Die diplomatischen Spannungen zwischen Südafrika und den USA erreichen mit dem jüngsten gemeinsamen Militärmanöver mit China, Iran und Russland einen neuen Höhepunkt. In Simons Town, dem wichtigsten Marinestützpunkt des Landes, liefen in den letzten Tagen Kriegsschiffe dieser drei Staaten ein – ein deutliches Zeichen für Südafrikas wachsende Nähe zu Brics+-Partnern.
Die Übungen, die unter dem Namen „Will for Peace“ firmieren, sollen laut südafrikanischem Verteidigungsministerium der maritimen Sicherheit und internationalen Zusammenarbeit dienen. Doch gerade die Beteiligung von Iran und Russland – beide in aktive Konflikte verwickelt und mit westlichen Sanktionen belegt – sorgt in Washington für Besorgnis. Kritiker sehen darin eine klare Abkehr von der offiziell proklamierten Neutralität Südafrikas in geopolitischen Fragen.
Bereits während der Übung „Mosi II“ im Jahr 2023 geriet Südafrika international in die Kritik, da das Manöver kurz nach dem Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine stattfand. Auch diesmal werfen Analysten der Regierung mangelndes diplomatisches Feingefühl vor. Die Teilnahme Irans ist besonders heikel, da die USA unter Präsident Trump wieder eine härtere Linie gegen Teheran verfolgen.
Südafrika befindet sich damit in einer geopolitischen Zwickmühle: Während die Brics+-Partnerschaft für viele in der regierenden Partei ANC als ideologisch wertvoll gilt, ist die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Westen – insbesondere den USA – nicht zu unterschätzen. Laut Analyst William Gumede schaffen US-Firmen über 500.000 Arbeitsplätze in Südafrika – deutlich mehr als chinesische Unternehmen. Der Verlust von Handelspräferenzen oder neue Strafzölle könnten die ohnehin schwächelnde Wirtschaft weiter belasten.
Besonders umstritten ist die Haltung des ANC zur Außenpolitik nach der verlorenen Parlamentsmehrheit im Jahr 2024. Die neue Koalitionsregierung, zu der auch die pro-westliche Democratic Alliance gehört, fordert eine ausgewogenere Strategie. Diese wirft dem ANC vor, außenpolitische Entscheidungen weiterhin im Alleingang zu treffen.
Trotz interner und externer Kritik verteidigt das Verteidigungsministerium die Übungen als wichtige Trainingsmöglichkeit für die geschwächten Streitkräfte. Doch viele Experten warnen: Nicht die militärische Zusammenarbeit selbst sei problematisch, sondern deren Symbolik in einem geopolitisch aufgeheizten Umfeld.
Ob das Manöver langfristige diplomatische Folgen haben wird, bleibt abzuwarten – fest steht jedoch, dass Südafrikas außenpolitischer Balanceakt immer schwieriger wird.