Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2025 ein insgesamt sehr überzeugendes Renditejahr für den Fonds, allerdings verbunden mit einem bewusst hohen Aktienmarktrisiko und einer starken Abhängigkeit von der Entwicklung europäischer Small- und MidCaps. Der Fonds hat sein Ziel, langfristig angemessene Wertzuwächse zu erzielen, im Berichtsjahr klar erreicht. Gleichzeitig macht der Bericht deutlich, dass diese Wertentwicklung nicht defensiv erkauft wurde, sondern durch eine nahezu vollständige Investition in Aktien und eine nur geringe Absicherung.
1. Das Wichtigste zuerst: 2025 war ein sehr starkes Jahr
Die Performance lag bei +22,68 % für die institutionelle I-Tranche und bei +21,84 % für die R-Tranche. Das ist für einen Dividendenfonds im Small-/MidCap-Segment ein starkes Ergebnis. Positiv ist dabei nicht nur die absolute Rendite, sondern auch, dass sie aus einem breit gestreuten Portfolio mit 75 Einzeltiteln erzielt wurde. Die größte Position macht nur 2,2 % des Fondsvermögens aus, die zehn größten Titel zusammen 17,2 %. Das spricht gegen Klumpenrisiken auf Einzeltitelebene.
2. Das Renditeprofil: aktiv, aktienlastig, chancenorientiert
Der Fonds war laut Bericht fast durchgehend nahezu voll investiert. Zum Jahresende lag die Aktienquote bei rund 99,6 % des Fondsvermögens, die Kasse nur bei 0,5 %. Das Management hat also 2025 kaum versucht, Marktrisiken über hohe Liquidität oder umfangreiche Absicherung zu reduzieren. Aus Anlegersicht ist das ein wichtiger Punkt: Der Fonds ist kein defensives Dividendenprodukt, sondern ein aktiver Aktienfonds mit Dividendenfokus, der Marktchancen offensiv nutzt.
Das ist einer der Hauptgründe für die starke Wertentwicklung, bedeutet aber auch: In schwächeren Marktphasen dürfte der Fonds entsprechend deutlich schwanken.
3. Die Anlagestrategie wirkt konsistent
Der Fonds investiert in Aktien kleinerer und mittlerer Unternehmen aus der Eurozone, die eine aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik verfolgen. Diese Strategie wurde 2025 diszipliniert umgesetzt. Besonders stark gewichtet war der Bereich Industrieprodukte und Services mit 34,17 % des Aktienvermögens. Dahinter folgen unter anderem Baugewerbe, Technologie, Versorger und Finanzwerte.
Auffällig ist, dass die Sektorsteuerung nicht zufällig wirkt, sondern klar aus dem Investmentansatz abgeleitet wurde:
Industrie wurde weiter ausgebaut, weil dort laut Management besonders viele passende Dividenden- und Bewertungsprofile zu finden waren.
Baugewerbe wurde wegen des erwarteten deutschen Infrastrukturprogramms erhöht.
Kreditinstitute und Versicherungen wurden teils zurückgenommen, unter anderem nach Gewinnmitnahmen bzw. wegen verschlechterter Preisgestaltung.
Fahrzeugbau wurde reduziert, weil die Aussichten herausfordernd blieben.
Für Anleger ist das positiv, weil es zeigt, dass das Management nicht rein benchmarknah investiert, sondern echte aktive Allokationsentscheidungen trifft.
4. Risikoseite: klar erhöhtes Aktienmarktrisiko
Der entscheidende Risikohinweis aus dem Bericht ist das sehr hohe Aktienkursrisiko. Der ausgewiesene VaR für Aktienkursrisiken liegt bei 8,20 % und fällt damit in die höchste Risikostufe des Hauses. Das ist angesichts der fast vollständigen Aktieninvestition logisch. Anleger sollten daraus ableiten: Dieser Fonds eignet sich eher für Investoren mit mittlerem bis langem Anlagehorizont und entsprechender Schwankungstoleranz.
Positiv ist dagegen:
Adressenausfallrisiko praktisch vernachlässigbar (0,01 %),
Zinsänderungsrisiko irrelevant (0,00 %),
Währungsrisiko ebenfalls faktisch nicht vorhanden (0,00 %), da der Fokus auf der Eurozone liegt.
Etwas kritischer ist das Liquiditätsrisiko zu sehen. Die Liquiditätsquote liegt bei 55,83 % und wird damit als mittleres Liquiditätsrisiko eingestuft. Das ist bei europäischen Small & MidCaps nicht überraschend, aber in Stressphasen kann genau das ein Nachteil sein: kleinere Titel sind oft weniger liquide und reagieren empfindlicher auf Marktverwerfungen.
5. Ertragsqualität: nicht nur Buchgewinne, sondern auch realisierte Erfolge
Die Jahresergebnisse beruhen nicht ausschließlich auf Bewertungsgewinnen. In beiden Anteilklassen wurden auch substantielle realisierte Gewinne erzielt:
I-Tranche: realisierte Gewinne aus Verkäufen und Derivaten deutlich über den realisierten Verlusten, insgesamt rund 1,72 Mio. EUR Veräußerungsergebnis
R-Tranche: rund 1,63 Mio. EUR Veräußerungsergebnis
Zusätzlich kamen positive nicht realisierte Wertveränderungen hinzu. Das spricht dafür, dass die Performance 2025 nicht nur “auf dem Papier” entstanden ist, sondern teils aktiv gesichert wurde.
6. Dividendenfonds ja – aber die Gesamtrendite ist der eigentliche Treiber
Der Name des Fonds betont die Dividendenstrategie, aber im Berichtsjahr kam der wesentliche Ergebnisschub nicht allein aus laufenden Ausschüttungen, sondern vor allem aus Kursgewinnen. Der ordentliche Nettoertrag war solide, aber deutlich kleiner als das gesamte Jahresergebnis:
I-Tranche: 532 Tsd. EUR ordentlicher Nettoertrag, aber 4,22 Mio. EUR Jahresergebnis
R-Tranche: 371 Tsd. EUR ordentlicher Nettoertrag, aber 3,64 Mio. EUR Jahresergebnis
Aus Anlegersicht heißt das: Der Fonds ist kein reiner Einkommensfonds, sondern ein wachstumsorientierter Dividenden-Aktienfonds. Die Dividendenstrategie dient offenbar eher der Titelselektion und Qualitätsfilterung als der Maximierung laufender Ausschüttungen.
7. Kosten: I-Tranche attraktiv, R-Tranche deutlich teurer
Ein wesentlicher Punkt für Anleger ist der Kostenunterschied:
I-Tranche TER: 1,13 %
R-Tranche TER: 1,84 %
Zusätzlich kann bei der R-Tranche ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5 % anfallen, während bei der I-Tranche der tatsächliche Ausgabeaufschlag mit „—“ ausgewiesen ist und die laufende Verwaltungsvergütung mit 0,80 % p.a. deutlich niedriger liegt als bei der R-Tranche mit 1,50 % p.a.
Das ist aus Investorsicht sehr relevant: Die Performance-Differenz zwischen I und R betrug 2025 nur 0,84 Prozentpunkte, was ziemlich genau den höheren laufenden Kosten der R-Tranche entspricht. Wer Zugang zur I-Tranche hat, fährt strukturell deutlich besser. Für Privatanleger in der R-Tranche ist die Strategie zwar weiterhin interessant, aber die Kosten nagen sichtbar an der Nettorendite.
8. Mittelbewegungen zeigen ein gemischtes Anlegerverhalten
Interessant ist die unterschiedliche Entwicklung der Anteilklassen:
In der I-Tranche gab es netto deutliche Mittelabflüsse.
In der R-Tranche gab es netto leichte Zuflüsse.
Das muss nicht negativ sein, kann aber darauf hindeuten, dass institutionelle Anleger in der I-Tranche Umschichtungen vorgenommen haben. Da das Fondsvermögen insgesamt dennoch gestiegen ist, war die Performance stark genug, um Abflüsse zu kompensieren.
9. Positiv: breite Länderstreuung innerhalb der Eurozone
Der Fonds ist über mehrere Euroländer verteilt, unter anderem:
Deutschland 18,54 %
Frankreich 16,98 %
Italien 11,59 %
Österreich 10,87 %
Finnland 10,62 %
Spanien 9,89 %
Diese Streuung reduziert das Risiko einer zu starken Abhängigkeit von einem einzelnen Markt. Gleichzeitig bleibt der Fonds aber klar ein Eurozonen-Fonds. Wer globale Diversifikation sucht, bekommt sie hier nicht.
10. Kritische Punkte aus Anlegersicht
Neben den vielen positiven Aspekten gibt es auch Punkte, die man nüchtern sehen sollte:
Erstens ist der Fonds stark zyklisch geprägt, vor allem durch die hohe Gewichtung von Industrie, Bau und anderen konjunktursensiblen Segmenten. In einem wirtschaftlichen Abschwung kann das stärker belasten als bei defensiveren Dividendenfonds.
Zweitens wurde Marktrisiko bewusst kaum reduziert. Das Management setzt klar auf Aktienselektion statt taktischer Absicherung. Das funktioniert in guten Börsenjahren sehr gut, kann aber in schwachen Marktphasen schmerzhaft werden.
Drittens ist die Liquidität des Segments begrenzt. Gerade Small und MidCaps können in unruhigen Marktphasen unterproportional liquide sein.
Viertens berücksichtigt das Produkt laut Taxonomie-Angabe keine EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten. Für ESG-orientierte Anleger ist das ein klarer Nachteil.
Fünftens ist der Anteil an Transaktionen über eng verbundene Unternehmen und Personen mit 96,03 % auffällig hoch. Das muss nicht problematisch sein, sollte aus Governance-Sicht aber zumindest registriert werden.
11. Gesamturteil aus Anlegersicht
Der Jahresbericht vermittelt das Bild eines gut gemanagten, diszipliniert umgesetzten und 2025 sehr erfolgreichen europäischen Small-/MidCap-Aktienfonds mit Dividendenfokus. Besonders überzeugend sind:
die starke Performance,
die breite Diversifikation,
die klare Strategie,
die aktive, nachvollziehbare Sektorsteuerung,
das geringe Währungs- und Zinsrisiko.
Dem stehen gegenüber:
ein sehr hohes Aktienmarktrisiko,
ein nur begrenzt defensiver Charakter,
ein mittleres Liquiditätsrisiko,
und bei der R-Tranche spürbar hohe Kosten.
Fazit:
Für Anleger, die gezielt auf europäische Small- und MidCaps mit Dividendenfokus setzen wollen und Schwankungen aushalten können, macht der Fonds einen substanziell soliden Eindruck. 2025 war operativ und performanceseitig ein starkes Jahr. Der Fonds ist aber kein konservativer Dividendenbaustein, sondern eher ein offensiver Qualitäts- und Value-orientierter Aktienfonds innerhalb der Eurozone. Besonders attraktiv wirkt die I-Tranche, während die R-Tranche durch ihre Kosten spürbar an Effizienz verliert.