Der jahrzehntealte Streit um die Herkunft der Mozartkugel in Salzburg geht in die nächste Runde. Das Landesgericht hat einem Konkurrenten der traditionsreichen Konditorei Fürst per einstweiliger Verfügung untersagt, mit dem Slogan „nach dem Originalrezept von 1880“ zu werben. Der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig.
Auslöser: ein historisches Inserat
Im Sommer 2025 hatte ein Historiker ein Zeitungsinserat aus dem Jahr 1881 entdeckt, in dem von „Salzburger Spezialität Mozartkugeln“ die Rede ist. Daraufhin begann der Nachfolger des damaligen Betriebs, seine Pralinen mit dem Hinweis auf ein angebliches „Originalrezept von 1880“ zu bewerben.
Gericht: Kein Rezept, keine Behauptung
Das Gericht stellte klar:
Die Bezeichnung setze voraus, dass ein nachweisbares Originalrezept aus dem Jahr 1880 existiert. Ein solches wurde jedoch nicht vorgelegt – selbst die Gegenseite räumte das ein. Damit sei die Werbung irreführend und unzulässig.
Der betroffene Betrieb reagierte bereits und änderte den Slogan in „nach der Tradition von 1880“. Laut Urteil werden die Pralinen zudem nicht in Salzburg, sondern industriell in Niederösterreich hergestellt.
Fürst kontert
Die Konditorei Fürst, die ihre „Original Salzburger Mozartkugel“ mit der Erfindung durch Paul Fürst im Jahr 1890 bewirbt, sieht auch den neuen Slogan kritisch. Weitere rechtliche Schritte werden geprüft. Man wolle nicht hinnehmen, dass handwerkliche Tradition mit Industrieware gleichgesetzt und historische Fakten verzerrt würden.
Wer hat die Mozartkugel wirklich erfunden?
In die Debatte mischt sich nun eine neue These:
Einige bringen Louise Karuth, eine frühere Angestellte eines Salzburger Konditors, als mögliche Erfinderin ins Spiel. In Erinnerungen aus dem Jahr 1946 wird sie erstmals mit der Rezeptur in Verbindung gebracht. Historiker halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass sie ein völlig eigenständiges Rezept hatte – wahrscheinlicher sei eine Weiterentwicklung bestehender Grundlagen.
Fazit
Der „Krieg“ um die Mozartkugel ist längst mehr als eine juristische Auseinandersetzung:
Er ist ein Kampf um Tradition, Handwerk, Markenwert und Geschichte – und zeigt, wie emotional ein Stück süßer Kulturgeschichte in Salzburg verteidigt wird.