1) Profil & Investmentcase aus Anlegersicht
Der Fonds S&H Smaller Companies EMU (verwaltet von Ampega Investment GmbH) ist ein aktiv gemanagter Aktienfonds ohne feste Benchmark, mit Fokus auf europäische Nebenwerte und einem klaren Value-Ansatz: gekauft werden Unternehmen mit „deutlichem Bewertungsabschlag“ zum geschätzten Fair Value. Der Ansatz ist fundamental (qualitativ + quantitativ) und auf mittel- bis langfristiges Halten ausgelegt; Derivate sind erlaubt, wurden zum Stichtag aber nicht eingesetzt.
Anleger-Interpretation: Das ist ein klassischer „Stockpicker“-Fonds mit Stilneigung zu günstig bewerteten Titeln (niedriges KGV/hohe Gewinnrendite). Das kann in Phasen höherer Zinsen bzw. wenn „Value“ wieder gefragt ist, gut funktionieren – ist aber je nach Marktregime auch zeitweise unpopulär.
2) Performance & Risiko: ordentliche Rendite bei marktüblicher Schwankung
Im Berichtszeitraum 01.11.2024–31.10.2025 erzielte der Fonds:
+9,47 % in Anteilklasse P (a)
+11,09 % in Anteilklasse I (a)
Volatilität: 13,36 % (P) bzw. 13,35 % (I)
Was man daraus ableiten kann:
Die höhere Rendite der I-Klasse ist konsistent mit niedrigeren laufenden Kosten (siehe unten).
Eine Volatilität um ~13 % ist für einen Nebenwerte-lastigen Aktienfonds nicht ungewöhnlich; sie signalisiert aber klar: Das Produkt ist nichts für sehr kurzfristige Horizonte.
3) Kosten: größter struktureller Unterschied zwischen P und I
Anteilklasse P (a)
Ausgabeaufschlag: 5 %
Verwaltungsvergütung: 1,5 % p.a.
Erfolgsabhängige Vergütung: 10 % (zusätzlich)
TER: 1,62 % (ohne Transaktionskosten und ohne Performance Fee)
Performance-Fee-Anteil am Ø Fondsvermögen: 0,87 %
Anteilklasse I (a)
Ausgabeaufschlag: 0 %
Verwaltungsvergütung: 0,9 % p.a.
Keine Performance Fee
Mindestanlage: 250.000 EUR
TER: 1,01 %
Anleger-Interpretation (wichtig):
Die P-Klasse ist spürbar teurer (plus Einstiegskosten). Das erhöht die Hürde, langfristig „netto“ klar besser zu sein als günstigere Alternativen.
Wenn Sie die Mindestanlage erfüllen: Die I-Klasse ist strukturell attraktiver, weil weniger Gebühren die Rendite abschneiden.
4) Portfolioaufbau: hohe Aktienquote, auffällige Cash-Reserve, deutliche Deutschland-Lastigkeit
Zum 31.10.2025:
Aktien: 79,27 %
Verzinsliche Wertpapiere: 2,73 % (eine Anleihe: DIC Asset 2026)
Bankguthaben: 17,92 %
Fondsvolumen: 57,49 Mio. EUR
Länderexposure (Aktien nach Länderzuordnung, Auszug):
Deutschland 35,60 % (größter Block)
Frankreich 10,24 %
USA 7,88 %
Israel 7,33 %
dazu u. a. UK, Norwegen, Luxemburg, Belgien, Spanien
Anleger-Interpretation:
Die Cash-Quote ~18 % ist hoch. Das kann:
in fallenden Märkten stabilisieren und Flexibilität geben,
in steigenden Märkten aber Rendite kosten („Cash-Drag“).
Die Bezeichnung „EMU“ wirkt vom Namen her eurozonen-nah, faktisch enthält das Portfolio aber relevante Nicht-EMU-Anteile (z. B. UK, USA, Israel, Norwegen) – damit kommen Währungs- und Länderrisiken stärker ins Spiel als bei einem reinen Eurozonenfonds.
5) Konzentrationsrisiko: einige große Wetten prägen das Ergebnis
Größte Einzelpositionen (Gewichte am Fondsvermögen, Auszug):
Vallourec ~7,48 %
Check Point Software ~7,05 %
Continental ~4,10 %
PayPal ~3,99 %
Viatris ~3,90 %
Schaeffler ~3,37 %
Aker BP ~3,54 %
Anleger-Interpretation:
Für einen Nebenwertefonds ist das keine extreme, aber eine spürbare Top-2-Konzentration (je ~7 %). Wenn einer dieser Titel stark gegen den Fonds läuft, merkt man das.
Stilistisch sieht man eine Mischung aus zyklischen Industrie-/Auto-Zulieferern (z. B. Continental, Schaeffler, Deutz, Lanxess) plus selektiven Tech-/Softwarewerten (z. B. Check Point, TeamViewer, IONOS) – das kann gut diversifizieren, ist aber in Stressphasen trotzdem marktabhängig.
6) Risikomanagement & Liquidität: sinnvoll adressiert, aber Nebenwerte bleiben Nebenwerte
Illiquide Microcaps (<50 Mio. EUR Marktkap.) wurden laut Bericht gemieden; Einzeltitelgewichte sollen niedrig bleiben.
Derivate: zum Stichtag 0 %, Exposure 0; dennoch wird Marktrisiko über ein VaR-Modell überwacht (10 Tage, 99 % Konfidenz; historisch 504 Tagesrenditen).
Potenzieller Risikobetrag (VaR) lag im Jahr zwischen 5,58 % und 7,29 %.
Anleger-Interpretation:
Die Liquiditätsaussagen sind beruhigend – trotzdem können Nebenwerte in echten Stressphasen „austrocknen“ (Spreads, Marktimpact).
Der fehlende Derivateinsatz am Stichtag deutet auf ein eher direktes Aktienrisiko statt komplexer Absicherungsstrukturen hin.
7) Ausschüttung: moderat, eher „Beiprodukt“ als Renditetreiber
Ausschüttung je Anteil:
P (a): 3,00 EUR → ca. 1,75 % bezogen auf Anteilwert 171,38 EUR
I (a): 3,50 EUR → ca. 1,82 % bezogen auf Anteilwert 191,79 EUR
Anleger-Interpretation: Das ist eine moderate Ausschüttung, die Gesamtrendite kommt klar primär aus Kursentwicklung.
8) Nachhaltigkeit/Offenlegung: Filter ja, aber kein „grünes“ Produkt
EU-Taxonomie: Investitionen berücksichtigen nicht die EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Aktivitäten.
PAI-Steuerung: nicht Bestandteil der Anlagestrategie.
Es gibt dennoch Ausschlüsse (kontroverse Waffen) und UN Global Compact-Prüfung; zudem PRI-Unterzeichnung auf Gesellschaftsebene.
Anleger-Interpretation: Für ESG-orientierte Anleger ist das eher „ESG-Filter/Basic Stewardship“ als ein Fonds mit klarer Nachhaltigkeitszielsetzung.
Fazit: Für wen passt der Fonds – und worauf würde ich als Investor achten?
Stärken
Klarer, nachvollziehbarer Value-Nebenwerte-Ansatz und aktive Abweichung von Indizes.
Gute Periodenrendite bei marktüblicher Volatilität.
Aus Investorensicht positiv: spürbarer Gebührenvorteil der I-Klasse (wenn zugänglich).
Kritische Punkte
Kostenbelastung der P-Klasse (inkl. Ausgabeaufschlag + Performance Fee) kann langfristig erheblich Rendite kosten.
Deutschland-Übergewicht und einige große Einzelpositionen erhöhen Klumpenrisiken.
Hohe Cash-Quote: gut für Flexibilität, kann aber Performance in starken Aktienphasen bremsen.