Die Ukraine intensiviert ihre Angriffe auf die russische Energieindustrie und nimmt dabei erstmals offenbar auch Ölbohrplattformen im Kaspischen Meer ins Visier. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs in Kiew wurden drei Bohrplattformen des russischen Energiekonzerns Lukoil beschädigt. Diese hätten der Versorgung russischer Streitkräfte im Krieg gegen die Ukraine gedient. Die Militärführung sprach von „direkten Treffern“, was auf den Einsatz von Langstreckendrohnen hindeutet, ohne jedoch Details zur genauen Art des Angriffs zu nennen.
Begleitet wurden die Angaben von einem Video, das von den ukrainischen Spezialkräften veröffentlicht wurde und den Angriff aus der Perspektive angreifender Drohnen zeigen soll. Unabhängige Bestätigungen für die Echtheit der Aufnahmen oder den Umfang der Schäden liegen bislang nicht vor. Das russische Militär äußert sich grundsätzlich nicht zu möglichen Verlusten oder Schäden infolge ukrainischer Angriffe.
Seit Monaten verfolgt Kiew eine Strategie, gezielt die russische Öl- und Gasinfrastruktur anzugreifen. Ziel ist es, die Finanzierung des Krieges zu schwächen und die Versorgung der russischen Truppen zu erschweren. Ins Visier geraten dabei regelmäßig Raffinerien, Treibstofflager, Gasdepots und wichtige Umschlagplätze. Der mutmaßliche Angriff auf Bohrplattformen würde diese Strategie auf eine neue Ebene heben, da auch Förderanlagen selbst betroffen wären.
Erst Ende Dezember meldete die Ukraine einen erfolgreichen Drohnenangriff auf ein Treibstofflager in der Region Jaroslawl nordöstlich von Moskau. Dabei soll das Terminal „Temp“ in der Stadt Rybinsk in Brand geraten sein. Nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes SBU gehört diese Anlage zu den strategischen Reserven Russlands. Ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter erklärte, man unterbreche mit „chirurgischer Präzision“ die Lieferketten russischer Erdölprodukte sowohl für den Export als auch für die Front. Auch hierzu gab es von russischer Seite keine offizielle Stellungnahme.
In derselben Nacht wurden zudem weitere Ziele angegriffen. In der südrussischen Region Krasnodar brach nach einem Drohnenangriff ein Feuer in der Ölraffinerie im Hafen von Tuapse am Schwarzen Meer aus. Die regionalen Behörden teilten mit, der Brand sei gelöscht worden. Zwei Menschen seien verletzt worden, außerdem habe es Schäden an Hafenanlagen, mehreren Wohnhäusern und einer Gasleitung gegeben.
Die zunehmenden Angriffe zeigen, wie stark sich der Krieg auch auf die wirtschaftliche und infrastrukturelle Ebene verlagert hat. Während Russland militärisch weiter Druck auf die Ukraine ausübt, versucht Kiew, mit gezielten Schlägen gegen die Energiebranche die materiellen Grundlagen der russischen Kriegsführung nachhaltig zu schwächen.