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Will Lewis tritt überraschend als Verleger der Washington Post zurück – kurz nach massiven Entlassungen

Der Verlag der Washington Post steht erneut vor einem Umbruch: Will Lewis, Publisher und CEO der renommierten US-Zeitung, ist am Samstagnachmittag überraschend von seinem Posten zurückgetreten. Der Rücktritt erfolgt nur wenige Tage nach einer der größten Entlassungswellen in der Geschichte des Blattes, bei der rund ein Drittel der Belegschaft – darunter mindestens 300 Journalistinnen und Journalisten – ihren Arbeitsplatz verloren hat.

In einer kurzen Mitteilung an die Mitarbeitenden erklärte Lewis, nach zwei Jahren der „Transformation“ sei nun der richtige Zeitpunkt gekommen, zur Seite zu treten. Er dankte Eigentümer Jeff Bezos ausdrücklich für dessen Unterstützung und betonte, die getroffenen harten Entscheidungen hätten dem langfristigen Fortbestand der Zeitung dienen sollen. Viele Beschäftigte im Newsroom sahen das jedoch anders: Dort wurde Lewis’ Abgang offen begrüßt. Seit Monaten galt sein Rückhalt in der Redaktion als praktisch aufgebraucht.

Als neuer kommissarischer Publisher und CEO übernimmt mit sofortiger Wirkung Finanzchef Jeff D’Onofrio, der erst im Juni zur Washington Post gestoßen war. In einer internen Mitteilung schrieb D’Onofrio, er fühle sich geehrt, die Zeitung in eine nachhaltige und erfolgreiche Zukunft zu führen – mit der journalistischen Qualität als klarem Leitstern. Auch Bezos meldete sich erstmals seit den Entlassungen zu Wort und sprach von einer „außergewöhnlichen Chance“, die sich aus den Daten und dem Verhalten der Leserinnen und Leser ableiten lasse.

Bemerkenswert ist, wie abrupt der Führungswechsel vollzogen wurde. In der offiziellen Mitteilung fand sich kein Hinweis darauf, dass Lewis den Übergang begleiten werde. Das deutet auf eine sehr kurzfristige Entscheidung hin. Bereits während der Entlassungen hatte Lewis kaum Präsenz gezeigt; stattdessen wurde er kurz darauf bei einem glamourösen Event im Umfeld des Super Bowls gesehen – ein Umstand, der den Unmut in der Redaktion weiter anheizte.

Lewis’ Amtszeit war von Beginn an umstritten. Er war im November 2023 angetreten, um das wirtschaftlich angeschlagene Traditionsblatt zu stabilisieren. Zuvor hatte er unter anderem für das Wall Street Journal und den Daily Telegraph gearbeitet und war Teil des Medienimperiums von Rupert Murdoch. Alte Vorwürfe im Zusammenhang mit dem britischen Abhörskandal sowie Berichte über angebliche Versuche, kritische Berichterstattung zu unterdrücken, nährten früh Zweifel an seiner journalistischen Integrität – Vorwürfe, die Lewis stets zurückwies.

Der Gewerkschaftsverband der Washington Post reagierte scharf auf den Abgang: Lewis’ Rücktritt sei „längst überfällig“, sein Vermächtnis der Versuch, eine große amerikanische Journalismusinstitution zu beschädigen. Nun liege es an Jeff Bezos, die Entlassungen zurückzunehmen oder die Zeitung in verantwortungsvollere Hände zu geben. Ob der Führungswechsel tatsächlich einen Neuanfang einleitet, bleibt abzuwarten.

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