1) Kurzfazit aus Anlegersicht
Der Werte & Sicherheit – Deutsche Aktien Plus ist ein aktiv gemanagter, überwiegend in deutsche Aktien investierender Fonds (mind. 51% deutsche Emittenten), der Marktschwankungen zeitweise über Absicherungen (u. a. Index-Futures) reduzieren will. Im Geschäftsjahr 01.11.2024–31.10.2025 hat diese Kombination jedoch keinen positiven Wertbeitrag geliefert: Die Anteilklassen lagen bei -2,85% (I) bzw. -4,09% (P) (BVI-Methode, Stichtag 31.10.2025).
Für Anleger ist das zentrale Thema: Zahlt sich die Absicherungs-/Trading-Intensität nach Kosten langfristig aus? Im Berichtsjahr eher nicht.
2) Rendite: negativ – und die Unterschiede zwischen I und P sind erklärbar
Performance (BVI):
I: -2,85%
P: -4,09%
Der Renditeabstand passt zur Kostenstruktur:
TER: 1,39% (I) vs. 2,77% (P)
zusätzlich bei P: Ausgabeaufschlag 5,00% (relevant beim Einstieg; im Bericht ausgewiesen)
Interpretation: Selbst wenn beide Anteilklassen ähnlich investieren, frisst die höhere laufende Kostenquote der P-Klasse in Seitwärts-/Schwächephasen spürbar Rendite weg. Für Privatanleger ist das ein klassischer „Performance-Handicap“.
3) Portfolio: breit, großteils Aktien, defensiver „Tilt“ erkennbar – aber nicht „nur DAX“
Vermögensstruktur (31.10.2025):
Aktien: 94,40%
Investmentanteile: 3,09%
Bankguthaben: 2,71%
Verbindlichkeiten: -0,21%
=> Insgesamt sehr „aktiennah“; Cashquote niedrig bis moderat.
Einzeltitelrisiko: max. 15% je Engagement laut Bericht – das ist ein sinnvoller Diversifikationsanker.
Auffällige Schwerpunkte (qualitativ):
Viele Industrie-/Zykliker (z. B. Bau/Engineering, Logistik, Autozulieferung) plus
ein klarer Block Rüstung/Sicherheit/Aerospace (mehrere Titel aus dem Segment sind enthalten)
Das kann in bestimmten Marktphasen gut funktionieren, erhöht aber die Abhängigkeit von politischen Zyklen/Auftragseffekten.
Kein festes Benchmark-Tracking: Der Fonds „orientiert sich nicht an einem Vergleichsmaßstab“, nutzt aber öffentlich verfügbare Informationen „insbesondere … über … den deutschen Leitindex“ (DAX). Für Anleger heißt das:
Sie dürfen deutliche Abweichungen zu DAX/MDAX erwarten – positiv wie negativ.
Die Beurteilung muss stärker über Prozess/Disziplin/Kosten erfolgen, nicht nur über „Indexnähe“.
4) Absicherung/Derivate: Risiko soll sinken, aber Absicherung hat im Jahr Geld gekostet
Der Bericht nennt:
Realisierte Gewinne v. a. aus Aktienverkäufen
Realisierte Verluste vornehmlich durch Veräußerungen von Indexfutures
=> Typisches Muster einer Absicherungsstrategie: Wenn Märkte nicht so fallen (oder schnell drehen), kann Hedge-P&L negativ sein.
Risikomessung (DerivateV, qualifizierter Ansatz, Vergleichsvermögen 100% DAX):
potenzieller Risikobetrag (VaR-artig): min 0,30% / max 3,49% / Ø 2,18%
Risikomodell: Full-Monte-Carlo, 99% Konfidenz, 1 Tag Haltedauer
durchschnittlicher Leverage durch Derivate: 1,27
=> Das wirkt kontrolliert, nicht „hebel-lastig“. Aber: kontrolliertes Risiko heißt nicht automatisch gute Rendite – es kann auch „kontrolliert teuer“ sein, wenn Hedges über längere Zeit negativ beitragen.
5) Kosten & Trading: sehr hohe Aktivität – wichtigster Prüfpunkt für Anleger
Ein besonders relevanter Punkt ist die Handelsintensität:
Transaktionsvolumen gesamt: 94.195.613,99 EUR
davon mit verbundenen Unternehmen: 100%
Transaktionskosten: 24.427,77 EUR (ohne laufende Kosten; ausgewiesen als Nebenkosten Erwerb/Veräußerung)
Für Anleger heißt das:
Der Fonds ist sehr aktiv (Trading + ggf. Absicherungsanpassungen).
Hohe Aktivität ist nur dann sinnvoll, wenn sie nach Kosten dauerhaft Mehrwert schafft.
Dass 100% des Volumens mit „verbundenen Unternehmen“ läuft, ist nicht automatisch schlecht (z. B. konzerninterne Abwicklung/Plattform), aber als Investor würde man hier besonders auf Best Execution / Interessenkonflikte / Transparenz achten.
6) Ausschüttung: vorhanden, aber nicht „aus laufendem Ertrag allein“
Beide Anteilklassen sind ausschüttend. Die „Verwendung der Erträge“ zeigt:
Ausschüttungen wurden geleistet (I: 1,80 EUR je Anteil, P: 1,75 EUR je Anteil).
Gleichzeitig steht explizit, dass eine „Zuführung aus dem Sondervermögen“ u. a. durch berücksichtigte realisierte Verluste entsteht.
=> Für Anleger ist das wichtig: Eine Ausschüttung ist nicht automatisch ein Zeichen operativer Stärke; sie kann teils auch aus Substanz/Verrechnungsmechaniken kommen. Entscheidend bleibt die Gesamtrendite (Kurs + Ausschüttung).
7) Fondsgröße & Anlegerverhalten: I wächst stark, P schrumpft
Entwicklung Sondervermögen:
I-Klasse: von 9,65 Mio. EUR auf 11,40 Mio. EUR (netto Mittelzufluss ~2,00 Mio. EUR)
P-Klasse: von 105.496 EUR auf 94.712 EUR (netto Mittelabfluss ~-6.267 EUR)
Interpretation:
Institutionelle/tranchierte Anleger (I: Mindestanlage 10.000 EUR) scheinen mehr zuzufließen.
Die teurere P-Klasse verliert Volumen – plausibel.
8) ESG/Nachhaltigkeit: Artikel-6-Produkt (keine Nachhaltigkeitsintegration im Prozess)
Der Bericht sagt ausdrücklich, dass Nachhaltigkeitsrisiken im Berichtszeitraum nicht berücksichtigt wurden und die Investitionen nicht EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Aktivitäten erfüllen; Einstufung nach Artikel 6 SFDR.
=> Für Anleger mit ESG-Vorgaben ist das ein K.-o.-Kriterium oder erfordert mindestens Abgleich mit eigenen Richtlinien.
9) Für wen passt der Fonds – und welche Fragen sollten Sie vor einem Investment klären?
Potentiell passend für Anleger, die:
gezielt ein deutschlandlastiges Aktienportfolio wollen,
einen quantitativen, regelbasierten Ansatz mit zeitweiser Absicherung schätzen,
bereit sind, Tracking Error gegenüber DAX zu akzeptieren.
Weniger passend, wenn:
Sie „einfach den Markt“ wollen (dann ist ein günstiger DAX-/Deutschland-ETF meist naheliegender),
Sie kostensensibel sind (besonders bei der P-Klasse: hohe TER + Ausgabeaufschlag),
Sie ESG-Kriterien benötigen.