Der veröffentlichte Jahresabschluss der Windpark Ansbach Lichtenau GmbH & Co. KG für das Geschäftsjahr zeigt ein für viele Windpark-Projektgesellschaften typisches Bild: hohe Sachwerte durch die Anlagen, eine starke Fremdfinanzierung und weiterhin kein ausgewiesenes Eigenkapital. Für Anleger lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf Vermögenslage, Verschuldung und Liquidität.
Vermögenswerte sinken durch Abschreibungen
Zum Ende des Geschäftsjahres weist das Unternehmen eine Bilanzsumme von rund 8,28 Millionen Euro aus. Im Jahr zuvor lag sie noch bei 9,34 Millionen Euro. Der Rückgang erklärt sich vor allem durch die planmäßige Abschreibung der Windenergieanlagen.
Das Anlagevermögen – also hauptsächlich die Windkraftanlagen – beträgt rund 6,9 Millionen Euro, nach 7,76 Millionen Euro im Vorjahr. Die Anlagen werden über eine Nutzungsdauer von 16 Jahren linear abgeschrieben, was in der Windbranche üblich ist.
Auch das Umlaufvermögen hat sich deutlich reduziert. Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände belaufen sich auf rund 163.700 Euro, nachdem im Vorjahr noch etwa 249.100 Euro ausgewiesen wurden. Besonders deutlich ist der Rückgang bei den liquiden Mitteln: Die Bankguthaben liegen nur noch bei etwa 517.000 Euro, während sie im Jahr zuvor noch rund 859.000 Euro betrugen. Damit hat sich die Liquiditätsreserve um mehr als 340.000 Euro verringert.
Eigenkapital weiterhin vollständig aufgezehrt
Ein zentraler Punkt aus Anlegersicht ist die Eigenkapitalsituation. In der Bilanz wird weiterhin kein Eigenkapital ausgewiesen. Ursache ist ein nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil der Kommanditisten.
Dieser negative Kapitalanteil hat sich sogar erhöht. Er liegt nun bei rund 611.700 Euro, während er im Vorjahr noch etwa 389.400 Euro betrug. Damit hat sich der Fehlbetrag innerhalb eines Jahres um mehr als 220.000 Euro vergrößert.
Die Kommanditeinlage selbst ist vergleichsweise gering. Sie beträgt lediglich 5.000 Euro und ist vollständig eingezahlt. Den Einlagen stehen jedoch Verlustvorträge gegenüber, sodass das Eigenkapital bilanziell vollständig aufgezehrt ist.
Schulden dominieren weiterhin die Finanzierung
Die Finanzierung des Windparks erfolgt weiterhin überwiegend über Fremdkapital. Die gesamten Verbindlichkeiten belaufen sich auf 8,15 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr mit 9,04 Millionen Euro wurden die Schulden allerdings um rund 890.000 Euro reduziert.
Der größte Teil dieser Verbindlichkeiten ist langfristig angelegt. Rund 7,36 Millionen Euro haben eine Laufzeit von mehr als einem Jahr. Kurzfristige Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit bis zu einem Jahr betragen etwa 785.000 Euro.
Damit zeigt sich, dass die Kreditfinanzierung weiterhin den größten Teil der Kapitalstruktur ausmacht, auch wenn eine schrittweise Tilgung erfolgt.
Rückstellungen deutlich reduziert
Die Rückstellungen sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Sie betragen nun rund 132.600 Euro, nachdem im Jahr zuvor noch etwa 307.600 Euro ausgewiesen wurden.
Diese Rückstellungen betreffen vor allem Verpflichtungen für variable Pachtzahlungen, technische Betriebsführung sowie mögliche Rückbauverpflichtungen der Anlagen.
Absicherung gegen steigende Zinsen
Zur Absicherung der Kreditfinanzierung nutzt das Unternehmen verschiedene derivative Finanzinstrumente. Dazu zählen Zinsswaps, Zinscaps und sogenannte Zinscollars. Ziel dieser Instrumente ist es, das Risiko steigender Zinsen für die langfristigen Kredite zu begrenzen.
Das abgesicherte Kreditvolumen liegt bei rund 5,9 Millionen Euro. Der Marktwert dieser Absicherungsinstrumente lag zum Bilanzstichtag bei etwa minus 810 Euro und ist damit wirtschaftlich kaum relevant. Die Laufzeiten der Absicherungen reichen teilweise bis zum Jahr 2034.
Weitere laufende Verpflichtungen
Neben den bestehenden Krediten bestehen auch regelmäßige finanzielle Verpflichtungen aus Verträgen. Diese belaufen sich auf rund 319.000 Euro pro Jahr. Sie entstehen vor allem durch Pachtzahlungen, technische Betriebsführung sowie weitere Dienstleistungen rund um den Betrieb des Windparks.
Keine eigenen Mitarbeiter
Wie bei vielen Windpark-Betreibergesellschaften beschäftigt das Unternehmen keine eigenen Mitarbeiter. Betrieb, Wartung und Verwaltung werden über externe Dienstleister organisiert.
Die Geschäftsführung erfolgt über die Komplementärin, die BEE Beteiligungs GmbH. Deren Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer übernehmen auch die Leitung der Windparkgesellschaft.
Einordnung aus Anlegersicht
Der Jahresabschluss zeigt ein klassisches Projektfinanzierungsmodell: Die Anlagen bilden den Hauptwert der Gesellschaft, während der Betrieb überwiegend über langfristige Kredite finanziert ist.
Positiv ist, dass die Verbindlichkeiten planmäßig reduziert werden und eine Zinsabsicherung besteht. Gleichzeitig bleibt die Eigenkapitalbasis weiterhin vollständig aufgezehrt, während der negative Kapitalanteil der Gesellschafter weiter gestiegen ist. Auch die liquiden Mittel sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen.
Für Anleger bedeutet das, dass die wirtschaftliche Stabilität der Gesellschaft stark davon abhängt, dass die Windenergieanlagen zuverlässig Strom produzieren, die Erlöse stabil bleiben und die Kreditverpflichtungen weiterhin planmäßig zurückgeführt werden können. Eine erkennbare Stärkung der Eigenkapitalbasis zeigt der aktuelle Jahresabschluss bislang jedoch nicht.