Aus Anlegersicht fällt der Jahresbericht 2025 insgesamt positiv aus. Der Fonds erzielte mit +13,6 % in Anteilklasse A und +14,6 % in Anteilklasse I eine überzeugende Wertentwicklung. Auch über längere Zeiträume zeigt Anteilklasse A eine solide Historie: +14,2 % p. a. über drei Jahre und +11,7 % p. a. über fünf Jahre. Das spricht für eine bislang erfolgreiche Umsetzung des systematischen Value-Ansatzes.
Der Fonds ist nahezu vollständig in Aktien investiert: 96,86 % des Fondsvermögens lagen zum Jahresende in Aktien, nur rund 3,21 % in Bankguthaben und Geldmarktpositionen. Damit eignet sich der Fonds vor allem für Anleger mit langfristigem Anlagehorizont und entsprechender Risikotoleranz. Kurzfristige Schwankungen müssen einkalkuliert werden.
Positiv ist die breite internationale Diversifikation. Die USA sind mit 42,77 % zwar klar dominierend, daneben bestehen Engagements in Großbritannien, Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Japan, Korea, Taiwan und weiteren Märkten. Auch auf Einzeltitelebene ist der Fonds breit gestreut. Größere Positionen wie Alphabet, Microsoft, Samsung Electronics und Berkshire Hathaway zeigen jedoch, dass trotz Value-Ansatz auch große Qualitäts- und Technologiewerte eine wichtige Rolle spielen.
Ein wichtiger Pluspunkt ist das konsequente, regelbasierte Anlagekonzept. Die Titelauswahl erfolgt mithilfe des Lingohr-Modells „CHICCO“, das unterbewertete Aktien anhand verschiedener Kennzahlen identifizieren soll. Dadurch werden emotionale Anlageentscheidungen reduziert. Gleichzeitig bleibt der Fonds aktiv gemanagt und weicht bewusst von klassischen Indizes ab. Für Anleger bedeutet das: Die Wertentwicklung kann deutlich anders ausfallen als bei einem MSCI-World-ETF.
Kritisch zu sehen sind die Kosten. Die laufenden Kosten der Anteilklasse A betragen 1,92 %, zusätzlich fällt ein Ausgabeaufschlag von 5 % an. Das ist im Vergleich zu passiven Weltaktien-ETFs hoch. Die institutionelle Anteilklasse I ist mit 1,08 % laufenden Kosten deutlich günstiger, verlangt aber eine Mindestanlage von 100.000 Euro. Für Privatanleger ist daher besonders wichtig, ob die aktive Strategie die höheren Kosten langfristig rechtfertigt.
Das Fondsvolumen entwickelte sich trotz Mittelabflüssen positiv. Anteilklasse A verzeichnete netto Rückgaben von rund 24,1 Mio. Euro, konnte den Wert des Sondervermögens aber dank des Anlageergebnisses auf rund 694,1 Mio. Euro steigern. Das zeigt: Das Wachstum 2025 kam vor allem aus Performance, nicht aus neuen Anlegergeldern.
Die Risiken sind klar aktientypisch. Neben allgemeinen Marktrisiken bestehen erhebliche Fremdwährungsrisiken, da mehr als die Hälfte der Aktienanlagen in USD notiert. Eine aktive Währungsabsicherung wurde nicht vorgenommen. Anleger aus dem Euroraum profitieren also bei einem stärkeren Dollar, tragen aber Verluste bei einer Dollar-Abwertung.
Nachhaltigkeit spielt eine begrenzte Rolle. Der Fonds berücksichtigt zwar Principal Adverse Impacts und schließt schwerwiegende negative Nachhaltigkeitsauswirkungen aus. Gleichzeitig erfüllen die Investitionen laut Bericht nicht die EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten. Anleger mit starkem ESG-Fokus sollten das beachten.
Fazit: Der LINGOHR-SYSTEMATIC-INVEST überzeugte 2025 mit starker Performance, breiter Streuung und einem klar definierten systematischen Value-Ansatz. Für langfristig orientierte Anleger kann der Fonds interessant sein, insbesondere wenn sie bewusst eine aktive Alternative zu klassischen Weltaktienindizes suchen. Die wichtigsten Gegenargumente sind die hohen Kosten der Anteilklasse A, das nahezu vollständige Aktienmarktrisiko und die deutliche Fremdwährungsabhängigkeit.