Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2025 ein insgesamt sehr starkes Ergebnisjahr für den Fonds LBBW Rohstoffe 1. Die Anteilklassen erzielten eine deutliche Wertsteigerung: +24,77 % bei LBBW Rohstoffe 1 I, +23,89 % bei LBBW Rohstoffe 1 R und +26,88 % bei LBBW Rohstoffe 1 I USD. Damit hat der Fonds im Berichtsjahr klar von der positiven Entwicklung der Rohstoffmärkte profitiert. Für Investoren ist das zunächst ein starkes Signal, denn der Fonds hat seinen Zweck erfüllt: eine wirksame Partizipation an steigenden Rohstoffpreisen.
Der entscheidende Punkt ist jedoch, wie diese Rendite erzielt wurde. Der Fonds investiert nicht direkt in physische Rohstoffe, sondern bildet die Rohstoffentwicklung indirekt über Swaps auf einen Rohstoffindex nach. Parallel dazu liegt der größte Teil des Vermögens in einem defensiv ausgerichteten Rentenportfolio. Zum Jahresende bestanden 81,39 % des Fondsvermögens aus Anleihen, rund 7,99 % aus Derivaten und 9,76 % aus Bankguthaben. Das wirkt auf den ersten Blick konservativ, ist aber nur die halbe Wahrheit: Das eigentliche Rohstoffengagement entsteht über das Derivate-Exposure. Dieses betrug 304,3 Mio. Euro und lag damit sogar leicht über dem Fondsvermögen. Der durchschnittliche Leverage durch Derivategeschäfte von 200,23 % zeigt klar, dass die Wertentwicklung wesentlich durch derivative Konstruktionen geprägt wird.
Positiv ist die Qualität des Sicherungsportfolios. Die Rentenseite ist sehr solide aufgestellt: hoher Anteil an Covered Bonds, kurze bis mittlere Laufzeiten, starke Bonitäten mit überwiegend Aaa- bis A-Ratings und breite Streuung über zahlreiche Emittenten. Das senkt klassische Ausfall- und Zinsrisiken deutlich. Passend dazu stuft das Management das Adressenausfallrisiko mit 2,92 % als gering, das Liquiditätsrisiko mit 91,88 % ebenfalls als gering und das Zinsänderungsrisiko mit einem VaR von 0,40 % als niedrig ein. Für Anleger bedeutet das: Der „stabile Unterbau“ des Fonds erscheint robust und professionell gemanagt.
Der eigentliche Risikotreiber ist aber eindeutig das Rohstoffkursrisiko. Der ausgewiesene Value-at-Risk für Rohstoffpreise von 9,34 % liegt in der Kategorie „sehr hohes Rohstoffkursrisiko“. Das ist die wichtigste Aussage des gesamten Berichts. Anleger sollten diesen Fonds deshalb nicht mit einem defensiven Rentenfonds verwechseln, nur weil der Großteil des Vermögens in Anleihen liegt. Wirtschaftlich gesehen ist er ein Rohstofffonds mit Anleihe-Overlay, nicht umgekehrt. Wer investiert, setzt klar auf die Entwicklung der internationalen Rohstoffmärkte und muss entsprechend deutliche Schwankungen akzeptieren.
Erfreulich ist, dass das Management das Risiko nicht über extreme Einzeltitelkonzentrationen aufgebaut hat. Im Rentenportfolio liegt die größte Einzelposition nur bei 1,57 % des Fondsvermögens, die zehn größten Positionen zusammen bei 14,26 %. Auch die Länderverteilung ist relativ breit. Das spricht für ein diszipliniertes Risikomanagement auf der Sicherheiten- und Liquiditätsseite. Gleichzeitig fällt auf, dass die Derivategeschäfte im Wesentlichen mit nur einem Kontrahenten, der Landesbank Baden-Württemberg, abgeschlossen wurden. Das reduziert operative Komplexität, erzeugt aber eine gewisse Kontrahentenabhängigkeit, die Investoren im Blick behalten sollten.
Bei der Ertragsqualität zeigt sich ein typisches Bild für einen Rohstofffonds: Der größte Wertbeitrag stammt nicht aus laufenden Zinserträgen, sondern aus Marktbewegungen und Bewertungsgewinnen. In der institutionellen EUR-Tranche I lag der ordentliche Nettoertrag nur bei rund 1,48 Mio. Euro, während das Gesamtergebnis des Geschäftsjahres 31,79 Mio. Euro erreichte. Ein erheblicher Teil kam also aus realisierten und vor allem nicht realisierten Gewinnen. Das macht die Ergebnisse naturgemäß stärker von Marktphasen abhängig. 2025 war hier ein gutes Jahr; in schwächeren Rohstoffjahren kann sich das Bild jedoch rasch drehen.
Ein weiterer wichtiger Punkt aus Investorensicht sind die Kostenunterschiede zwischen den Anteilklassen. Die institutionellen Klassen I und I USD weisen eine Gesamtkostenquote von 0,98 % auf, während die Retail-Tranche R bei 1,68 % liegt. Das ist ein spürbarer Unterschied. Entsprechend blieb die Performance der R-Tranche hinter der I-Tranche zurück. Für kostenbewusste Anleger ist das relevant: Wer Zugang zu den institutionellen Klassen hat, fährt hier strukturell besser. Bei der R-Tranche kommt außerdem ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5 % hinzu, was die Attraktivität für Privatanleger zusätzlich mindert.
Auch die Mittelbewegungen liefern interessante Signale. Während die institutionelle EUR-Tranche nur geringe Nettozuflüsse verzeichnete und die USD-Tranche deutlich wuchs, musste die Retail-Tranche spürbare Nettoabflüsse hinnehmen. Das kann man als Hinweis darauf lesen, dass institutionelle oder professionelle Anleger dem Produkt tendenziell treuer bleiben als Privatanleger. Gleichzeitig ist das Fondsvermögen insgesamt gestiegen, vor allem dank der guten Wertentwicklung. Die größte Anteilklasse bleibt die I-Tranche mit rund 174,1 Mio. Euro, gefolgt von der R-Tranche mit rund 104,9 Mio. Euro.
Weniger überzeugend wirkt der Fonds im Bereich Nachhaltigkeit. Der Bericht stellt ausdrücklich fest, dass die zugrunde liegenden Investitionen die EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten nicht berücksichtigen. Für klassische Rohstoffinvestoren ist das womöglich zweitrangig, für ESG-orientierte Anleger ist es aber ein klarer Minuspunkt.
Unter dem Strich ist der Fonds aus Anlegersicht ein gut konstruiertes, professionell gesteuertes Rohstoffinvestment mit starkem Ergebnisjahr 2025, aber eben kein defensives Basisinvestment. Seine Stärke liegt in der effizienten Partizipation an Rohstofftrends bei gleichzeitig hochwertigem Sicherheitenportfolio. Seine Schwäche liegt in der deutlichen Abhängigkeit von Rohstoffpreisen, dem Derivateeinsatz und dem damit verbundenen hohen Marktrisiko. Für Anleger, die gezielt einen Rohstoffbaustein zur Diversifikation suchen und Schwankungen aushalten können, wirkt der Fonds interessant. Für konservative Investoren oder Anleger, die laufende und planbare Erträge erwarten, ist er dagegen nur eingeschränkt geeignet.
Fazit:
2025 war für den LBBW Rohstoffe 1 ein sehr erfolgreiches Jahr. Die starke Performance bestätigt die Funktionsfähigkeit des Konzepts. Dennoch bleibt der Fonds ein spezialisiertes, chancenorientiertes Investment mit hohem Rohstoffrisiko. Aus Anlegersicht ist er vor allem dann sinnvoll, wenn er gezielt als Beimischung eingesetzt wird – nicht als Kernanlage.