Ein neuer Bericht der Vereinten Nationen zeichnet ein erschütterndes Bild der Gewalt im sudanesischen Bürgerkrieg: Mehr als 6.000 Menschen sollen innerhalb von nur drei Tagen getötet worden sein, als die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) im vergangenen Jahr die Stadt el-Fasher einnahmen. Zeugenaussagen und Berichte von Überlebenden sprechen von Massakern, wahllosen Erschießungen und systematischer Gewalt gegen die Zivilbevölkerung.
„Es war wie eine Szene aus einem Horrorfilm“, schilderte ein Augenzeuge laut UN-Angaben. Er habe gesehen, wie Kämpfer der RSF das Feuer auf rund 1.000 Menschen eröffneten, die in einem Universitätsgebäude Schutz gesucht hatten. Leichen seien durch die Luft geschleudert worden. Solche Berichte stehen exemplarisch für die Brutalität der Offensive.
Der UN-Bericht dokumentiert mutmaßliche Massenhinrichtungen, Folter, Entführungen sowie sexualisierte Gewalt gegen Frauen, Männer und Kinder. Diese Taten könnten Kriegsverbrechen und möglicherweise Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen, heißt es darin. Die RSF äußerte sich bislang nicht zu den jüngsten Vorwürfen, hatte ähnliche Anschuldigungen jedoch in der Vergangenheit zurückgewiesen.
Sudan befindet sich seit fast drei Jahren in einem erbitterten Machtkampf zwischen der regulären Armee und den RSF-Milizen. Der Konflikt hat Hunderttausende Menschen das Leben gekostet und mehr als 13 Millionen in die Flucht getrieben. Besonders die Region Darfur gilt als Brennpunkt schwerster Menschenrechtsverletzungen. Die USA und Human Rights Watch werfen den RSF und verbündeten Milizen sogar Völkermord an der Volksgruppe der Massalit sowie anderen nicht-arabischen Gemeinschaften vor. Jüngste UN-Berichte vermeiden jedoch bislang die Einstufung als Genozid.
El-Fasher, eine strategisch wichtige Stadt in Darfur, war 18 Monate lang belagert worden. Nach Angaben des UN-Menschenrechtsbüros wurden allein in den ersten Tagen des Angriffs mindestens 4.400 Menschen innerhalb der Stadt getötet, weitere 1.600 starben auf Fluchtrouten. Die tatsächliche Zahl der Opfer dürfte laut Bericht deutlich höher liegen.
Mehr als 140 Opfer und Zeugen sagten Ende 2025 im Sudan und im benachbarten Tschad aus. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk forderte erneut ein sofortiges Ende der schweren Menschenrechtsverletzungen durch alle Konfliktparteien.
International wächst der Druck auf die Unterstützer des Konflikts. Die Vereinigten Arabischen Emirate weisen Vorwürfe zurück, Hauptlieferant von Waffen an die RSF zu sein. Großbritannien verhängte kürzlich Sanktionen gegen sechs Schlüsselpersonen, darunter hochrangige Militärs beider Seiten sowie ausländische Rekrutierer von Söldnern.
Zudem kündigte eine mit der RSF verbundene Koalition Pläne für eine rivalisierende Regierung im Westen des Landes an. Die Afrikanische Union warnte, ein solcher Schritt gefährde die ohnehin fragile Einheit des Sudan weiter.