Finanzbetrüger halten mit dem technologischen Fortschritt Schritt – und nutzen neue digitale Möglichkeiten schneller als viele andere. Das zeigt eine aktuelle Mitteilung der österreichischen Finanzmarktaufsicht. Deepfake-Videos, betrügerische WhatsApp-Gruppen und mit künstlicher Intelligenz gesteuerte Chatbots prägten demnach das Betrugsjahr 2025 und sorgten für Rekordschäden bei Anlegerinnen und Anlegern.
Nach Angaben der FMA wurden im vergangenen Jahr 843 Betrugsfälle gemeldet. Die Schadenssumme belief sich auf rund 19,6 Millionen Euro und lag damit deutlich über dem Vorjahr. Besonders alarmierend ist, dass die Täter nicht nur zahlreicher auftreten, sondern auch immer höhere Beträge ergaunern. Der höchste dokumentierte Einzelschaden lag bei etwa 830.000 Euro. Parallel dazu veröffentlichte die FMA 97 Warnmeldungen vor unerlaubt tätigen Anbietern, meist im Zusammenhang mit vermeintlichen Online-Handelsplattformen.
Ein auffälliger Trend des Jahres waren betrügerische WhatsApp-Gruppen. Opfer werden häufig über Online-Werbung, gefälschte Videos mit prominenten Persönlichkeiten oder direkte Einladungen in geschlossene Chatgruppen gelockt. Dort diskutieren angebliche Mitglieder vermeintlich lukrative Trading-Tipps und exklusive Investmentchancen. Ziel ist es, Vertrauen aufzubauen und eine glaubwürdige Gemeinschaft vorzutäuschen. Nach Einschätzung der FMA kommen dabei zunehmend KI-gesteuerte Chatbots zum Einsatz, die Aktivität und Zustimmung simulieren. In separaten privaten Chats werden die Betroffenen anschließend gezielt zu Investitionen gedrängt. Die überwiesenen Gelder landen meist auf ausländischen Konten oder in digitalen Wallets.
Für die Finanzaufsicht stellen diese Entwicklungen eine wachsende Herausforderung dar. Die Täter agieren anonym, wechseln regelmäßig Gruppennamen und treten oft ohne klar erkennbare Unternehmensbezeichnungen oder Internetadressen auf. Während betrügerische Aktivitäten früher häufig über öffentlich zugängliche Webseiten liefen, verlagern sie sich nun verstärkt in private Kanäle sozialer Netzwerke. Das erschwert Ermittlungen und verzögert mitunter auch offizielle Warnungen. Zwar können verdächtige Inhalte auf Plattformen gemeldet werden, doch die Verfahren gelten als langwierig und wenig transparent.
Die FMA ruft daher zu besonderer Vorsicht auf. Gruppeneinladungen sollten grundsätzlich kritisch geprüft oder im Zweifel gar nicht angenommen werden. Versprechen hoher Gewinne bei geringem Risiko, Zeitdruck oder Aufforderungen zu Überweisungen ins Ausland gelten als klare Warnsignale. Verdächtige Profile sollten gemeldet und zusätzlich auf spezialisierten Warnplattformen angezeigt werden. Auch direkte Hinweise an die Finanzaufsicht helfen, neue Betrugsmodelle schneller zu erkennen und andere Anleger zu warnen.
Ein zentraler Schwerpunkt der FMA bleibt die Prävention. Mit Informationsangeboten und Bildungsformaten will die Behörde das Bewusstsein für Anlagebetrug stärken. Dazu zählen Informationskampagnen, Unterrichtsmaterialien sowie Social-Media-Formate und Podcasts, die finanzielle Grundbegriffe verständlich erklären. Angesichts der zunehmenden Professionalität der Betrüger setzt die Aufsicht auch im Jahr 2026 verstärkt auf Aufklärung – als wichtigste Waffe gegen immer raffiniertere Täuschungsversuche.