Die Windpark Tegelberg-Donzdorf GmbH mit Sitz in Schwäbisch Hall unterscheidet sich strukturell deutlich von den zuvor betrachteten reinen Beteiligungsgesellschaften. Hier handelt es sich um eine operative Betreibergesellschaft mit bilanzierten Sachanlagen in Höhe von rund 10 Millionen Euro. Dennoch zeigt der Jahresabschluss 2024 aus Anlegersicht ein gemischtes Bild.
Die Bilanzsumme ist von 12,17 Millionen Euro auf 10,96 Millionen Euro gesunken. Hauptursache ist der planmäßige Rückgang des Sachanlagevermögens durch Abschreibungen: Die Windenergieanlagen werden linear über ihre Nutzungsdauer abgeschrieben, was das Anlagevermögen von 11,04 Millionen Euro auf 9,98 Millionen Euro reduziert hat. Dieser Rückgang ist betriebswirtschaftlich normal und kein unmittelbares Warnsignal, zeigt aber die fortschreitende technische und bilanziell sinkende Substanz der Anlagen.
Auffällig ist die Ergebnisentwicklung. Nach einem Jahresüberschuss von 271.820 Euro im Vorjahr weist die Gesellschaft 2024 einen Jahresfehlbetrag von 60.760,77 Euro aus. Der Ergebnisrückgang ist signifikant. Während 2023 offenbar noch ein profitables Jahr war, konnte 2024 kein positives Ergebnis erzielt werden.
Die Eigenkapitalbasis reduziert sich entsprechend von 3,40 Millionen Euro auf 3,06 Millionen Euro. Trotz des Verlustes bleibt das Eigenkapital auf einem soliden Niveau, was vor allem auf die Kapitalrücklage in Höhe von 3,1 Millionen Euro zurückzuführen ist. Die Eigenkapitalquote liegt bei rund 28 Prozent – für einen fremdfinanzierten Windpark ein grundsätzlich akzeptabler Wert.
Die Verschuldung ist weiterhin erheblich, aber planmäßig rückläufig. Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten belaufen sich auf 7,726 Millionen Euro (Vorjahr: 8,577 Millionen Euro). Die Tilgung schreitet also voran. Die Laufzeiten sind gestreckt: Rund 3,7 Millionen Euro haben eine Restlaufzeit von über fünf Jahren, 3,17 Millionen Euro liegen im Bereich von ein bis fünf Jahren. Kurzfristig fällig sind 851.000 Euro. Diese Struktur wirkt grundsätzlich tragfähig, setzt jedoch stabile operative Cashflows voraus.
Die liquiden Mittel sind von 712.188 Euro auf 376.672 Euro gesunken. Gleichzeitig sind die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände deutlich gestiegen – insbesondere die sonstigen Vermögensgegenstände (481.000 Euro). Dies könnte auf Abrechnungen, Ausgleichszahlungen oder zeitliche Verschiebungen im Zahlungsfluss hindeuten. Entscheidend ist hier die tatsächliche Realisierbarkeit dieser Forderungen.
Ein weiterer wesentlicher Punkt sind die langfristigen finanziellen Verpflichtungen aus Pacht- und Leasingverträgen. Diese belaufen sich auf insgesamt 6,398 Millionen Euro, davon 4,363 Millionen Euro mit einer Laufzeit von über fünf Jahren. Für Windparkgesellschaften sind solche Pachtverträge üblich, da die Flächen langfristig gesichert werden müssen. Für Investoren stellen sie jedoch eine fixe, kaum flexible Kostenstruktur dar.
Die Windenergieanlagen sind zugunsten der GLS Gemeinschaftsbank eG sicherungsübereignet. Das ist bei projektfinanzierten Energieanlagen branchenüblich, bedeutet aber auch, dass die kreditgebenden Banken im Sicherungsfall vorrangigen Zugriff auf die wesentlichen Vermögenswerte hätten.
Positiv hervorzuheben ist die Einbindung in eine kommunal geprägte Konzernstruktur: Die Gesellschaft ist eine 100%ige Tochter der Solar Invest AG, die wiederum in den Konzern der Stadtwerke Schwäbisch Hall eingebunden ist. Diese Einbettung kann Stabilität, langfristige Orientierung und professionelles Management bedeuten. Zudem wird die Geschäftsführung über einen Managementvertrag abgewickelt, wodurch keine direkten Geschäftsführerbezüge auf Ebene der Gesellschaft anfallen.
Aus Anlegersicht ergeben sich folgende Kernpunkte:
Erstens: Es handelt sich um eine substanzielle operative Gesellschaft mit realen Anlagenwerten und laufender Finanzierung – keine bloße Projekt- oder Zwischenholding.
Zweitens: Das Ergebnis ist 2024 deutlich schwächer als im Vorjahr. Die Gründe sind im Anhang nicht detailliert erläutert, was eine genauere Ursachenanalyse erschwert.
Drittens: Die Verschuldung ist hoch, aber strukturell üblich für Windparkfinanzierungen und planmäßig rückläufig.
Viertens: Die langfristigen Pachtverpflichtungen binden erhebliche Mittel und erfordern stabile Erträge.
Fünftens: Die Eigenkapitalbasis ist trotz Verlust weiterhin solide, wird jedoch durch weitere negative Ergebnisse spürbar unter Druck geraten.
Fair betrachtet befindet sich die Gesellschaft in einer typischen Phase eines fremdfinanzierten Infrastrukturprojekts: hohe Anfangsinvestitionen, langfristige Tilgungsstrukturen, stabile aber schwankungsanfällige Erträge. Der Verlust 2024 ist kein unmittelbares Krisensignal, stellt jedoch eine klare Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr dar.
Entscheidend für Investoren wird sein, ob es sich um ein einmaliges schwächeres Jahr handelt – etwa wetterbedingt oder durch Sondereffekte – oder ob sich eine strukturelle Ergebnisverschlechterung abzeichnet. Die kommenden Geschäftsjahre werden zeigen, ob der Windpark wieder in die Gewinnzone zurückkehrt oder ob die finanzielle Flexibilität enger wird.