Zum Auftakt der Olympischen Winterspiele in Italien ist das Bahnnetz im Norden des Landes Ziel mutmaßlicher Sabotageakte geworden. Die italienischen Behörden sprechen von einem „schweren Sabotageangriff“, nachdem es innerhalb kurzer Zeit zu mehreren Zwischenfällen an zentralen Bahnstrecken gekommen war. Tausende Reisende waren von erheblichen Verspätungen und Streckensperrungen betroffen – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem Besucher aus aller Welt zu den Spielen anreisen.
Nach Angaben der Polizei ereigneten sich drei Vorfälle, die möglicherweise miteinander in Zusammenhang stehen und gezielt im Kontext der Olympischen Spiele geplant wurden. Besonders gravierend war ein Brand an der Bahnstrecke zwischen Bologna und Venedig. Das Feuer beschädigte wichtige Infrastruktur und führte zu Zugverspätungen von bis zu zweieinhalb Stunden. Später entdeckten Ermittler in der Nähe durchtrennte Stromkabel sowie einen primitiven Sprengsatz entlang der Gleise.
Ein weiterer Vorfall wurde nahe der Adriastadt Pesaro gemeldet, wo eine Gleisweiche in Brand gesetzt worden sein soll. Bologna spielt dabei eine zentrale Rolle: Der dortige Hauptbahnhof ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Italiens und verbindet Nord- und Süditalien sowie Ost- und Westverbindungen. Störungen in dieser Region haben daher landesweite Auswirkungen.
Verkehrsminister und Vizepremier Matteo Salvini verurteilte die Taten scharf. Er sprach von einer neuen Dimension der Sabotage, betonte jedoch, dass diese Ereignisse Italiens internationales Ansehen nicht beschädigen würden. Vielmehr seien die Olympischen Spiele ein Symbol für Offenheit, Sicherheit und internationale Zusammenarbeit. Salvini zog Parallelen zu den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris, bei denen ebenfalls Sabotageakte das Hochgeschwindigkeitsnetz der französischen Bahn lahmgelegt hatten.
Bislang hat sich niemand zu den Angriffen bekannt. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen und prüft sowohl extremistische als auch ausländische Einflüsse. Parallel dazu meldeten italienische Behörden, dass man während der Winterspiele auch mehrere Cyberangriffe abgewehrt habe, was die Sicherheitslage zusätzlich in den Fokus rückt.
Trotz der Vorfälle konnte der Bahnverkehr auf einigen Hochgeschwindigkeitsstrecken bereits am Samstag schrittweise wieder aufgenommen werden. Die Eröffnungsfeier der Winterspiele fand wie geplant in Mailand sowie in Cortina d’Ampezzo und weiteren Austragungsorten statt. Die Wettkämpfe sind über weite Teile Norditaliens verteilt, von den Alpen bis zu den Dolomiten – Regionen, die stark auf eine funktionierende Bahnverbindung angewiesen sind.
Die Behörden haben die Sicherheitsmaßnahmen rund um kritische Infrastruktur deutlich erhöht, um weitere Störungen während der Spiele zu verhindern.