Die finanzielle Lage von Rentnerinnen und Rentnern in Deutschland ist deutlich vielschichtiger, als es die oft zitierte Durchschnittsrente vermuten lässt. Zwar gibt es eine relevante Gruppe älterer Menschen, die mit sehr geringen Einkünften auskommen muss, insgesamt ist die heutige Rentnergeneration jedoch besser abgesichert als häufig angenommen.
Die durchschnittliche gesetzliche Altersrente lag 2023 bei rund 1.100 Euro netto. Dieser Wert allein sagt jedoch wenig über die tatsächliche finanzielle Situation im Alter aus. Denn für viele Ruheständler ist die gesetzliche Rente nur eine von mehreren Einkommensquellen. Zusätzliche Einnahmen aus privater Vorsorge, Vermietung, Kapitalerträgen oder Erwerbstätigkeit spielen eine große Rolle – ebenso wie das Haushaltseinkommen bei Paaren.
Alleinstehende Männer ab 65 Jahren verfügten im Schnitt über rund 2.210 Euro netto im Monat, alleinstehende Frauen über etwa 1.860 Euro. Paare im Rentenalter kamen gemeinsam auf durchschnittlich 3.760 Euro. Besonders auffällig ist die Spreizung: Rund ein Drittel der Paare erzielt monatlich mehr als 4.000 Euro, während etwa zehn Prozent der Alleinstehenden mit weniger als 1.000 Euro auskommen müssen.
Niedrige gesetzliche Renten bedeuten dabei nicht automatisch finanzielle Armut. Häufig sind sie Folge kurzer Erwerbsbiografien oder eines Wechsels in andere Versorgungssysteme wie den Beamtenstatus. In vielen Fällen werden kleine Renten durch andere Einkünfte oder den Partner ausgeglichen. So verfügen selbst Haushalte mit sehr niedrigen Rentenansprüchen teils über vergleichsweise hohe Gesamteinkommen.
Ein weiterer stabilisierender Faktor ist Wohneigentum: Die Mehrheit der Rentnerhaushalte lebt mietfrei oder im eigenen Haus. Zudem erzielen 62 Prozent der Paare und fast die Hälfte der Alleinstehenden zusätzliche Einkommen neben Rente oder Pension. Besonders verbreitet sind private Renten- und Lebensversicherungen sowie Einnahmen aus Vermietung.
Gleichzeitig bleibt Altersarmut ein reales Problem für eine Minderheit. Rund vier Prozent der Menschen im Rentenalter sind auf Grundsicherung angewiesen. Für sie wirken steigende Lebenshaltungskosten besonders belastend, auch wenn die Alterseinkommen insgesamt in den vergangenen Jahren real stärker gestiegen sind als die Inflation.
Insgesamt zeigt sich: Die finanzielle Situation im Ruhestand ist stark ungleich verteilt. Während viele Rentner heute solide oder gut abgesichert sind, leben andere am Existenzminimum. Durchschnittswerte verdecken diese Unterschiede – und machen zugleich deutlich, wie wichtig zusätzliche Vorsorge neben der gesetzlichen Rente bleibt.