1) Kurzfazit aus Anlegersicht
Der Fonds verfolgt ein wachstumsorientiertes Infrastruktur-Konzept in Asien-Pazifik (klassische Infrastruktur plus „Infrastruktur-Wegbereiter“ aus Tech/AI). Im Geschäftsjahr 01.11.2024–31.10.2025 lieferte er – laut Tätigkeitsbericht – eine Outperformance gegenüber dem MSCI AC Asia Pacific Net Return und war nahezu vollständig in Aktien investiert (Aktienquote ~96–97% plus geringe Zielfondsquote). Die Renditetreiber waren stark thematisch (KI-Wertschöpfungskette, japanische Industriewerte), während die Risiken klar im Fokus liegen: hohe Aktienvolatilität, relevante Fremdwährungsquote und geopolitische/handelspolitische Unsicherheiten.
2) Wertentwicklung & Ertragsqualität
Anteilwertentwicklung (je Anteil, thesaurierend):
Anteilklasse R: 110,45 → 136,73 (GJ 2024 → 2025) ≈ +23,8%
Anteilklasse I: 113,04 → 140,78 ≈ +24,6%
Anteilklasse SI: 114,25 → 142,66 ≈ +24,9%
Was daran wichtig ist:
Die Performance wirkt markant positiv und setzt die Erholung nach den schwächeren Jahren 2022/2023 fort (Anteilwerte lagen damals deutlich niedriger).
In der Ergebnisrechnung stammt der Löwenanteil des Jahresergebnisses aus nicht realisierten Gewinnen (Bewertungsanstiege), nicht aus laufenden Erträgen. Das ist typisch für wachstumsorientierte Aktienportfolios – aber es heißt auch: Ergebnisse können in schwächeren Marktphasen schnell drehen.
Laufender Ertrag vs. Kosten (Qualität der „Carry“):
In der Anteilklasse R ist der ordentliche Nettoertrag negativ (Kosten fressen Dividenden/Zinsen auf).
I und SI haben einen positiven ordentlichen Nettoertrag – vor allem, weil die Kostenquote niedriger ist.
3) Kosten, Anteilklassenlogik und „Investor-Take“
TER (Gesamtkostenquote):
R: 2,09%
I: 1,52%
SI: 1,16%
Zusätzlich relevant:
Ausgabeaufschlag: R 5,0%, I/SI 0,0%
Mindestanlage: SI 250.000 EUR, R/I ohne Mindestvolumen
Hinweis im Bericht: In R werden Vermittlungsfolgeprovisionen „in wesentlichem Umfang“ gezahlt (bei I und SI nicht).
Interpretation:
Für langfristige Anleger ist die Kostenstaffel entscheidend: SI (wenn zugänglich) > I > R.
Gerade bei einem Fonds, dessen Mehrwert stark über Kursgewinne kommt, reduziert eine hohe laufende Kostenlast die Wahrscheinlichkeit, den Benchmark-Vorsprung über Zyklen zu halten.
4) Portfolioaufbau: thematische Stärke, aber kein „Low-Beta-Infrastruktur“-Fonds
Asset-Allokation zum 31.10.2025 (Vermögensübersicht):
Aktien: 96,46%
Zielfonds: 2,24% (u.a. Vietnam-Aktienfonds)
Bankguthaben: 1,30%
Derivate: 0% (kein Derivate-Exposure)
Was das über das Risikoprofil sagt:
Das ist faktisch ein voll investierter Aktienfonds. Klassische Infrastruktur-Stabilität (regulierte Versorger, Mautstraßen etc.) ist zwar Teil des Ansatzes („Core/Pure“), wird aber durch Tech-/AI-Exposures klar wachstumsorientiert überlagert.
Keine Derivate reduzieren Komplexität, aber auch: kein systematisches Hedging gegen FX oder Drawdowns sichtbar.
Ein Blick auf zentrale Positionen/Schwerpunkte (Auszug, Stand 31.10.2025):
Hohe Gewichte in Einzeltiteln/Clustern rund um Tech/Industrie/Logistik & Infrastruktur:
Prosus (~4,39%), SK Square (~5,35%), Samsung Electronics (~3,38%), Mitsubishi Heavy (~4,10%), Kawasaki Heavy (~3,41%), HD Korea Shipbuilding (~3,77%), Hitachi (~3,30) u.a.
Infrastruktur-nahe Real Assets/REIT-Komponente ist vorhanden, aber nicht dominierend (z.B. australische Infrastruktur/REIT-Titel).
Implikation:
Der Fonds dürfte sich in vielen Marktphasen eher wie ein Asien-Pazifik-Growth/Industrials/Tech-Mix verhalten als wie ein defensiver Infrastrukturbaustein.
5) Mittelbewegungen und Fondsgröße: positives Signal, aber auch „Flow-Risiko“
Gesamtfondsvermögen zum 31.10.2025: 16,96 Mio. EUR.
Die Entwicklungsrechnungen zeigen starke Nettozuflüsse in R und besonders SI, während I netto Abflüsse hatte. Das spricht für:
Institutionelles Interesse (SI-Zuflüsse) und/oder strategische Allokationen,
aber auch potenzielle Flow-Volatilität: Bei kleineren Fondsvolumina können größere Rückgaben zu mehr Handelsdruck führen (auch wenn das Liquiditätsrisiko im Bericht als gering eingeschätzt wird, da überwiegend Large Caps).
6) Risiko-Check: die wichtigsten Punkte für Anleger
Dominante Risiken:
Aktienmarktrisiko/Volatilität (nahezu Vollaktienquote).
Währungsrisiko (AUD, JPY, HKD, KRW, USD etc. gegenüber EUR; keine Hedge-Indikation).
China/Handelspolitik: Der Bericht beschreibt Zoll-/Handelskonflikte und schnelle Rotation – das Portfolio ist regional/thematisch dafür sensibel (China / United States als Einflussfaktoren).
Geopolitik (Verweis auf Russia-Ukraine war sowie Israel–Gaza war als Volatilitätstreiber; im Bericht als „Sonstige Risiken“).
ESG-/Nachhaltigkeitsprofil: Nachhaltigkeitsrisiken wurden im Anlageprozess nicht berücksichtigt; Einstufung als Artikel-6-Produkt nach SFDR – für viele Anleger inzwischen ein Ausschlusskriterium.
Risikomindernde Aspekte:
Breite Streuung, überwiegend liquide Large Caps.
Keine Wertpapierleihe/Wertpapierfinanzierungsgeschäfte im Berichtszeitraum.
Keine Derivate (geringere Modell-/Kontrahentenkomplexität).
7) Was ich als Anleger daraus ableiten würde
Stärken
Klarer thematischer Fokus mit belegter Ertragskraft im Berichtsjahr (insb. KI/Industrie/Japan-Exposure).
Kostenstruktur bietet mit I/SI eine vernünftige Alternative zur teuren R-Klasse.
Transparente Aufstellung, geprüfter Bericht (KPMG-Testat: KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft).
Schwächen / Punkte zum Hinterfragen
„Infrastruktur“ ist hier eher Interpretationsrahmen als Garant für defensive Cashflows.
Rendite kommt stark aus Bewertungsgewinnen – damit zyklisch.
ESG-Nichtberücksichtigung kann je nach Mandat/Überzeugung ein Dealbreaker sein.
Relativ kleines Fondsvolumen: nicht kritisch, aber bei Stressphasen beobachtenswert.
Geeignet für
Anleger, die Asien-Pazifik-Aktien mit Infrastruktur-/Industrie-/Tech-Schwerpunkt suchen und Schwankungen aushalten.
Als Satellit im Aktienportfolio, weniger als „stabilisierender Infrastrukturbaustein“.
Weniger geeignet für
Anleger, die „Infrastruktur“ primär als defensiv, ausschüttungsstark, währungsarm verstehen.
Strenge ESG-Vorgaben.