Die anhaltenden Proteste im Iran fordern weiterhin einen hohen Blutzoll. Unter den mehr als 490 Menschen, die laut Menschenrechtsorganisationen in den vergangenen zwei Wochen getötet wurden, sind Studenten, Arbeiter, Sportler und Familienväter. Ihre Geschichten zeichnen ein erschütterndes Bild von einer Gesellschaft, die trotz massiver Repression für Freiheit, Würde und grundlegende Rechte auf die Straße geht.
Eine von ihnen ist Robina Aminian, eine 23-jährige Studentin aus Teheran. Sie studierte Modedesign an der Shariati Technical University und träumte davon, eines Tages in Mailand zu arbeiten. Auf sozialen Medien präsentierte sie stolz traditionelle kurdische Kleidung. Am Tag ihres Todes schloss sie sich einer Demonstration gegen das Regime an. Dort wurde sie nach Angaben von Menschenrechtsgruppen durch Schüsse getötet. Ihre Familie berichtete später, dass viele der Leichen junger Demonstrierender Kopfschüsse aufwiesen. Aminian wurde ohne Zeremonie beerdigt – ein stilles Ende für ein junges Leben voller Pläne.
Auch Ebrahim Yousifi, ein 42-jähriger Krankenhausmitarbeiter und Vater von drei Kindern aus Kermanshah, wurde während der Proteste erschossen. Angehörige berichten, dass der Kontakt zur Familie nach seinem Tod vollständig abbrach, was sie auf die massive Internetabschaltung zurückführen. Gerade in kurdischen Regionen gehe der Staat besonders hart gegen Protestierende vor.
Ein weiteres bekanntes Opfer ist Mehdi Zatparvar, ein 39-jähriger ehemaliger Bodybuilding-Weltmeister und Trainer aus Rasht. Er galt als angesehener Sportler mit einem Masterabschluss in Sportphysiologie. Kurz vor seinem Tod schrieb er auf Instagram, dass das unterdrückte Volk endlich seine Stimme erheben müsse. Wenig später wurde er bei Protesten getötet, sein Account anschließend gelöscht.
Neben diesen bekannten Namen gibt es zahlreiche weitere Opfer: der 28-jährige Friseur und Social-Media-Aktive Shayan Asadollahi, der 17-jährige Auszubildende Reza Moradi Abdolvand, der nach Tagen im Koma starb, oder Ahmadreza Amani, ein angehender Anwalt, dessen Familie erst nach der Beerdigung über den Ort seines Grabes informiert wurde.
Menschenrechtsgruppen sprechen von einer beispiellosen Gewaltwelle. Sicherheitskräfte sollen mit scharfer Munition gegen Demonstrierende vorgehen, während gleichzeitig drakonische Strafen drohen. Trotz Internet-Blackout und Todesgefahr gehen weiterhin Menschen in über 180 Städten auf die Straße. Die Opfer zeigen, dass die Proteste alle Schichten der Gesellschaft erfassen – und dass der Wunsch nach Freiheit im Iran stärker ist als die Angst.