Der Sohn eines inhaftierten venezolanischen Oppositionspolitikers hat den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump eindringlich davor gewarnt, den Zusagen der venezolanischen Regierung zur Freilassung politischer Gefangener zu vertrauen. Ramón Guanipa, Sohn von Juan Pablo Guanipa, erklärte gegenüber BBC Mundo, Trump dürfe sich nicht „täuschen lassen“, da bisher nur ein Bruchteil der versprochenen Häftlinge freigelassen worden sei.
Die Regierung in Caracas hatte angekündigt, als „Geste des guten Willens“ eine größere Zahl politischer Gefangener freizulassen. Menschenrechtsorganisationen sprechen von mehr als 800 politischen Häftlingen im Land. Nach Angaben von Angehörigen und Aktivisten seien jedoch bislang lediglich rund 40 Personen freigekommen. Trump hatte dennoch öffentlich erklärt, die Freilassungen hätten „in großem Stil“ begonnen, und den venezolanischen Behörden dafür gedankt.
Ramón Guanipa zeigte sich überzeugt, dass Trump nicht ausreichend über die tatsächliche Lage informiert sei. „Ich möchte Präsident Trump sagen, dass er den Druck aufrechterhalten muss. Wenn er denkt, dass alles gut läuft, dann stimmt das nicht“, sagte er. Gleichzeitig bedankte er sich für den internationalen Druck, den die USA ausübten, und bezeichnete Trump als wichtigen Verbündeten der venezolanischen Opposition.
Juan Pablo Guanipa, ein enger Verbündeter der Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado, wurde im Mai 2025 verhaftet. Zuvor war er untergetaucht, nachdem ihm Terrorismus und Hochverrat vorgeworfen worden waren. Hintergrund war seine Kritik an der Präsidentschaftswahl 2024, die laut UN nicht den grundlegenden Standards von Transparenz und Integrität entsprach und von den USA als manipuliert bezeichnet wurde.
Sein Sohn durfte ihn seit der Festnahme nur ein einziges Mal besuchen. Als die angekündigten Freilassungen bekannt wurden, reiste Ramón Guanipa umgehend nach Caracas, in der Hoffnung, seinen Vater wiederzusehen. „Wenn dir gesagt wird, dass sie deine Familie freilassen, wird alles andere unwichtig“, erklärte er. Als sein Vater nicht unter den Freigelassenen war, habe er sich zwar „besiegt“ gefühlt, aber zugleich neuen Antrieb gefunden, weiterzukämpfen.
Die Situation spitzt sich besonders rund um das berüchtigte Gefängnis El Helicoide zu, wo Angehörige weiterhin ausharren und Informationen über ihre inhaftierten Verwandten fordern. Menschenrechtsgruppen werfen der Regierung seit Jahren vor, Verhaftungen systematisch zur Unterdrückung politischer Gegner einzusetzen. Dass bislang nur wenige Gefangene freigelassen wurden, nährt Zweifel am tatsächlichen Reformwillen der Übergangsregierung und an ihrer Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den USA.