Großbritannien geht einen weitreichenden Schritt im Kampf gegen Kinderübergewicht: Ein umfassendes Werbeverbot für Junk-Food im Fernsehen und im Internet ist in Kraft getreten. Die Regierung erwartet davon einen spürbaren gesundheitlichen Effekt – nach Schätzungen des Gesundheitsministeriums könnten bis zu 20.000 Fälle von Fettleibigkeit bei Kindern verhindert werden.
Was künftig nicht mehr beworben werden darf
Konkret untersagt das neue Gesetz Werbung für als „weniger gesund“ eingestufte Lebensmittel vor 21.00 Uhr im Fernsehen. Im Internet gilt das Verbot sogar rund um die Uhr für bezahlte Werbung. Betroffen sind unter anderem:
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gezuckerte Frühstücksflocken
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Energydrinks
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tiefgekühlte Hühnernuggets
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Pizza, Kekse und Bonbons
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Eiscreme und bestimmte Backwaren
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aromatisierte Joghurts
Nicht betroffen sind dagegen Produkte wie Naturjoghurt oder andere Lebensmittel, die das offizielle Nährwertkriterium erfüllen.
Klare Ansage aus London
Die britische Regierung begründet das Verbot mit eindeutigen Studienergebnissen. Werbung beeinflusse nachweislich, was Kinder essen, wann sie essen – und was sie mögen, heißt es. Essgewohnheiten würden früh geprägt, mit langfristigen Folgen für Gesundheit und Lebensqualität.
Gesundheitsministerin Ashley Dalton erklärte, Ziel sei es, die „übermäßige Präsenz ungesunder Lebensmittel“ im Alltag von Kindern deutlich zu reduzieren. Gerade digitale Werbung wirke besonders subtil, dauerhaft und schwer kontrollierbar.
Strenges Bewertungssystem entscheidet
Welche Produkte unter das Verbot fallen, wurde nicht willkürlich festgelegt. Grundlage ist ein offizielles britisches Nährwertmodell, das Zucker-, Fett- und Salzgehalt ebenso berücksichtigt wie Eiweiß und Ballaststoffe. Nur Produkte, die dieses System als ausgewogen einstuft, dürfen weiterhin beworben werden.
Damit setzt Vereinigtes Königreich auf Regulierung statt Appelle – ein Ansatz, der international aufmerksam beobachtet wird.
Alarmierende Zahlen bei Kindern
Der politische Druck ist hoch. Nach Regierungsangaben sind in England bereits 22 Prozent der Fünfjährigen übergewichtig oder fettleibig. Mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule steigt der Anteil sogar auf rund ein Drittel. Mediziner warnen vor langfristigen Folgen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychosozialen Problemen.
Vorbild für andere Länder?
Während Lebensmittelindustrie und Werbewirtschaft Kritik üben und wirtschaftliche Nachteile befürchten, begrüßen Ärzteverbände und Kinderschützer den Schritt ausdrücklich. Sie sehen das Verbot als längst überfällige Korrektur eines Marktes, der Kinder jahrelang gezielt mit hochkalorischen Produkten konfrontiert habe.
Ob andere europäische Länder dem britischen Beispiel folgen, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch: Großbritannien setzt ein deutliches Signal – Kinderschutz vor Werbefreiheit. Und das zur besten Sendezeit.