1) Investment-These aus Anlegersicht: Was ist das „Produkt“?
Der Fonds beschreibt sich als internationaler, aktiv gemanagter Multi-Asset-Fonds mit dem Ziel „angemessener Wertzuwachs bei möglichst geringen Kursschwankungen“. In der tatsächlich gezeigten Allokation dominiert jedoch Aktienrisiko (rund 68% Aktien) plus Edelmetall-/Rohstoff-Exposure über Zertifikate (rund 17,5%) – ergänzt um Anleihen (knapp 9–10%) und Fondsanteile (ca. 5%). Das ist faktisch ein wachstums-/zyklisch geprägter Mischfonds mit deutlicher Rohstoff-/Metallkomponente und hohem Fremdwährungsanteil.
Implikation: „Geringe Kursschwankungen“ ist im gelebten Portfolio eher ambitioniert – das Risikoprofil wirkt eher wie ein dynamischer Mischfonds.
2) Performance & Risiko: beeindruckend, aber nicht „low volatility“
Wertentwicklung:
Anteilklasse P (a): +30,66%
Anteilklasse I (a): +35,12%
Volatilität (Jahresvola):
P (a): 14,82%, I (a): 14,84%
Einordnung: ~15% Volatilität ist für „defensiv“ bzw. „geringe Schwankungen“ relativ hoch. Die Rendite passt zu einem Jahr, in dem Aktien und Edelmetalle stark liefen – der Fonds hat davon sichtbar profitiert.
3) Treiber im Portfolio: deutliche Themenschwerpunkte
a) Rohstoffe/Edelmetalle als Rendite- und Risikotreiber
Mit ~17,5% Zertifikaten (u.a. Gold, Silber, Kupfer, Platin, Palladium, Nickel) ist das ein großer Block. In einem Umfeld mit steigenden Edelmetall-/Metallpreisen kann das stark helfen – in Gegenphasen kann es aber ebenso stark bremsen.
b) Aktien: international, aber auffällige Klumpen nach Themen
Die Einzeltitel-Liste zeigt (ohne vollständige Sektor-Auswertung) eine erkennbare Neigung zu:
Mining/Precious Metals & Uran (mehrere kanadische Minenwerte, Uran-Exposure)
Krypto-nahe Aktien (z. B. Mining-/Blockchain-bezogene Titel)
Industrie/Infra/Materials (u.a. Baustoff-/Industriewerte)
teils auch Defense/Tech-Nischen
Das kann Alpha liefern – ist aber nicht „indexnah“ und kann zeitweise stark vom Gesamtmarkt abweichen (gewollt).
c) Anleihen: eher Beimischung als Stabilitätsanker
Die verzinslichen Wertpapiere sind im Vergleich zum Aktien-/Rohstoffblock klein. Zudem sind Teile davon Fremdwährungsanleihen (z. B. MXN, SGD, JPY, CHF, USD), was den Diversifikationseffekt durch zusätzliche FX-Schwankungen verwässern kann.
4) Währungsrisiko: groß und bewusst
Der Bericht nennt einen Fremdwährungsanteil von knapp unter 80%. Das ist für Euro-Anleger wesentlich: Ein Teil der Rendite/Risiken ist EUR vs. USD/CAD/HKD/JPY/MXN/GBP/CHF/SGD usw.
Praktische Folge:
In Jahren mit EUR-Schwäche kann das stützen.
Bei EUR-Stärke kann es Rendite kosten – auch wenn die lokalen Märkte gut laufen.
5) Kosten: der entscheidende Unterschied zwischen P und I
Laufende Kosten (TER, ohne Transaktionskosten und ohne Performance Fee):
P (a): 1,49%
I (a): 0,73%
Performance Fee nur in P (a):
In der GuV der P-Klasse fällt eine Performance Fee von 1.525.421,91 EUR an.
Zusätzlich wird ausgewiesen: Anteil erfolgsabhängiger Vergütung am durchschnittlichen Fondsvermögen: 3,00% (P), 0% (I).
Was das für Anleger heißt:
In P (a) kann die effektive Kostenlast in sehr guten Jahren deutlich höher liegen als die TER (weil die Performance Fee obendrauf kommt). Der ordentliche Nettoertrag ist in P trotz Erträgen negativ, maßgeblich wegen Gebühren.
I (a) ist strukturell günstiger (keine Performance Fee), aber hat Mindestanlage 1.000.000 EUR.
Wenn Sie also als Privatanleger typischerweise in P (a) investieren, ist genau dieser Mechanismus ein zentraler Punkt: Sie bekommen aktive Steuerung – zahlen aber in starken Jahren spürbar dafür.
6) Ausschüttung: vorhanden, aber nicht der Haupt-Return
P (a): 2,50 EUR je Anteil bei Anteilwert 179,66 EUR → grob ~1,4% Ausschüttungsrendite (bezogen auf NAV zum Stichtag).
I (a): 7,00 EUR je Anteil bei Anteilwert 156,79 EUR → grob ~4,5%.
Das zeigt: Der Return kommt hier primär aus Kursentwicklung, nicht aus laufender Ausschüttung.
7) Liquidität, Derivate, Risikomessung
Derivate-Exposure: 0 (laut Bericht); Leverage nach Bruttomethode ~99% (in der Praxis oft „normal“ bei Fondsberechnung, aber erwähnenswert).
Risikomessung über VaR (qualifizierter Ansatz): durchschnittlicher potenzieller Risikobetrag 6,73% (10 Tage, 99% Konfidenz).
Liquidität wird als unkritisch beschrieben; Aktien sind überwiegend Standardwerte, mit etwas Small/Mid-Cap-Beimischung.
8) Nachhaltigkeit/ESG: eher „Basis-Filter“ als ESG-Fonds
Ausschluss kontroverser Waffen, Berücksichtigung UN Global Compact; keine EU-Taxonomie-Ausrichtung, PAI ist nicht Bestandteil der Anlagestrategie.
Fazit: Für Anleger mit strengen ESG-Vorgaben vermutlich nicht passend; für „klassische“ Anleger ist es ein „ESG-Risiko-Filter“, kein Nachhaltigkeitsfonds.
Anleger-Fazit: Für wen passt das – und welche Fragen sollte man sich stellen?
Passt eher, wenn Sie…
einen aktiv gemanagten, benchmarkfreien Ansatz suchen,
Rohstoff-/Edelmetall- und Fremdwährungsrisiken bewusst eingehen wollen,
mit spürbaren Schwankungen leben können (Vola ~15%).
Vorsicht bzw. kritisch prüfen, wenn Sie…
tatsächlich „möglichst geringe Kursschwankungen“ erwarten,
Gebühren stark optimieren wollen (insbesondere wegen Performance Fee in P),
ein streng nachhaltiges Produkt suchen.