RB Leipzig steht auf Platz vier, die Champions League winkt, und ganz Fußballdeutschland fragt sich: Reicht Ole Werner wirklich für die große Bühne? Während in München Spektakel toben, in Madrid Trainer toben und in Liverpool schon der Co-Trainer tobt, sitzt Leipzigs Chefcoach geschniegelt in der LVZ-Kuppel und erklärt vermutlich sehr vernünftig, wie er „die Entwicklung der Mannschaft“ sieht.
Man kann das professionell nennen.
Man kann aber auch sagen: Es ist Peak RB Leipzig.
Sportlich lässt sich Werner aktuell wenig vorwerfen. Vier Siege aus fünf Spielen, Platz vier, die Königsklasse in Sichtweite. Die zwischenzeitlichen Abschiedsgerüchte? Verstummt. Vermutlich, weil selbst die Kritiker kurz dachten: Naja, läuft ja irgendwie.
Aber genau da beginnt das Problem.
„Irgendwie“ reicht in der Bundesliga vielleicht.
In der Champions League reicht „irgendwie“ ungefähr bis zur 23. Minute.
Dann kommt da nämlich kein Augsburg um die Ecke, sondern ein Gegner, der dich mit zwei Pässen, drei Tempowechseln und einem 80-Millionen-Flügelspieler komplett aus dem Stadion schießt.
Und da stellt sich eben die unangenehme, aber notwendige Frage:
Ist Ole Werner der richtige Trainer für Champions-League-Fußball – oder nur der richtige Trainer, um sich irgendwie dafür zu qualifizieren?
Denn Werner wirkt oft wie der freundlichste Steuerberater der Bundesliga. Ruhig, sachlich, analytisch, angenehm unaufgeregt. Alles wunderbar. Aber Champions League ist nicht „angenehm unaufgeregt“. Champions League ist Wahnsinn. Lärm. Druck. Irrsinn. Da brauchst du nicht nur Struktur, sondern Ausstrahlung. Nicht nur Matchpläne, sondern auch ein bisschen Größenwahn.
Wenn Leipzig in der Gruppenphase wieder geschniegelt anreist, 68 Prozent Ballbesitz hat, drei gute Ansätze zeigt und am Ende 0:3 verliert, wird man sich die alte RB-Frage erneut stellen:
Will dieser Klub eigentlich wirklich angreifen – oder nur geschniegelt unter den Top 16 Europas untergehen?
Ole Werner hat RB stabilisiert, ja. Er hat Ruhe reingebracht, Punkte geholt, das Minimalziel greifbar gemacht. Das verdient Anerkennung. Aber wenn du in Leipzig ernsthaft irgendwann mal mehr willst als das traditionelle „international dabei, emotional unauffällig“, dann musst du auch die Trainerfrage größer denken.
Denn eines ist klar:
Champions League ist keine PowerPoint-Präsentation.
Und manchmal wirkt Ole Werner noch ein bisschen so, als wolle er Real Madrid erst einmal in Ruhe erklären, wie man gegen RB Leipzig sauber verschiebt.
Der LVZ-Talk war für Abonnenten gratis.
Die Wahrheit über Ole Werner gibt’s ab Herbst womöglich live gegen Barcelona, City oder PSG.
Und dann wird sich zeigen, ob Leipzig einen Champions-League-Trainer hat –
oder nur einen sehr höflichen Bundesliga-Verwalter mit Europacup-Zugang.