In den USA ist Wohnen für viele Menschen unbezahlbar geworden. Steigende Preise, hohe Zinsen und ein leergefegter Markt prägen die Realität. Präsident Donald Trump hat nun neue Vorschläge präsentiert, um die Wohnkosten zu senken – und macht dabei vor allem die Wall Street zum Sündenbock. Doch viele Ökonomen sind sich einig: Diese Diagnose greift zu kurz.
Trump kündigte an, große institutionelle Investoren vom Kauf weiterer Einfamilienhäuser auszuschließen. Zudem brachte er ins Spiel, dass der Staat für rund 200 Milliarden Dollar hypothekenbesicherte Anleihen kaufen solle, um die Zinsen zu drücken. Beide Ideen klingen populär und richten sich klar gegen „Finanzhaie“. Das eigentliche Problem des US-Wohnungsmarktes lösen sie jedoch kaum.
Der zentrale Engpass ist nicht die Nachfrage durch Investoren, sondern das viel zu geringe Angebot. Schätzungen von Goldman Sachs zufolge fehlen in den USA rund vier Millionen Wohnungen, um wieder ein bezahlbares Niveau zu erreichen. Dieser strukturelle Mangel hat sich über mehr als ein Jahrzehnt aufgebaut – durch zu wenig Neubau, strenge Bauvorschriften und langsame Genehmigungsverfahren.
Zwar ist es richtig, dass große Investmentfirmen seit der Finanzkrise 2008 verstärkt Immobilien gekauft haben. Doch ihr Anteil am Gesamtmarkt bleibt begrenzt. Institutionelle Investoren mit mehr als 1.000 Objekten machten zuletzt nur etwa ein bis drei Prozent der Hauskäufe aus. Der Großteil entfällt auf private Kleinvermieter, die ein oder zwei zusätzliche Häuser besitzen. Selbst ein vollständiges Verbot großer Investoren würde daher kaum spürbar auf die Preise wirken.
In einzelnen Städten wie Atlanta oder Phoenix ist der Einfluss institutioneller Käufer zwar größer. Doch auch dort zeigt sich: Wo mehr gebaut wird, entspannen sich die Preise. Steigende Zinsen haben zudem dazu geführt, dass sich große Investoren zuletzt ohnehin zurückgezogen haben.
Auch Trumps zweite Idee, durch massive staatliche Käufe von Hypothekenanleihen die Zinsen zu senken, greift zu kurz. Niedrigere Zinsen könnten zwar die monatlichen Belastungen reduzieren, sie schaffen aber keine einzige neue Wohnung. Außerdem würde der sogenannte „Lock-in-Effekt“ bestehen bleiben: Viele Eigentümer verkaufen nicht, weil sie ihre alten, günstigen Kredite nicht aufgeben wollen.
Experten betonen daher, dass die wirksamsten Maßnahmen weniger spektakulär sind. Der Bund könnte Anreize für Bundesstaaten und Kommunen schaffen, mehr Wohnraum zu genehmigen: durch vereinfachte Bauvorschriften, schnellere Verfahren und höhere Bebauungsdichten. Politisch ist das mühsam – ökonomisch aber entscheidend.
Trumps Fokus auf die Wall Street mag im Wahlkampf gut ankommen. Doch solange der massive Wohnungsmangel nicht angegangen wird, bleiben solche Maßnahmen vor allem Symbolpolitik.