Der große Wohnmobil-Boom der vergangenen Jahre ist spürbar abgeflaut – mit drastischen Folgen für die Branche. In Schleswig-Holstein hat nun ein weiterer Anbieter von Camper-Vans Insolvenz angemeldet. Das junge Unternehmen aus Bargteheide, das sich auf den hochwertigen Ausbau von Kastenwagen und Kleinbussen spezialisiert hatte, ist zahlungsunfähig.
Noch vor Kurzem präsentierte die Firma ihre individuell gestalteten Camper auf Messen und weckte bei Reisefans die Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit. Nun folgte der Gang zum Amtsgericht: Der Insolvenzantrag ist gestellt, die Eröffnung des Verfahrens ist für Anfang März vorgesehen. Bis dahin soll der Betrieb mit seinen 18 Beschäftigten zunächst weiterlaufen.
In einer Mitteilung an Kunden kündigte das Unternehmen an, zwischen den Jahren offene Projekte aufzuarbeiten und zeitnah über das weitere Vorgehen zu informieren. Ziel sei es, möglichst viele bereits begonnene Fahrzeuge noch fertigzustellen und auszuliefern.
Der Kern des Geschäftsmodells: Vans – teils neu, teils gebraucht – wurden mit maßgefertigten Betten, Küchenmodulen und Sitzlösungen zu vollwertigen Campern umgebaut. Für ein solches Fahrzeug mussten Kunden oft rund 50.000 Euro einplanen. Doch genau hier liegt auch das Problem.
Die Kosten für Bauteile und Materialien sind in kurzer Zeit massiv gestiegen – teils um ein Vielfaches. Gleichzeitig hat die Nachfrage nach Campingfahrzeugen deutlich nachgelassen. Diese Kombination aus explodierenden Produktionskosten und schwächerem Absatz brachte das Unternehmen in Schieflage.
Ganz aufgegeben wird der Betrieb jedoch noch nicht. Parallel zur Abwicklung läuft bereits die Suche nach Investoren. Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb möglichst nahtlos zu übertragen und so Arbeitsplätze sowie Kundenaufträge zu sichern.
Die Insolvenz steht exemplarisch für die Lage der gesamten Branche. Nach dem pandemiebedingten Höhenflug normalisiert sich der Markt wieder. Die Zahl der Neuzulassungen sinkt, Preise geraten unter Druck, erste Anbieter verschwinden vom Markt. Langfristig rechnen Branchenkenner jedoch damit, dass sich der Wohnmobilmarkt auf dem Niveau vor der Corona-Zeit stabilisieren wird – kleiner, aber weiterhin mit Perspektive.