Der vorliegende Jahresbericht des DWS Aktien Strategie Deutschland für den Zeitraum vom 01.10.2024 bis 30.09.2025 zeigt auf den ersten Blick ein erfreuliches absolutes Ergebnis, offenbart bei genauerem Hinsehen jedoch Schwächen in der relativen Wertentwicklung gegenüber dem Vergleichsindex.
Wertentwicklung und Benchmark-Vergleich
Der Fonds erzielte im Berichtszeitraum einen Wertzuwachs von +17,7 % (Anteilklasse LC). Damit wurde zwar ein deutlich positives Ergebnis erreicht, jedoch blieb der Fonds signifikant hinter dem HDAX zurück, der im selben Zeitraum um +23,0 % zulegte. Auch über längere Zeiträume (3 und 5 Jahre) zeigt sich eine anhaltende Unterperformance gegenüber dem Index. Für Anleger bedeutet dies: Der Fonds konnte zwar Vermögen mehren, hat sein erklärtes Ziel eines nachhaltigen Mehrwerts gegenüber der Benchmark jedoch nicht erreicht.
Ursachen der Underperformance
Aus dem Bericht wird deutlich, dass die Abweichung zur Benchmark weniger auf Marktschwäche, sondern vielmehr auf Timing- und Allokationsentscheidungen zurückzuführen ist. Besonders ins Gewicht fällt, dass der Fonds erst ab Mitte Mai 2025 – und unter ESG-Einschränkungen – in den Verteidigungssektor investieren durfte. Die zuvor bereits stark gestiegenen Kurse dieses Sektors, der einen wesentlichen Performancebeitrag zum HDAX lieferte, konnten daher nur unzureichend genutzt werden.
Gleichzeitig reduzierte das Management Engagements in export- und US-abhängigen Branchen (z. B. Automobil, Medizintechnik) aufgrund geopolitischer Risiken und der Dollar-Schwäche. Diese defensive Positionierung erwies sich im Nachhinein als zu vorsichtig.
Portfolio- und Risikostruktur
Positiv hervorzuheben ist die hohe Aktienquote von über 98 %, die den Fonds klar als renditeorientiertes Produkt positioniert. Die Schwerpunkte in Industrie, Finanzwerten und Technologie spiegeln eine klare Ausrichtung auf den deutschen Fiskalstimulus wider. Einzelwerte wie Rheinmetall, Siemens, SAP oder Airbus gehören zu den größten Positionen und zeigen, dass der Fonds durchaus auf strukturelle Wachstumstreiber setzt.
Die Risiken werden transparent benannt: geopolitische Konflikte, handelspolitische Unsicherheiten und geldpolitische Richtungswechsel. Aus Anlegersicht ist dies positiv, da das Management die makroökonomischen Rahmenbedingungen realistisch einschätzt und aktiv steuert.
Kosten und Effizienz
Die laufenden Kosten der Anteilklasse LC von 1,45 % p.a. sind für einen aktiv gemanagten Aktienfonds marktüblich, erhöhen jedoch den Druck, tatsächlich Alpha zu generieren. Angesichts der deutlichen Unterperformance gegenüber dem Index stellt sich für kostenbewusste Anleger die Frage, ob ein günstiger passiver HDAX-ETF im Berichtszeitraum nicht die effizientere Alternative gewesen wäre.
Fazit aus Anlegersicht
Der Fonds überzeugt durch eine klare Strategie, breite Diversifikation und professionelle Umsetzung, verfehlt jedoch im betrachteten Jahr sein zentrales Ziel: die Outperformance gegenüber dem Vergleichsmaßstab. Für Anleger mit langfristigem Horizont und Vertrauen in aktives Management bleibt der Fonds dennoch interessant – insbesondere, wenn sich die getroffenen makroökonomischen Einschätzungen künftig auszahlen. Kurz- bis mittelfristig müssen Investoren jedoch akzeptieren, dass sie für aktives Management bezahlt haben, ohne dafür einen relativen Mehrwert erhalten zu haben.