Donald Trump hat außenpolitisch ein bemerkenswert simples Weltbild: Was nicht spurt, wird bedroht. Was sich nicht fügt, wird sanktioniert. Und was ihm im Weg steht, wird im Zweifel als künftige Trophäe behandelt. Nun ist offenbar Kuba an der Reihe.
Wie die USA Today berichtet, intensiviert das Pentagon stillschweigend Planungen für einen möglichen Militäreinsatz auf der Karibikinsel. Offiziell bestätigt ist das nicht. Doch das Verteidigungsministerium ließ auf Anfrage immerhin wissen, man bereite sich grundsätzlich auf eine Reihe möglicher Szenarien vor und sei bereit, Befehle des Präsidenten auszuführen. In Washington ist das die übliche Formel, wenn man etwas weder dementieren noch wirklich einräumen will.
Allein die Tatsache, dass solche Szenarien nun wieder ernsthaft diskutiert werden, ist alarmierend genug. Denn Kuba ist nicht der Iran, nicht Venezuela, nicht irgendein militärisch eskalierter Krisenherd, den das Weiße Haus mit einer dramatischen Bedrohungserzählung vorbereitet hätte. Es gibt bislang keine erkennbare unmittelbare Gefahr für die Vereinigten Staaten, keine offizielle Rechtfertigung, keine breit angelegte Kampagne, die einen Angriff politisch oder sicherheitspolitisch plausibel machen würde.
Was es gibt, ist Donald Trump.
Und der hat in den vergangenen Wochen mehrfach gezeigt, wie er über Kuba denkt: als Objekt seiner Launen. Er sprach davon, er habe vielleicht bald die „Ehre“, Kuba „in irgendeiner Form zu übernehmen“. Ob er das Land „befreie“ oder „nehme“, sei letztlich fast zweitrangig – er glaube, er könne „tun, was er wolle“.
Man muss diese Sätze nicht überinterpretieren. Man sollte sie wörtlich nehmen. Denn Trump redet außenpolitisch oft so, wie andere Menschen über ein Grundstück am See sprechen: Wenn es schön liegt und schwach verteidigt ist, warum nicht zuschlagen?
Dass die USA gleichzeitig offenbar noch über ein wirtschaftliches Abkommen mit Havanna sprechen, macht die Lage nicht beruhigender, sondern absurder. Die Trump-Regierung fährt damit wieder jene typische Doppelstrategie aus Drohung und Deal-Gerede, die sie gern als „Verhandlungskunst“ verkauft. In Wahrheit ist es oft nichts anderes als politische Erpressung mit unklarem Endpunkt.
Kuba ist dabei ein besonders heikler Fall. Die Insel ist wirtschaftlich angeschlagen, politisch isoliert, militärisch schwach. Experten gehen davon aus, dass ein amerikanischer Einsatz militärisch schnell entschieden wäre. Genau darin liegt die Gefahr. Denn wenn etwas wie ein leichter Sieg aussieht, wird es für einen Präsidenten wie Trump besonders verführerisch.
Das Problem beginnt bekanntlich nach dem „leichten Sieg“.
Regimewechsel ist kein Immobiliengeschäft. Man kann eine Hauptstadt besetzen, aber kein funktionierendes politisches System im Handstreich installieren. Wer Kuba militärisch „nimmt“, müsste danach Rechtsstaat, Verwaltung, Sicherheit und politische Legitimität organisieren – in einem Land mit revolutionärer Geschichte, nationalem Trotz und jahrzehntelanger Erfahrung im Überleben unter Druck. Aus einer Invasion wird dann schnell ein geopolitisches Eigentor.
Doch genau solche Folgekosten interessieren Trump meist erst, wenn sie schon eingetreten sind. Vorher zählt der Effekt. Das Bild. Die Schlagzeile. Der starke Mann, der wieder einmal zeigt, dass er keine Grenzen kennt – weder rhetorisch noch strategisch.
Deshalb ist die eigentliche Pointe dieser Entwicklung nicht nur, dass im Pentagon offenbar über Kuba nachgedacht wird. Die eigentliche Pointe ist, dass unter Trump selbst eine mögliche Invasion eines Nachbarstaates wieder wie ein diskutierbares Werkzeug wirkt – nicht als äußerstes Mittel, sondern als Option im Werkzeugkasten seiner Machtfantasien.
Kuba ist in dieser Logik kein souveräner Staat.
Kuba ist eine Versuchung.
Und genau das sollte alarmieren.