Ab März beginnt die Social-Media- und Gaming-Plattform Discord mit der schrittweisen Einführung einer weltweiten Altersverifikation. Ziel der neuen Maßnahme ist es, Minderjährige besser zu schützen und ihnen standardmäßig eine altersgerechte Nutzungserfahrung zu bieten. Der Schritt folgt ähnlichen Einführungen in Großbritannien und Australien und ist Teil eines wachsenden Trends zu strengeren Jugendschutzmechanismen im Internet.
Laut einer offiziellen Mitteilung von Discord sollen Nutzer künftig ihr Alter verifizieren müssen, um auf altersbeschränkte Inhalte, Kanäle und Server zugreifen zu können. Wer keine Verifikation durchführt, wird automatisch in eine sogenannte „teen-appropriate experience“ eingestuft. Diese bietet eingeschränkte Funktionen und zusätzliche Schutzmechanismen für Jugendliche.
Die Altersüberprüfung soll auf zwei Wegen möglich sein: Zum einen durch das Hochladen eines Ausweisdokuments über externe, spezialisierte Dienstleister, zum anderen durch eine sogenannte „facial age estimation“. Dabei nehmen Nutzer ein kurzes Video-Selfie auf, anhand dessen das Alter geschätzt wird. Discord betont, dass diese Videos das Gerät der Nutzer nicht verlassen und keine biometrischen Daten gespeichert würden. In Zukunft sollen weitere Verifikationsmethoden hinzukommen.
Savannah Badalich, Head of Product Policy bei Discord, erklärte, dass die globale Einführung von jugendfreundlichen Standardeinstellungen auf bestehenden Sicherheitsstrukturen aufbaue. Verifizierte Erwachsene sollen weiterhin flexibel agieren können, während Jugendliche stärker geschützt werden.
Die Ankündigung erfolgt jedoch in einem sensiblen Umfeld. Erst im Oktober wurde bekannt, dass rund 70.000 Discord-Nutzer von einem Datenleck betroffen waren. Ursache war ein Angriff auf einen externen Dienstleister, der für altersbezogene Einsprüche zuständig war. Dabei könnten unter anderem Fotos von amtlichen Ausweisen kompromittiert worden sein. Dieses Ereignis nährt Zweifel an der Datensicherheit solcher Systeme.
Auch Bürgerrechts- und Datenschutzorganisationen äußern Kritik. Die Electronic Frontier Foundation (EFF) spricht sich grundsätzlich gegen verpflichtende Altersverifikation und Altersbeschränkungen aus. Sie warnt davor, dass sensible Daten immer häufiger abgefragt würden, obwohl es zahlreiche Beispiele für Datenlecks gebe. Aus Sicht der EFF gefährden solche Maßnahmen die digitale Freiheit und Privatsphäre der Nutzer.
Der Vergleich mit der Gaming-Plattform Roblox liegt nahe. Dort ist eine KI-gestützte Altersverifikation per Gesichtsscan bereits Voraussetzung für bestimmte Chatfunktionen. Roblox steht derzeit unter starkem juristischem Druck: In den USA laufen zahlreiche Klagen, in denen Eltern dem Unternehmen vorwerfen, Kinder nicht ausreichend vor Online-Gefahren geschützt zu haben.
Discord bewegt sich mit seiner Entscheidung also auf einem schmalen Grat zwischen notwendigem Jugendschutz und dem Schutz der Privatsphäre. Ob die neuen Maßnahmen das Vertrauen der Nutzer stärken oder eher neue Sorgen auslösen, wird sich erst nach dem globalen Rollout zeigen.