Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2025 ein insgesamt überzeugendes, aber nicht defensives Bild. Der Fonds hat im Berichtsjahr mit +9,0 % eine erfreuliche Wertentwicklung erzielt und damit seinen Wachstumskurs fortgesetzt. Seit Auflegung liegt die annualisierte Rendite bei 10,1 % p.a., über drei Jahre bei 10,7 % p.a.. Das ist für einen vermögensverwaltenden Fonds attraktiv. Gleichzeitig macht die Struktur des Portfolios deutlich, dass der Fonds kein ausgewogener Mischfonds im klassischen Sinn, sondern ein klar wachstumsorientierter Aktienfonds mit Beimischung von Gold ist.
Positiv hervorzuheben ist zunächst die klare Ausrichtung und Transparenz. Der Fonds investiert überwiegend über ETFs, was grundsätzlich für eine breite Streuung, gute Handelbarkeit und nachvollziehbare Allokation spricht. Zum Jahresende waren 96,5 % des Fondsvermögens investiert, davon 86,5 % in Aktienfonds und 10,0 % in Gold-Zertifikaten. Die Liquiditätsquote von nur 3,5 % zeigt, dass das Management weitgehend investiert blieb und damit an den steigenden Märkten partizipierte. Das war 2025 auch der richtige Ansatz, denn die globalen Aktienmärkte wurden durch sinkende Inflation, fallende Leitzinsen und den anhaltenden KI-Boom gestützt.
Die Ertragslage ist aus Investorensicht zweigeteilt. Der wesentliche Performancebeitrag kam nicht aus laufenden Erträgen, sondern aus Kursgewinnen. Der ordentliche Nettoertrag war mit -129.900,86 Euro negativ. Das bedeutet: Die laufenden Erträge aus Fondsanlagen und Liquidität reichten nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken. Die positive Jahresperformance wurde also vor allem durch realisierte Gewinne von 449.694,91 Euro und vor allem durch nicht realisierte Wertsteigerungen von 812.465,99 Euro getragen. Für Wachstumsanleger ist das nicht ungewöhnlich, zeigt aber, dass der Fonds stark von steigenden Marktpreisen abhängig ist und weniger von stabilen Ausschüttungen lebt.
Ein zentraler Punkt für Anleger ist die Portfoliozusammensetzung. Zwar ist der Fonds formal breit gestreut, tatsächlich ist die Streuung aber stark thematisch geprägt. Im Bestand finden sich zahlreiche ETFs auf Zukunfts- und Trendsegmente wie Künstliche Intelligenz, Robotik, Big Data, Halbleiter, Cybersecurity, Gesundheitsinnovation, Verteidigung und Indien. Ergänzt wird dies durch Sektorwetten wie Versicherungen, Bau/Materialien, Utilities, Wasser und Emerging Markets ex USA. Das erhöht die Renditechancen, bringt aber auch ein höheres Konzentrations- und Stilrisiko mit sich. Viele dieser Themen liefen 2025 gut, könnten in schwächeren Marktphasen aber überdurchschnittlich stark korrigieren.
Die Goldbeimischung von knapp 10 % ist aus Anlegersicht sinnvoll. Sie stabilisiert das Portfolio teilweise gegenüber geopolitischen Risiken, Inflationssorgen und Kapitalmarktturbulenzen. Laut Bericht lieferte Gold auch einen positiven Ergebnisbeitrag. Allerdings erfolgt die Abbildung über Gold-Zertifikate, nicht über physisches Gold oder klassische Goldminenaktien. Das ist praktikabel, bringt aber ein Struktur- bzw. Emittentenrisiko mit sich, das Anleger kennen sollten.
Die Währungsseite ist ebenfalls relevant. Rund 14,7 % des Fondsvermögens waren direkt in USD notiert, hinzu kommen indirekte Fremdwährungsrisiken über globale ETFs. Der Bericht weist ausdrücklich darauf hin, dass die Abwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro die Performance teilweise belastet hat. Das zeigt: Anleger partizipieren nicht nur an den Aktienmärkten, sondern tragen auch Währungsrisiken, die in einzelnen Jahren deutlich auf die Rendite drücken können.
Beim Fondsvolumen ist ein klar positives Signal zu erkennen. Das Fondsvermögen stieg von 10,5 Mio. Euro auf 14,25 Mio. Euro, also nicht nur durch Wertzuwachs, sondern auch durch hohe Nettomittelzuflüsse von rund 2,61 Mio. Euro. Das spricht für eine gute Marktakzeptanz. Größere Fondsvolumina sind meist vorteilhaft, weil sie die wirtschaftliche Stabilität eines Fonds verbessern. Andererseits können starke Zuflüsse auch bedeuten, dass ein Fonds gerade in einer Phase guter Vergangenheitsrenditen verstärkt gekauft wird – was nicht automatisch für künftige Überrenditen spricht.
Ein kritischer Punkt sind die Kosten. Die Gesamtkostenquote von 1,94 % p.a. ist für einen ETF-basierten Dachfonds relativ hoch. Zwar investiert der Fonds überwiegend in kostengünstige ETFs, auf Fondsebene fallen aber zusätzlich Verwaltungs- und Strukturkosten an. Für Anleger bedeutet das: Die Strategie muss dauerhaft einen echten Mehrwert durch Allokation und Themenauswahl liefern, damit diese Kosten gerechtfertigt sind. Bei reinen Standard-ETF-Lösungen wäre ein deutlich günstigeres Kostenniveau möglich.
Das Risikoprofil sollte nicht unterschätzt werden. Trotz vermögensverwaltender Verpackung ist der Fonds aufgrund seiner Vorgaben und Struktur aktienlastig und damit volatilitätsanfällig. Auch der Value-at-Risk von durchschnittlich 5,5 % auf 10-Tages-Sicht zeigt ein spürbares Marktrisiko, auch wenn es regulatorisch im Rahmen blieb. Hinzu kommt, dass der Fonds keinen klassischen Referenzindex nutzt, das Vergleichsvermögen für die Risikomessung aber 100 % MSCI World NR in EUR beträgt. Praktisch heißt das: Anleger sollten den Fonds eher mit globalen Aktienstrategien vergleichen als mit ausgewogenen Mischfonds.
Nachhaltig positioniert sich der Fonds in einer begrenzten, aber systematischen Form. Die EU-Taxonomie-Ziele werden nicht verfolgt, zugleich werden wesentliche nachteilige Nachhaltigkeitsauswirkungen laut Bericht berücksichtigt und besonders problematische Emittenten ausgeschlossen. Das ist kein starkes ESG-Produkt, aber auch kein Fonds ohne Nachhaltigkeitsfilter. Für klassische Renditeanleger ist das meist ausreichend; für strikt nachhaltigkeitsorientierte Anleger dürfte es eher nicht genügen.
Mein Fazit aus Anlegersicht: Der Sparkasse Kraichgau Wachstum Select hat 2025 gut geliefert und profitiert von einer offensiven, klar auf Zukunftsthemen und globale Aktienmärkte ausgerichteten Strategie. Die Goldbeimischung ist sinnvoll, die Mittelzuflüsse und die Performance sprechen für Vertrauen in das Produkt. Gleichzeitig ist der Fonds deutlich chancenorientiert, kostenmäßig nicht günstig und stärker von Marktstimmung, Themenrotationen und Währungsentwicklungen abhängig als der Name „Vermögensmanagement“ vielleicht zunächst vermuten lässt. Für Anleger, die langfristiges Wachstum suchen, Schwankungen aushalten und eine aktive ETF-Dachfondsstrategie bevorzugen, kann der Fonds interessant sein. Für sicherheitsorientierte Investoren oder kostenbewusste ETF-Anleger ist er eher nur mit Vorbehalt geeignet.