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Defensive Deutschland-Aktienstrategie mit hoher Aktivität – solide Risikorahmen, aber Rendite- und Kostenfrage bleibt offen

geralt (CC0), Pixabay

1) Kurzfazit aus Anlegersicht

Der Werte & Sicherheit – Deutsche Aktien Plus ist ein aktiv gemanagter, überwiegend in deutsche Aktien investierender Fonds (mind. 51% deutsche Emittenten), der Marktschwankungen zeitweise über Absicherungen (u. a. Index-Futures) reduzieren will. Im Geschäftsjahr 01.11.2024–31.10.2025 hat diese Kombination jedoch keinen positiven Wertbeitrag geliefert: Die Anteilklassen lagen bei -2,85% (I) bzw. -4,09% (P) (BVI-Methode, Stichtag 31.10.2025).
Für Anleger ist das zentrale Thema: Zahlt sich die Absicherungs-/Trading-Intensität nach Kosten langfristig aus? Im Berichtsjahr eher nicht.

2) Rendite: negativ – und die Unterschiede zwischen I und P sind erklärbar

Performance (BVI):

I: -2,85%

P: -4,09%

Der Renditeabstand passt zur Kostenstruktur:

TER: 1,39% (I) vs. 2,77% (P)

zusätzlich bei P: Ausgabeaufschlag 5,00% (relevant beim Einstieg; im Bericht ausgewiesen)

Interpretation: Selbst wenn beide Anteilklassen ähnlich investieren, frisst die höhere laufende Kostenquote der P-Klasse in Seitwärts-/Schwächephasen spürbar Rendite weg. Für Privatanleger ist das ein klassischer „Performance-Handicap“.

3) Portfolio: breit, großteils Aktien, defensiver „Tilt“ erkennbar – aber nicht „nur DAX“

Vermögensstruktur (31.10.2025):

Aktien: 94,40%

Investmentanteile: 3,09%

Bankguthaben: 2,71%

Verbindlichkeiten: -0,21%
=> Insgesamt sehr „aktiennah“; Cashquote niedrig bis moderat.

Einzeltitelrisiko: max. 15% je Engagement laut Bericht – das ist ein sinnvoller Diversifikationsanker.

Auffällige Schwerpunkte (qualitativ):

Viele Industrie-/Zykliker (z. B. Bau/Engineering, Logistik, Autozulieferung) plus

ein klarer Block Rüstung/Sicherheit/Aerospace (mehrere Titel aus dem Segment sind enthalten)
Das kann in bestimmten Marktphasen gut funktionieren, erhöht aber die Abhängigkeit von politischen Zyklen/Auftragseffekten.

Kein festes Benchmark-Tracking: Der Fonds „orientiert sich nicht an einem Vergleichsmaßstab“, nutzt aber öffentlich verfügbare Informationen „insbesondere … über … den deutschen Leitindex“ (DAX). Für Anleger heißt das:

Sie dürfen deutliche Abweichungen zu DAX/MDAX erwarten – positiv wie negativ.

Die Beurteilung muss stärker über Prozess/Disziplin/Kosten erfolgen, nicht nur über „Indexnähe“.

4) Absicherung/Derivate: Risiko soll sinken, aber Absicherung hat im Jahr Geld gekostet

Der Bericht nennt:

Realisierte Gewinne v. a. aus Aktienverkäufen

Realisierte Verluste vornehmlich durch Veräußerungen von Indexfutures
=> Typisches Muster einer Absicherungsstrategie: Wenn Märkte nicht so fallen (oder schnell drehen), kann Hedge-P&L negativ sein.

Risikomessung (DerivateV, qualifizierter Ansatz, Vergleichsvermögen 100% DAX):

potenzieller Risikobetrag (VaR-artig): min 0,30% / max 3,49% / Ø 2,18%

Risikomodell: Full-Monte-Carlo, 99% Konfidenz, 1 Tag Haltedauer

durchschnittlicher Leverage durch Derivate: 1,27
=> Das wirkt kontrolliert, nicht „hebel-lastig“. Aber: kontrolliertes Risiko heißt nicht automatisch gute Rendite – es kann auch „kontrolliert teuer“ sein, wenn Hedges über längere Zeit negativ beitragen.

5) Kosten & Trading: sehr hohe Aktivität – wichtigster Prüfpunkt für Anleger

Ein besonders relevanter Punkt ist die Handelsintensität:

Transaktionsvolumen gesamt: 94.195.613,99 EUR

davon mit verbundenen Unternehmen: 100%

Transaktionskosten: 24.427,77 EUR (ohne laufende Kosten; ausgewiesen als Nebenkosten Erwerb/Veräußerung)

Für Anleger heißt das:

Der Fonds ist sehr aktiv (Trading + ggf. Absicherungsanpassungen).

Hohe Aktivität ist nur dann sinnvoll, wenn sie nach Kosten dauerhaft Mehrwert schafft.

Dass 100% des Volumens mit „verbundenen Unternehmen“ läuft, ist nicht automatisch schlecht (z. B. konzerninterne Abwicklung/Plattform), aber als Investor würde man hier besonders auf Best Execution / Interessenkonflikte / Transparenz achten.

6) Ausschüttung: vorhanden, aber nicht „aus laufendem Ertrag allein“

Beide Anteilklassen sind ausschüttend. Die „Verwendung der Erträge“ zeigt:

Ausschüttungen wurden geleistet (I: 1,80 EUR je Anteil, P: 1,75 EUR je Anteil).

Gleichzeitig steht explizit, dass eine „Zuführung aus dem Sondervermögen“ u. a. durch berücksichtigte realisierte Verluste entsteht.
=> Für Anleger ist das wichtig: Eine Ausschüttung ist nicht automatisch ein Zeichen operativer Stärke; sie kann teils auch aus Substanz/Verrechnungsmechaniken kommen. Entscheidend bleibt die Gesamtrendite (Kurs + Ausschüttung).

7) Fondsgröße & Anlegerverhalten: I wächst stark, P schrumpft

Entwicklung Sondervermögen:

I-Klasse: von 9,65 Mio. EUR auf 11,40 Mio. EUR (netto Mittelzufluss ~2,00 Mio. EUR)

P-Klasse: von 105.496 EUR auf 94.712 EUR (netto Mittelabfluss ~-6.267 EUR)

Interpretation:

Institutionelle/tranchierte Anleger (I: Mindestanlage 10.000 EUR) scheinen mehr zuzufließen.

Die teurere P-Klasse verliert Volumen – plausibel.

8) ESG/Nachhaltigkeit: Artikel-6-Produkt (keine Nachhaltigkeitsintegration im Prozess)

Der Bericht sagt ausdrücklich, dass Nachhaltigkeitsrisiken im Berichtszeitraum nicht berücksichtigt wurden und die Investitionen nicht EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Aktivitäten erfüllen; Einstufung nach Artikel 6 SFDR.
=> Für Anleger mit ESG-Vorgaben ist das ein K.-o.-Kriterium oder erfordert mindestens Abgleich mit eigenen Richtlinien.

9) Für wen passt der Fonds – und welche Fragen sollten Sie vor einem Investment klären?

Potentiell passend für Anleger, die:

gezielt ein deutschlandlastiges Aktienportfolio wollen,

einen quantitativen, regelbasierten Ansatz mit zeitweiser Absicherung schätzen,

bereit sind, Tracking Error gegenüber DAX zu akzeptieren.

Weniger passend, wenn:

Sie „einfach den Markt“ wollen (dann ist ein günstiger DAX-/Deutschland-ETF meist naheliegender),

Sie kostensensibel sind (besonders bei der P-Klasse: hohe TER + Ausgabeaufschlag),

Sie ESG-Kriterien benötigen.

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