
- Überdosierungen bestimmter Stoffe,
- sowie Störungen des Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts auftreten.
Vor allem Menschen mit Vorerkrankungen, Herz-Kreislauf-Problemen oder Nierenfunktionsstörungen könnten gefährdet sein.
Experten warnen zudem davor, dass der Wellness-Markt rund um Infusionstherapien zunehmend kommerzialisiert werde. Viele Angebote würden mit medizinisch klingenden Begriffen arbeiten, obwohl der tatsächliche Nutzen wissenschaftlich nicht ausreichend belegt sei.
Kritiker sprechen deshalb von einer problematischen Vermischung aus Lifestyle, Schönheitsindustrie und Medizin.
Hinzu kommt: Die Behandlungen sind oft teuer. Je nach Anbieter kosten einzelne Infusionen zwischen 80 und mehreren hundert Euro. Gleichzeitig sind die Anwendungen in vielen Fällen keine regulären medizinischen Therapien, sondern privat zu zahlende Wellness-Angebote.
Besonders in sozialen Medien erleben die sogenannten „Vitamin Drips“ derzeit einen Boom. Influencer, Sportler und Prominente präsentieren Infusionen häufig als modernen Gesundheits- oder Lifestyle-Trend.
Mediziner mahnen jedoch zur Vorsicht. Vitamininfusionen könnten in bestimmten Fällen durchaus medizinisch sinnvoll sein – etwa bei nachgewiesenem Mangel, schweren Erkrankungen oder speziellen Therapien. Für gesunde Menschen seien hoch dosierte Infusionen dagegen meist unnötig.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte appelliert deshalb an Verbraucher, sich nicht von Werbeversprechen blenden zu lassen und medizinische Behandlungen ausschließlich unter fachkundiger ärztlicher Begleitung durchführen zu lassen.
Die aktuelle Warnung zeigt erneut, wie stark der Gesundheitsmarkt von Trends geprägt wird, bei denen wissenschaftliche Evidenz und kommerzielle Interessen nicht immer im Gleichgewicht stehen.