Es gibt Orte, an denen man lieber keine Cola fallen lässt – zum Beispiel in der frostigen Kathedrale von Google in Santa Barbara, wo „Willow“ wohnt: der wohl mächtigste Computer der Welt. Ein Gerät, das aussieht wie eine überambitionierte Discokugel aus den 80ern, aber angeblich die Zukunft der Menschheit verändern soll. Man nennt es „Quantencomputer“. Aber ehrlich gesagt – „Chandeliers of Doom“ klingt doch viel besser.
„Willow“ hängt dort, wo andere Menschen vielleicht ein Windspiel oder ein Familienporträt aufhängen würden: meterhoch in einem hermetisch abgeriegelten Labor. Das Gerät ist von Bronze, Drähten und flüssigem Helium umgeben – Temperatur: knapp über dem absoluten Nullpunkt. So kalt, dass selbst Pinguine freiwillig die Flucht ergreifen würden.
Hartmut Neven, Chef der Quantenabteilung bei Google, sieht aus wie der verlorene Bruder von Elon Musk und dem DJ von Burning Man. Er sagt, Willow sei „der Gamechanger“, der Probleme löst, die man vorher gar nicht verstanden hat. Klimawandel? Zack, gelöst. Welthunger? Kein Thema. Neue Medikamente? Nur eine Frage der Quantenlogik.
Klingt beeindruckend. Oder größenwahnsinnig. Oder beides.
Natürlich wird hier nicht alles verraten. Exportbeschränkungen, Staatsgeheimnisse, der potenzielle Tod von Bitcoin – all das wabert wie ein kalter Nebel durch den Raum. Das Ganze erinnert ein bisschen an eine Mischung aus James Bond, Silicon Valley und einem besonders seltsamen Kunstprojekt.
Das Rennen ist eröffnet: Die USA bauen Chandeliers, China schießt Quantenkommunikationssatelliten ins All, und Großbritannien will mitmischen, sobald der Tee gezogen ist. Die Maschinen sind zwar noch „fehleranfällig“, aber hey – auch Einstein hat klein angefangen.
Und dann kommt da noch die Theorie vom Multiversum ins Spiel. Neven meint, Willow sei vielleicht so schnell, weil er parallel in 105 Universen rechnet. Das klingt wie Science-Fiction – und genau das ist es wahrscheinlich auch.
Aber Vorsicht: Wenn dieser metallene Oktopus irgendwann wirklich alles entschlüsseln kann, was je verschlüsselt wurde, sollten Sie besser keine peinlichen Mails mehr schreiben. Denn die Zukunft ist kalt, komplex – und trägt den Namen eines Baumes.