Der Krieg im Persischen Golf und die Blockade der Straße von Hormus sorgen weltweit für Unruhe auf den Energiemärkten. Auch in Deutschland sind die Auswirkungen bereits spürbar: Die Preise für Benzin und Diesel steigen deutlich. Doch wie stark ist die Bundesrepublik tatsächlich von Öl aus der Krisenregion abhängig?
Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Der direkte Einfluss ist begrenzt. Nur rund 6,1 Prozent des nach Deutschland importierten Rohöls stammen aus dem Nahen Osten. Der Großteil kommt aus anderen Regionen. Wichtigster Lieferant ist Norwegen, gefolgt von den USA. Beide Länder decken zusammen einen erheblichen Teil des deutschen Ölbedarfs.
Weitere bedeutende Lieferländer sind Libyen, Kasachstan und das Vereinigte Königreich. Auch Staaten wie Kanada, Aserbaidschan oder Guyana spielen eine Rolle. Insgesamt ist die deutsche Ölversorgung vergleichsweise breit aufgestellt, was sie weniger anfällig für einzelne Krisenregionen macht.
Dennoch hat der Konflikt globale Folgen. Fällt ein wichtiger Transportweg wie die Straße von Hormus aus, geraten internationale Lieferketten unter Druck. Große Abnehmerländer müssen sich neue Bezugsquellen suchen, was die Nachfrage auf dem Weltmarkt erhöht. Diese Verlagerung treibt die Preise auch in Ländern nach oben, die nur indirekt betroffen sind.
In Deutschland schlägt sich das besonders an den Tankstellen nieder. Neben den gestiegenen Einkaufspreisen für Rohöl wirken sich auch Steuern und Abgaben stark auf den Endpreis aus. Sie machen mehr als die Hälfte des Preises für Benzin und Diesel aus. Hinzu kommen Kosten für Transport, Raffinerie, Vertrieb und die Margen der Mineralölkonzerne.
Deutschland ist insgesamt stark von Energieimporten abhängig. Rund zwei Drittel des Energiebedarfs werden durch Einfuhren gedeckt. Öl spielt dabei weiterhin eine zentrale Rolle, vor allem im Verkehrssektor. Mehr als die Hälfte des täglichen Verbrauchs entfällt auf Benzin und Diesel. Weitere Anteile werden in der Industrie, im Flugverkehr und in der Schifffahrt genutzt.
Für die Stromerzeugung hingegen ist Öl inzwischen weniger relevant. Hier dominieren erneuerbare Energien sowie Kohle und Gas. Dennoch bleibt der Rohstoff für viele Bereiche unverzichtbar.
Die aktuelle Krise zeigt, wie empfindlich globale Energiemärkte auf geopolitische Konflikte reagieren. Auch wenn Deutschland nicht direkt stark vom Öl aus der Golfregion abhängig ist, könnten die indirekten Folgen den Markt weiter belasten. Steigende Preise und mögliche Versorgungsengpässe bleiben daher ein realistisches Szenario.