1) Investment-Case aus Anlegersicht (Was kaufe ich hier?)
Der NB Real Asset Securities verfolgt einen benchmarkunabhängigen Ansatz mit einem klaren Real-Asset-Fokus: Rohstoffe (über Rohstoffaktien und teils ETCs), REITs (Immobilienaktien), etwas Infrastruktur sowie Edelmetalle – im Berichtsjahr praktisch ausschließlich Gold-ETCs als „Stabilisator“. Der Prozess wird als quantitativ und gleichgewichtet beschrieben, mit Clustern/Untergruppen und regelmäßigem Rebalancing.
Anlegerlogik: Das Produkt ist weniger „klassischer Aktienfonds“, sondern ein Baustein, der (a) von Rohstoff-/Real-Asset-Zyklen profitieren und (b) in inflationären bzw. realzinsgetriebenen Phasen diversifizieren soll – allerdings mit den üblichen Aktienmarktrisiken, weil der Großteil über Aktienexposure kommt.
2) Performance: ordentlich – aber stark von der Anteilklasse abhängig
Für das Geschäftsjahr 01.11.2024–31.10.2025 wird eine positive Wertentwicklung ausgewiesen (BVI-Methode):
VT: +9,43%
R: +7,73%
VA: +9,39%
Die Streuung ist aus Investorensicht nicht durch unterschiedliche Portfolios erklärbar, sondern primär durch Kosten- und Ausschüttungsmechanik:
R ist die teure Retail-/Vertriebs-Tranche: TER 1,82% und Verwaltungsvergütung 1,75% p.a. → spürbarer Renditeabzug.
VT und VA sind sehr günstig: TER 0,26% bzw. 0,27% (Verwaltungsvergütung 0,19% p.a.).
Praktische Konsequenz: Wenn Sie Zugang haben, sind VT/VA aus Renditesicht klar überlegen. Bei R muss die „Vertriebs-/Service-Logik“ den deutlichen Kostennachteil rechtfertigen – rein performanceorientiert ist das schwer.
3) Portfolioaufbau: echte Real-Asset-Diversifikation – mit klaren Schwerpunkten
Zum 31.10.2025 besteht das Fondsvermögen (rund 77,46 Mio. EUR) im Wesentlichen aus:
Aktien: 77,66%
Zertifikate: 20,45% (hier faktisch Gold-ETCs)
Bankguthaben: 1,87%
Gold-Anteil: Die drei Gold-ETCs liegen jeweils bei ~6,75–6,85% und summieren sich auf ~20,4% – das ist ein substanzieller Portfolioanker.
Aktienmix: Viele Positionen sind Rohstoff- und Energiewerte (z. B. große Minen-/Öl-/Gasnamen), dazu REITs/Immobilien-nahe Titel und Infrastruktur/Versorger/Netzbetreiber. Die Einzelpositionsgewichte sind meist um ~0,5–1,4% – das spricht für eine breite Streuung ohne extreme Klumpen auf Einzeltitelebene.
Was daraus folgt:
Der Fonds ist keine „reine Rohstoffpreis-Wette“, weil Rohstoffe überwiegend über Aktien abgebildet werden (mit Unternehmens-/Aktienmarktfaktoren).
Gold ist dagegen bewusst preisnah (ETCs statt Minenaktien) und erfüllt damit stärker eine Diversifikations-/Stabilisierungsrolle.
4) Risiko/Volatilität: moderat – aber zyklisch und währungsgetrieben
Die ausgewiesene Volatilität liegt bei ca. 11,3% (alle Anteilklassen praktisch identisch). Das ist aus Multi-Asset-Sicht moderat, aber das Risikoprofil ist zyklisch:
Rohstoff- und Energiewerte reagieren stark auf Konjunktur, Geopolitik und (Real-)Zinsen.
REITs sind zins- und kreditspreadsensibel.
Gold kann stabilisieren, ist aber ebenfalls zinssensitiv (Realrenditen).
Währungsrisiko: Ein erheblicher Teil der Aktien ist in USD, GBP, AUD, CAD, JPY, NOK, SGD, CHF notiert. Es gibt im Bericht keinen Hinweis auf systematisches Währungshedging. Damit trägt der Anleger neben Asset-Risiken auch FX-Risiko (positiv wie negativ).
5) Ertragsqualität & Ergebnisquellen
Für VT zeigt die Ertrags-/Aufwandsrechnung:
Ordentlicher Nettoertrag: ~1,32 Mio. EUR (Dividenden dominieren)
Realisierte Gewinne/Verluste: netto ~1,87 Mio. EUR
Nicht realisiertes Ergebnis: ~2,82 Mio. EUR
Ergebnis des Geschäftsjahres: ~6,01 Mio. EUR
Interpretation: Ein großer Teil der Jahresleistung kommt aus Marktbewegungen (auch unrealisierte Gewinne), nicht nur aus laufenden Ausschüttungen/Carry. Das ist bei Real-Asset-Aktien normal.
6) Ausschüttungen & Anteilklassenlogik (wichtig für „was bekomme ich wirklich“)
VT ist thesaurierend; die ausgewiesenen Erträge werden wiederangelegt.
R und VA sind ausschüttend (VA zusätzlich mit Zwischenausschüttung).
Auffällig ist, dass bei R/VA die Ausschüttungsrechnung eine „Zuführung aus dem Sondervermögen“ ausweist (technischer Mechanismus zur Ausschüttungsfähigkeit unter Einbezug realisierter Verluste). Für Anleger heißt das: Ausschüttungen sind nicht automatisch „nur laufender Ertrag“, sondern können in der Wirkung auch Substanz-/Realisierungseffekte enthalten.
7) Kosten, Turnover & potenzielle Interessenkonflikte
Kosten: Der größte Hebel ist die Anteilklasse (siehe oben).
Transaktionsverhalten: Transaktionsvolumen gesamt ~65,33 Mio. EUR, Transaktionskosten ~56,7 Tsd. EUR. Das deutet auf aktives Rebalancing hin (für den Ansatz plausibel).
Wichtiger Governance-Punkt: Laut Bericht erfolgte das Transaktionsvolumen zu 100% mit verbundenen Unternehmen. Das ist nicht automatisch „schlecht“, aber aus Investorensicht ein klarer Punkt für die Due Diligence:
Wie wird Best Execution sichergestellt?
Welche verbundenen Einheiten sind konkret involviert?
Gibt es unabhängige Kontrollen/Reporting zur Ausführungsqualität?
Hier wäre ergänzende Transparenz (bspw. im Verkaufsprospekt, in Best-Execution-Reports oder im Kosten-/Zuwendungsreporting) entscheidend.
8) Nachhaltigkeit/Regulatorik: Artikel-6-Produkt (keine ESG-Integration)
Der Bericht sagt explizit: Nachhaltigkeitsrisiken wurden nicht berücksichtigt, und das Produkt fällt unter Artikel 6 (SFDR). Für ESG-orientierte Anleger ist das ein Ausschluss-/Mismatch-Kriterium; für andere ist es schlicht eine klare Einordnung ohne „grüne“ Versprechen.
9) Gesamtfazit (für wen sinnvoll – und worauf achten?)
Stärken
Klarer, diversifizierter Real-Asset-Ansatz mit Gold als Stabilisator.
Breite Einzeltitelstreuung und nachvollziehbare Bausteinlogik (Rohstoffe/REITs/Infrastruktur/Gold).
In günstigen Anteilklassen (VT/VA) sehr wettbewerbsfähige laufende Kosten.
Schwächen/Risiken
Hohe Abhängigkeit von Rohstoff- und Zinszyklen; REIT- und Energie-/Mining-Beta kann in Stressphasen stark ausschlagen.
FX-Risiko wahrscheinlich ungesichert.
Sehr deutlicher Kostennachteil der R-Tranche (Renditebremse).
100% Transaktionsvolumen mit verbundenen Unternehmen: Governance-/Konfliktpunkt, der zusätzliche Prüfung verdient.
Anleger-Einordnung
Als Satellitenbaustein für erfahrene Anleger, die gezielt Real-Assets beimischen wollen (Zeithorizont eher >5 Jahre, wie im Bericht auch angedeutet), wirkt der Fonds konzeptionell stimmig.
Wenn Sie zwischen Anteilklassen wählen können, ist die Kostenqualität der entscheidende Renditetreiber: VT/VA sind aus Anlegersicht klar attraktiver als R.