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S&H Substanzwerte: Starkes Renditejahr – aber mit klaren „Risk-on“-Merkmalen und (in P) hohen Erfolgsgebühren

geralt (CC0), Pixabay

1) Investment-These aus Anlegersicht: Was ist das „Produkt“?

Der Fonds beschreibt sich als internationaler, aktiv gemanagter Multi-Asset-Fonds mit dem Ziel „angemessener Wertzuwachs bei möglichst geringen Kursschwankungen“. In der tatsächlich gezeigten Allokation dominiert jedoch Aktienrisiko (rund 68% Aktien) plus Edelmetall-/Rohstoff-Exposure über Zertifikate (rund 17,5%) – ergänzt um Anleihen (knapp 9–10%) und Fondsanteile (ca. 5%). Das ist faktisch ein wachstums-/zyklisch geprägter Mischfonds mit deutlicher Rohstoff-/Metallkomponente und hohem Fremdwährungsanteil.

Implikation: „Geringe Kursschwankungen“ ist im gelebten Portfolio eher ambitioniert – das Risikoprofil wirkt eher wie ein dynamischer Mischfonds.

2) Performance & Risiko: beeindruckend, aber nicht „low volatility“

Wertentwicklung:

Anteilklasse P (a): +30,66%

Anteilklasse I (a): +35,12%

Volatilität (Jahresvola):

P (a): 14,82%, I (a): 14,84%

Einordnung: ~15% Volatilität ist für „defensiv“ bzw. „geringe Schwankungen“ relativ hoch. Die Rendite passt zu einem Jahr, in dem Aktien und Edelmetalle stark liefen – der Fonds hat davon sichtbar profitiert.

3) Treiber im Portfolio: deutliche Themenschwerpunkte

a) Rohstoffe/Edelmetalle als Rendite- und Risikotreiber
Mit ~17,5% Zertifikaten (u.a. Gold, Silber, Kupfer, Platin, Palladium, Nickel) ist das ein großer Block. In einem Umfeld mit steigenden Edelmetall-/Metallpreisen kann das stark helfen – in Gegenphasen kann es aber ebenso stark bremsen.

b) Aktien: international, aber auffällige Klumpen nach Themen
Die Einzeltitel-Liste zeigt (ohne vollständige Sektor-Auswertung) eine erkennbare Neigung zu:

Mining/Precious Metals & Uran (mehrere kanadische Minenwerte, Uran-Exposure)

Krypto-nahe Aktien (z. B. Mining-/Blockchain-bezogene Titel)

Industrie/Infra/Materials (u.a. Baustoff-/Industriewerte)

teils auch Defense/Tech-Nischen

Das kann Alpha liefern – ist aber nicht „indexnah“ und kann zeitweise stark vom Gesamtmarkt abweichen (gewollt).

c) Anleihen: eher Beimischung als Stabilitätsanker
Die verzinslichen Wertpapiere sind im Vergleich zum Aktien-/Rohstoffblock klein. Zudem sind Teile davon Fremdwährungsanleihen (z. B. MXN, SGD, JPY, CHF, USD), was den Diversifikationseffekt durch zusätzliche FX-Schwankungen verwässern kann.

4) Währungsrisiko: groß und bewusst

Der Bericht nennt einen Fremdwährungsanteil von knapp unter 80%. Das ist für Euro-Anleger wesentlich: Ein Teil der Rendite/Risiken ist EUR vs. USD/CAD/HKD/JPY/MXN/GBP/CHF/SGD usw.

Praktische Folge:

In Jahren mit EUR-Schwäche kann das stützen.

Bei EUR-Stärke kann es Rendite kosten – auch wenn die lokalen Märkte gut laufen.

5) Kosten: der entscheidende Unterschied zwischen P und I

Laufende Kosten (TER, ohne Transaktionskosten und ohne Performance Fee):

P (a): 1,49%

I (a): 0,73%

Performance Fee nur in P (a):

In der GuV der P-Klasse fällt eine Performance Fee von 1.525.421,91 EUR an.

Zusätzlich wird ausgewiesen: Anteil erfolgsabhängiger Vergütung am durchschnittlichen Fondsvermögen: 3,00% (P), 0% (I).

Was das für Anleger heißt:

In P (a) kann die effektive Kostenlast in sehr guten Jahren deutlich höher liegen als die TER (weil die Performance Fee obendrauf kommt). Der ordentliche Nettoertrag ist in P trotz Erträgen negativ, maßgeblich wegen Gebühren.

I (a) ist strukturell günstiger (keine Performance Fee), aber hat Mindestanlage 1.000.000 EUR.

Wenn Sie also als Privatanleger typischerweise in P (a) investieren, ist genau dieser Mechanismus ein zentraler Punkt: Sie bekommen aktive Steuerung – zahlen aber in starken Jahren spürbar dafür.

6) Ausschüttung: vorhanden, aber nicht der Haupt-Return

P (a): 2,50 EUR je Anteil bei Anteilwert 179,66 EUR → grob ~1,4% Ausschüttungsrendite (bezogen auf NAV zum Stichtag).

I (a): 7,00 EUR je Anteil bei Anteilwert 156,79 EUR → grob ~4,5%.

Das zeigt: Der Return kommt hier primär aus Kursentwicklung, nicht aus laufender Ausschüttung.

7) Liquidität, Derivate, Risikomessung

Derivate-Exposure: 0 (laut Bericht); Leverage nach Bruttomethode ~99% (in der Praxis oft „normal“ bei Fondsberechnung, aber erwähnenswert).

Risikomessung über VaR (qualifizierter Ansatz): durchschnittlicher potenzieller Risikobetrag 6,73% (10 Tage, 99% Konfidenz).

Liquidität wird als unkritisch beschrieben; Aktien sind überwiegend Standardwerte, mit etwas Small/Mid-Cap-Beimischung.

8) Nachhaltigkeit/ESG: eher „Basis-Filter“ als ESG-Fonds

Ausschluss kontroverser Waffen, Berücksichtigung UN Global Compact; keine EU-Taxonomie-Ausrichtung, PAI ist nicht Bestandteil der Anlagestrategie.
Fazit: Für Anleger mit strengen ESG-Vorgaben vermutlich nicht passend; für „klassische“ Anleger ist es ein „ESG-Risiko-Filter“, kein Nachhaltigkeitsfonds.

Anleger-Fazit: Für wen passt das – und welche Fragen sollte man sich stellen?

Passt eher, wenn Sie…

einen aktiv gemanagten, benchmarkfreien Ansatz suchen,

Rohstoff-/Edelmetall- und Fremdwährungsrisiken bewusst eingehen wollen,

mit spürbaren Schwankungen leben können (Vola ~15%).

Vorsicht bzw. kritisch prüfen, wenn Sie…

tatsächlich „möglichst geringe Kursschwankungen“ erwarten,

Gebühren stark optimieren wollen (insbesondere wegen Performance Fee in P),

ein streng nachhaltiges Produkt suchen.

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