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Wintergäste wider Erwartung: Störche trotzen erstmals Schnee und Frost in Sachsen-Anhalt

geralt (CC0), Pixabay

Ein ungewöhnliches Naturereignis sorgt in Sachsen-Anhalt für Aufmerksamkeit bei Vogelschützern und Naturfreunden. Erstmals ist dort ein frei lebender Storch bei winterlichen Bedingungen mit Schnee und Frost nachgewiesen worden. Die Beobachtung markiert eine Besonderheit, denn bislang galten andere Regionen Deutschlands als die nördlichsten Schauplätze dieses Phänomens.

Entdeckt wurde der Storch im Raum Loburg im Jerichower Land. Nach Einschätzung von Fachleuten handelt es sich um ein bemerkenswertes Zeichen für veränderte Zug- und Überwinterungsgewohnheiten der Tiere. Während Störche traditionell als klassische Zugvögel gelten, die den Winter in wärmeren Regionen Afrikas verbringen, bleiben inzwischen immer mehr Tiere ganzjährig in Mitteleuropa.

Bislang waren Überwinterungen unter frostigen Bedingungen vor allem aus Bundesländern wie Hessen, Bayern oder Baden-Württemberg bekannt. Dass nun auch in Sachsen-Anhalt ein Storch Schnee und Minusgrade aushält, deutet auf eine weitere Verschiebung dieses Verhaltens hin. Milde Winter in den vergangenen Jahren, veränderte Landschaften und ein teils besseres Nahrungsangebot haben dazu beigetragen, dass manche Störche auf den beschwerlichen Zug verzichten.

Allerdings stellen Schnee und Frost die Tiere vor große Herausforderungen. Gefrorene Böden erschweren die Nahrungssuche erheblich, da Regenwürmer, Insekten und Kleintiere kaum erreichbar sind. Dennoch gelten Störche als widerstandsfähiger, als lange angenommen. Fachleute weisen darauf hin, dass die Vögel durchaus ein bis zwei Wochen ohne Nahrung auskommen können, sofern sie gesund und kräftig sind.

Die Beobachtung in Sachsen-Anhalt wird daher aufmerksam verfolgt. Sie liefert neue Hinweise darauf, wie flexibel sich Störche an veränderte klimatische Bedingungen anpassen. Zugleich mahnen Naturschützer zur Vorsicht: Ein einzelnes Tier mag den Winter überstehen, doch längere Kälteperioden können für überwinternde Störche schnell lebensbedrohlich werden.

Der Nachweis im Jerichower Land gilt als weiteres Indiz dafür, dass sich das Verhalten vieler Tierarten im Zuge des Klimawandels wandelt. Was früher als Ausnahme galt, könnte künftig häufiger werden – selbst dort, wo Schnee und Eis bislang als klare Grenze für winterharte Zugvögel galten.

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