Die ukrainische Hauptstadt Kiew steht nach einem schweren russischen Drohnenangriff erneut vor massiven Herausforderungen. Mit Temperaturen bis zu minus 17 Grad Celsius bleibt die Versorgung mit Strom, Heizung und Wasser in weiten Teilen der Stadt vorerst unterbrochen. Die Stadtverwaltung musste das Stromnetz gezielt abschalten, um dringend notwendige Reparaturarbeiten an der beschädigten Infrastruktur durchführen zu können. Wie lange diese andauern werden, ist derzeit unklar.
Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko handelt es sich um die gravierendsten Schäden an der städtischen Infrastruktur seit Beginn des russischen Angriffskriegs vor fast vier Jahren. Der jüngste Angriff traf insbesondere Wohngebiete im Osten Kiews und forderte erneut Menschenleben. Mehrere hunderttausend Haushalte sind betroffen – und das mitten in einer anhaltenden Kältewelle.
Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte, Russland versuche systematisch, ukrainische Großstädte durch gezielte Angriffe auf Energieanlagen unbewohnbar zu machen. Nach Einschätzung des ukrainischen Militärs sind dabei auch Städte wie Dnipro, Saporischschja, Krywyj Rih und Odessa regelmäßig Ziel solcher Attacken. Die Taktik: durch Kälte, Stromausfälle und Versorgungsengpässe die Bevölkerung zermürben.
Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko betonte, dass es erste Erfolge bei der Wiederherstellung der Versorgung gebe. So sei es gelungen, Teile der Hauptstadt und umliegende Regionen wieder ans Stromnetz anzuschließen. Dennoch bleibt die Lage insbesondere in Kiew extrem angespannt.
Bürgermeister Klitschko rät den Bürgerinnen und Bürgern, die Stadt zu verlassen, sofern sie bei Verwandten oder in anderen Teilen des Landes Zugang zu Wärme und Strom haben. Krankenhäuser werden derzeit mit mobilen Heizkesseln versorgt, zudem wurden in Kiew rund 1200 Notfallpunkte eingerichtet, an denen sich Menschen aufwärmen, Wasser holen und ihre Mobilgeräte aufladen können.
Parallel geht auch die militärische Auseinandersetzung weiter: Die ukrainische Armee beschoss in der Nacht auf Freitag ein russisches Kraftwerk im Gebiet Belgorod. Nach Angaben der russischen Behörden fiel dort ebenfalls großflächig der Strom aus.
Die humanitäre Lage bleibt angespannt. Die kommenden Tage werden zeigen, ob Kiew der Belastungsprobe standhält – oder ob der Winter zum gefährlichsten Gegner der Zivilbevölkerung wird.