Der tragische Tod des 24-jährigen Anjel Chakma in Dehradun hat eine landesweite Debatte über den alltäglichen Rassismus gegenüber Menschen aus Nordostindien entfacht. Anjel, ein MBA-Student aus Tripura, wurde Mitte Dezember 2025 zusammen mit seinem Bruder Michael auf dem Markt von einer Gruppe Männer rassistisch beleidigt und anschließend brutal angegriffen. Während Michael sich von seinen Verletzungen erholte, starb Anjel 17 Tage später an schweren Stich- und Kopfverletzungen.
Die Polizei nahm fünf Verdächtige fest, wies jedoch eine rassistische Motivation zurück – ein Standpunkt, den die Familie Chakma nicht akzeptiert. Für viele Menschen aus dem Nordosten Indiens ist dieser Vorfall kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines tief verwurzelten strukturellen Problems: rassistische Diskriminierung in Alltag, Bildung und Beruf.
Personen aus den nordöstlichen Bundesstaaten – wie Mizoram, Nagaland, Manipur oder Arunachal Pradesh – berichten regelmäßig von Beleidigungen, Fragen nach ihrer Staatsbürgerschaft und Schwierigkeiten bei Wohnungssuche oder Jobsuche. Ihre asiatisch geprägten Gesichtszüge werden oft zum Anlass für Ausgrenzung, Spott und sogar Gewalt genommen.
Nach dem Tod von Nido Tania im Jahr 2014 wurde bereits eine Expertenkommission eingerichtet, die unter anderem ein Anti-Rassismus-Gesetz forderte. Doch umgesetzt wurde bislang wenig. Aktivist:innen kritisieren, dass die indische Regierung das Problem weiterhin ignoriere oder als Ausnahme darstelle.
Studentengruppen und Menschenrechtsorganisationen fordern nun erneut klare gesetzliche Regelungen, um rassistische Übergriffe strafrechtlich zu verfolgen. Ein solches Gesetz könne, ähnlich wie Gesetze gegen Mitgift oder Kastenbasierte Gewalt, nicht nur Opfern helfen, sondern auch gesellschaftliches Bewusstsein schaffen.
In Tripura trauert der Vater Tarun Chakma um seinen Sohn, während er sich Sorgen um Michael macht, der bald nach Dehradun zurückkehren muss, um sein Studium zu beenden. Die Familie steht vor der schwierigen Entscheidung zwischen Bildung und Sicherheit.
Der Fall Anjel Chakma ist ein mahnendes Beispiel dafür, dass Indien sich dringend mit den innergesellschaftlichen Spannungen und rassistischen Vorurteilen auseinandersetzen muss. Es geht nicht nur um Gerechtigkeit für Anjel – sondern um ein Umdenken in der gesamten Gesellschaft.